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Jeder achte Job in Görlitz hängt am Tourismus

Manfred Zeiner untersuchte den Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor. Vor allem eine Besuchergruppe überrascht.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Manche Touristen sind selbst für ausgewiesene Experten ein Buch mit sieben Siegeln. Tagesbesucher zum Beispiel, nicht deutsche wohlgemerkt, sondern die aus Polen und Tschechien. Während deutsche Tagestouristen relativ einfach als solche zu identifizieren sind, funktioniert das bei Gästen aus den Nachbarländern nicht. „Es gibt einfach keine Informationen über das Reiseverhalten und damit keine Zahlen“, sagt Manfred Zeiner. Der Geschäftsführer der DWIF Consulting GmbH aus München stellte am Donnerstag im Schlesischen Museum eine Studie zum Tourismus als Wirtschaftsfaktor für Görlitz vor. Und Tagestouristen spielten in der eine große Rolle. Kein Wunder. Rund zwei Millionen Tagesreisende aus Deutschland besuchten Görlitz 2014. Auf dieses Jahr bezieht sich die gesamte Studie. Die Tagestouristen sorgten für einen Umsatz von rund 53 Millionen Euro, Übernachtungsgäste für 33 Millionen Euro. Von den Tagestouris profitierte vor allem der Einzelhandel, von den Übernachtungsgästen naturgemäß das Gastgewerbe. Auf rund sieben Tagesreisen kommt eine gewerbliche Übernachtung in der Stadt.

„Für den Tagestourismus in Görlitz wurden erstmals überhaupt Zahlen erhoben. Sie verdeutlichen den besonderen Stellenwert dieser Gruppe“, sagt Eva Wittig, Prokuristin bei der Europastadt Görlitz-Zgorzelec. Die städtische GmbH hatte die Studie in Auftrag gegeben. Generell, bescheinigt Experte Manfred Zeiner, ist der Tourismus für Görlitz ein wirtschaftliches Schwergewicht. Insgesamt kam der Tourismus auf einen Bruttoumsatz von über 86 Millionen Euro. Abzüglich der Mehrwertsteuer, diverser Vorleistungen bleiben fast 40 Millionen Euro an Einkommen aus dem Tourismus in der Stadt. Rein rechnerisch sind das knapp 2 600 Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt von diesem Wirtschaftszweig abhängen.

Mit der Auswahl der Unterkunft, ob Ferienwohnung oder Hotel, könne man Rückschlüsse auf das Ausgabeverhalten der Reisenden in Görlitz ziehen, sagt Manfred Zeiner. Sprich: Wer teurer übernachtet, gibt mehr aus. Bei Touristen, die länger in der Stadt bleiben und in einem Hotel wohnen, sind dies pro Tag rund 127 Euro, bei Gästen in Privatunterkünften rund 59 Euro. Tagesbesucher lassen täglich im Schnitt 27 Euro in der Stadt – das liegt etwa im sächsischen, aber über dem Oberlausitzer Durchschnitt. Insgesamt, so heißt es in der Studie, gab es 2014 rund 275 000 Übernachtungen in Görlitz. Die amtliche Statistik spricht nur von rund 247 000 Übernachtungen. „Wir haben auch Privatunterkünfte mit weniger als zehn Betten berücksichtigt“, erläutert Manfred Zeiner die Differenz. Ferienwohnungen, kleine Pensionen, Gasthöfe und Privatzimmer zählten demnach allein 28 000 Übernachtungen. Über die Hälfte aller Touristen wählten allerdings Hotels als Aufenthalt, gefolgt von Pensionen. „Nicht berücksichtigt wurden in der Studie Besuche bei Bekannten und Verwandten“, sagt der DWIF-Chef. Sein Unternehmen berät unter anderem die Tourismusbranche und Freizeitwirtschaft. Studien wie die für Görlitz gehören zum täglichen Geschäft.

Im Vergleich der touristischen Kennziffern stehe Görlitz im Freistaat gut da, schildert Manfred Zeiner. „Sachsen hat das Pech, dass mit den zwei Flaggschiffen Leipzig und Dresden der Durchschnitt sehr weit angehoben wird“, sagt er. Ein Beispiel: das touristische Einkommen pro Einwohner. Der sächsische Durchschnitt liegt bei 865 Euro, der Görlitzer bei 738 Euro, Zittau kommt auf 290 Euro und Leipzig auf knapp 1 300 Euro. Bei den Übernachtungszahlen habe Görlitz noch Luft nach oben, sagt Manfred Zeiner. Wie er sie steigern würde – konkrete Vorschläge kann er allerdings nicht aus der Westentasche zaubern. „Positiv auf den Tagestourismus wirkt sich eine belebte Innenstadt, Aktivitäten der Händler und kulturelle Veranstaltungen aus“, weiß der DWIF Geschäftsführer. Eva Wittig ist mit der Studie zufrieden. Die Prokuristin: „Die Ergebnisse liefern erstmals ein komplexes Bild dieser Branche und belegen, wie bedeutend der Tourismus für Görlitz ist.“ Auf ein Wort