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John Roberts

Die Entscheidung war zwar aus der Not geboren, aber sie könnte sich als eine der klügsten von US-Präsident George W. Bush erweisen. Denn mit der Nominierung von John Roberts als neuer oberster Richter...

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Die Entscheidung war zwar aus der Not geboren, aber sie könnte sich als eine der klügsten von US-Präsident George W. Bush erweisen. Denn mit der Nominierung von John Roberts als neuer oberster Richter erhält er die Gelegenheit, die künftige Richtung des Supreme Court und damit die Entscheidung in vielen wichtigen gesellschaftlichen Fragen auf lange Sicht festzulegen.

Mit Roberts, dessen Bestätigung durch den Kongress als sicher gilt, rückt ein Mann an die Spitze, der Bushs volles Vertrauen genießt. Der Multimillionär mit einer Anwältin als Ehefrau und zwei adoptierten Kindern, ist anerkannt als brillanter Kopf. Wie aus früheren Erklärungen hervorgeht, steht er dem Abtreibungsrecht zumindest sehr skeptisch gegenüber und meint, dass Gebete in den Schulen zugelassen werden sollten. Dass es ein fundamentales Recht darauf gibt, nicht diskriminiert zu werden, bezweifelt der Harvard-Absolvent. Roberts gilt als begabter Rhetoriker, ist ein festes Mitglied im Establishment und wirkt sympathisch. Man sagt ihm viel Witz nach.

Richter werden in den USA auf Lebenszeit gewählt, Roberts wird mit 50 ein „junger Mann“ in der betagten Richterrunde sein. Als Vorsitzender kann er versuchen, die philosophische Richtung in vielen Bereichen zu prägen. Das Gremium muss sich so häufig mit politischen Streitfragen – von religiösen Themen über die Todesstrafe bis hin zu Minderheitenrechten – befassen, dass es praktisch eine Gesetzgebungsfunktion ausübt. (SZ/dpa)