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Jauernick am Rand des Abgrunds

Auch die Gemeinde am Schwarzen Berg bekam Probleme mit dem Braunkohlentagebau. Einige waren heftig.

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© Repro: Sammlung Lehmann

Von Ortschronist Joachim Lehmann

Immer wieder erscheinen Beiträge über den Tagebau Oberlausitz. Seltener dagegen wird über Probleme berichtet, die der Tagebau in der Nachbarschaft schuf, zum Beispiel für das Leben der Einwohner in der Gemeinde Jauernick-Buschbach.

Als Ortschronist beschäftige ich mich seit 2003 mit der Chronik dieses Ortes. Für die Gemeinde Jauernick-Buschbach stellte der sich über viele Jahrzehnte ständig entwickelte Kohle-Energieschwerpunkt mit dem Tagebau Berzdorf und dem Kraftwerk Hagenwerder eine erhebliche Belastung dar. Viele Acker- und Wiesenflächen von Jauernicker und Buschbacher Bauern fielen dem Braunkohleabbau zum Opfer. Einige Abbauflächen ließ sich bereits 1923 die Deutsche Petroleum-Aktien-Gesellschaft aus Berlin sichern.

Durch den Bau der drei Kraftwerke in Hagenwerder musste der Kohleabbau enorm gesteigert werden. Die Abbaufelder dehnten sich in Richtung Norden aus. Für die Gemeinde Jauernick-Buschbach bedeutete das, dass bereits Anfang der 1960er Jahre die Verbindungsstraße Buschbach – Berzdorf – Tauchritz, um 1975 die Straße Buschbach – Wiesenmühle – Flutmulde (F 99) nicht mehr befahren werden konnten und weggebaggert wurden. Mit der Entwicklung des Tagebaus war die Verlegung des Baches Pließnitz am südlichen Tagebaurand mit einer Länge von 3,6 Kilometern in den Jahren 1959 bis 1963 notwendig geworden. Im Vorfeld der Tagebauerweiterung mussten auch 1962 bis 1965 die Ortschaft Berzdorf a. d. E. und ab 1986 die Ortschaft Deutsch-Ossig geräumt werden.

Die Erweiterung des Tagebaues im Nordfeld brachte viele Veränderungen, so den notwendigen Bau des Nordrandumfluters. Der erste Abschnitt des künstlich angelegten Flussbettes wurde von Jauernick-Buschbach in Richtung Schönau-Berzdorf mit Einbindung in die Pließnitz gebaut. Der zweite Abschnitt erfolgte vom Buschbachtal, Klein-Neundorf, mit Abflussrichtung Nordkante Tagebau zur Neiße.

1967/68 kam es zu einer größeren Rutschung bei Neuberzdorf (Rutschung H). Die größte Rutschung war die so genannte Rutschung P bei Jauernick-Buschbach, beginnend 1980. Sie war die größte Rutschung des deutschen Braunkohlebergbaues. Durch die Druckbelastungen in den unteren Schichten kam es zu Schwelbränden. Die dabei auftretenden schwefelhaltigen Gase führten zeitweise zu einer immensen Geruchsbelästigung in der Gemeinde Jauernick, insbesondere im Ortsteil Buschbach. Nach immer schwierigeren Abbaubedingungen kam es von 1960 bis die späten 1980er Jahre zu häufigen Sprengeinsätzen. Dies führte in der Ortslage zu einer starken Lärm- und Schwingungsbelastung. Nicht selten kam es in Buschbach zu Rissen an Hauswänden. Die Schäden wurden aber durch das BKW ausgeglichen.

Mit Errichtung der Außenkippe West begann in den 1980er Jahren die großflächige Verkippung, auch von Jauernicker und Buschbacher Flur- und Ackerflächen. Geplant war eine Verkippung bis an den südlichen Schwarzbergrand, bis oberhalb des Denkmal- und des Lindenbusches und in westlicher Richtung bis an die Verbindungsstraße von Friedersdorf nach Schönau-Berzdorf. Dazu wurden zur Vorbereitung der Verkippung große Flächen Mutterboden abgetragen. Durch eine Änderung der Abbaustrategie kam es nicht mehr zu dieser Verkippung. Die Außenverkippung auf der Halde „Neuberzdorf“ wurde Ende 1993 mit der Stillsetzung des Absetzers 1094 abgeschlossen. Die Kohleförderung endete Ende 1997 mit der Schließung des Kraftwerkes Hagenwerder III. Der Forstwirtschaftsbetrieb Löbau, Revier Hagenwerder, begann im Herbst 1978 mit der biologischen Rekultivierung, mit der Bepflanzung der Innenkippe. Bis 1990 wurden 214 Hektar aufgeforstet. Ab 1991 wurde die Rekultivierung fortgeführt.

Durch die Rutschung bei Neuberzdorf zu Beginn der 1980er Jahre und die fortschreitende Verkippung auf der Westhalde kam es zu einer zunehmenden Beeinträchtigung der Wasserversorgung von Jauernick. Verstärkt führte das zu Undichtigkeiten und Rissbildungen an der verlegten Wasserleitung. Zum Teil wurden Provisorien eingesetzt, um die Wasserversorgung aufrechtzuhalten. Dadurch wurde 1988 eine Ersatzwasserleitung verlegt. Diese aus Asbestzementrohren bestehende Leitung führte von Leuba über Schönau-Berzdorf und Friedersdorf vorbei an der Nordwestseite des Schwarzen Berges nach Jauernick. Mit dieser neuen Wasserleitung war eine stabile Wasserversorgung garantiert. Vor der Inbetriebnahme der zentralen Wasserversorgung in den Jahren 1965/66 kam es aufgrund der Grundwasserabsenkung durch den Tagebau besonders in den Sommermonaten zeitweise zu extremem Wassermangel in Jauernick-Buschbach.

In den Jahren 1988 bis 1993 entstanden nach Aufschüttungen der Halden eine Kette von Teichen im Norden und im Nordwesten der Neuberzdorfer Höhe. In dieser Gegend sind mittlerweile viele gefährdete Vogel-, Amphibien-, Reptilienarten, Fischotter und etwa 35 Libellenarten zu finden. Nach dem Tagebau tragen nun diese Biotope heute zur Bereicherung der Artenvielfalt in Fauna und Flora bei.