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Löbau

Käfer-Alarm auf dem Kartoffelacker

Wie in den 1950er-Jahren versucht wurde, einen Großschädling zu bekämpfen.

Kartoffelkäfer bei der "Arbeit": 500 bis 700 Kartoffelstauden kann ein Tier im Jahr vernichten.
Kartoffelkäfer bei der "Arbeit": 500 bis 700 Kartoffelstauden kann ein Tier im Jahr vernichten. © SZ-Archiv

Mit ihm ist vor allem im Juli und August zu rechnen, mit dem Kartoffelkäfer, der schwarz-gelben Gefahr für jedes Kartoffelfeld. Und wie oft wurde er zur Plage! Schon in den 1930er-Jahren wurde jeder zur Kartoffelkäferbekämpfung angehalten. „Sei ein Kämpfer, sei kein Schläfer, acht‘ auf den Kartoffelkäfer!“, hieß es.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich der Schädling besonders stark vermehrte, war um 1950 in der DDR fast die Hälfte der Anbaufläche befallen. 500 bis 700 Kartoffelstauden im Jahr seien das Vernichtungswerk eines einzigen Käfers, wurde der Ernst der Lage vor Augen geführt. Drei Jahre ungestörter Vermehrung würden reichen, dass die Nachkommen eines Käferpaares fünf Hektar Kartoffelfläche kahl fressen, erläuterte ein Experte. „Bekämpft den Kartoffelkäfer und seine Larven! Beteiligt Euch rege am Suchdienst! Meldet jeden Befall dem Rat der Gemeinde oder dem zuständigen Pflanzenschutzwart“, mahnte der Pflanzenschutzbeauftragte des Kreises Löbau am 22. August 1955 in der SZ.

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Um der Plage Herr zu werden, wurden in den Orten Suchkolonnen gebildet, ein „Kartoffelkäfer-Suchdienst“ eingerichtet. Ein Fotodokument aus Ebersbach belegt, wie Rentner 1953 mit Gefäßen in der Hand einen Kartoffelschlag absuchen. Auch Schulklassen bildeten willkommene Suchkolonnen, zumal das Abwechslung in die Feriengestaltung brachte. Für die besten Käfersammler stellte der Rat des Bezirkes Dresden Geldprämien zur Verfügung, die auf die Kreise verteilt wurden. Andererseits wurde säumigen Suchern wie in Ottenhain sogar mit Sanktionen gedroht. „Sie können mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung an die Mitarbeit bei der Vernichtung dieses Großschädlings erinnert werden“, war in einer Verordnung zu lesen.

„Karl Kahlfraß und sein Lieschen“, hieß ein Bilderbuch „für große und kleine Kinder“, das das DDR-Landwirtschaftsministerium in den 1950er-Jahren herausgab und darin die Legende von amerikanischen Käferbombern pflegte.
„Karl Kahlfraß und sein Lieschen“, hieß ein Bilderbuch „für große und kleine Kinder“, das das DDR-Landwirtschaftsministerium in den 1950er-Jahren herausgab und darin die Legende von amerikanischen Käferbombern pflegte. © SZ-Archiv

Da die Plage nur schwer in den Griff zu bekommen war, hatte sich die DDR-Führung frühzeitig der Propaganda des Kalten Krieges bedient. Extra in den USA gezüchtete Käfer würden durch amerikanische Flugzeuge gezielt als biologische Waffe zur Sabotage der sozialistischen Landwirtschaft abgeworfen, wurde behauptet. Daraus entwickelte sich ab 1950 eine regelrechte Kampagne gegen „Amikäfer“ oder „Colorado-Käfer“.

In den letzten Jahren sind keine Kartoffelkäferplagen mehr in der Oberlausitz bekannt geworden. Das dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass der Kartoffelanbau in der Region gegenüber Vorwendezeiten auf rund ein Zehntel geschrumpft ist. Im konventionellen Anbau würden gegen solche Schädlinge außerdem angemessene Pflanzenschutzmaßnahmen ergriffen, so der Bauernverband Oberlausitz.

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