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Kaffeeflecken sind die schlimmsten

© dpa

Die sächsische Textilindustrie erobert neue Märkte. Die Unternehmen profitieren auch vom Kreuzfahrtboom.

Von Ines Mallek-Klein

Mehr Umsatz, mehr Beschäftigte und mehrere erfolgreiche Firmenübernahmen. Die Bilanz der sächsischen Textilindustrie gibt Anlass zur Freude. Anders als in West- und Süddeutschland konnten die Unternehmen aus Sachsen und Thüringen ihren Umsatz im vorigen Jahr leicht um 1,4 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro steigern. Die Beschäftigtenzahl in den 180 Mitgliedsunternehmen des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, kurz vti, stieg um 1,3 Prozent auf rund 16 000. Drei Viertel von ihnen arbeiten im Erzgebirge und in der Oberlausitz. Auch beim Export hat die Branche mit 4,2 Prozent überdurchschnittlich zugelegt – und das, obwohl sich die Ausfuhren nach Russland nahezu halbiert haben. Problem seien weniger die Sanktionen als vielmehr die daraus resultierende Rubelschwäche, sagt vti-Hauptgeschäftsführer Bertram Höfer, der sein Amt Mitte des Jahres an Jens Otto übergeben und sich in den Ruhestand verabschieden wird.

Er übergibt einen Verband, dessen Mitglieder neue Märkte für ihre Textilien gesucht und mittlerweile auch sehr erfolgreich gefunden haben. Das Strumpfwerk Lindner aus Hohenstein-Ernstthal beliefert Sanitätshäuser und hat unter anderem eine Antizecken-Socke entwickelt, die nicht nur von Forstarbeitern gern genutzt wird. Das Unternehmen setzt weiter auf Wachstum. Bis 1. März will Geschäftsführer Thomas Lindner die Strickerei und 21 Mitarbeiter der Strumpfwaren GmbH Epesa aus Leukersdorf in sein Unternehmen integrieren. Der Epesa-Eigentümer war in den Ruhestand gegangen, mangels Nachfolge hätte dem Unternehmen das Aus gedroht. Die teilweise Übernahme durch das Strumpfwerk Lindner ist nicht nur erfreulich, sondern auch ein Beleg für wieder erstarkende Wirtschaftskraft in der Branche, so Bertram Höfer. Die hat es dennoch nicht leicht. Vor allem die hohen Energiekosten belasten die Unternehmen. „Wir haben viel Geld in Wärmerückgewinnung investiert, doch alle Einsparungen wurden von den Preissteigerungen wieder aufgefressen“, sagt Thomas Lindner. Friedmar Götz, der nicht nur Vorstandschef des vti ist, sondern auch Chef des Beschichtungsunternehmens Vowalon, geht es ähnlich. Mit über 40 Millionen Euro Umsatz hat das Unternehmen das beste Jahr seiner Geschichte hinter sich, auch dank der wachsenden Nachfrage von Werften. Kreuzfahrten boomen, immer mehr große Schiffe müssen ausgestattet werden, und dafür wird gern das Kunstleder von Vowalon genutzt. Die technischen Anforderungen sind hoch. Es muss robust, flammenhemmend und fleckenunempfindlich sein. Besonders Kaffee, der auf Kreuzfahrten gern getrunken, aber eben auch verschüttet wird, hinterlässt Flecken. Vowalon hat eine Beschichtung entwickelt, die weniger anfällig ist. 2017 will Götz fünf Millionen Euro in eine neue Druckmaschine investieren. Er hätte gern mehr Geld ausgegeben, aber auch ihn belasten die Energiekosten. Allein 300 000 Euro zahlen die Treuener jedes Jahr als EEG-Umlage.

Während die technischen Textilien gefragter denn je sind und mittlerweile mehr als 50 Prozent des Umsatzes der sächsischen Unternehmen ausmachen, sinkt der Anteil der Bekleidungstextilien weiter. Das hat teils dramatische Folgen. So teilte die Strickerei Strickperle aus Falkenstein erst im Dezember überraschend die Einstellung ihres Geschäftsbetriebes mit.

Bei Spengler & Fürst aus Crimmitschau hat man rechtzeitig reagiert. In den 1990er- Jahren lieferte man noch hochwertige Wollstoffe für Modelabels wie Hugo Boss oder Joop. Die Wollstoffe sind immer noch Teil des Geschäftes, haben aber heute eine weitaus geringere Bedeutung, so Geschäftsführer Eckhard Bräuninger. Auch er setzt auf technische Textilien. Unter dem Namen „bacteria EX“ hat Spengler & Fürst ein Gewebe entwickelt, das die Verbreitung von multiresistenten Keimen in Krankenhäusern stoppt. Hochfeines Silber wird so auf die Fäden aufgebracht, dass die antibakterielle Wirkung auch nach vielen Waschvorgängen erhalten bleibt und die Keime binnen einer Stunde abgetötet werden. In den kommenden Monaten soll das neue Gewebe, das sich für Patientenbekleidung, Handtücher oder Bettwäsche eignet, im Elblandklinikum Meißen und im Universitätsklinikum Dresden getestet werden. Partner beim Vertrieb ist das Unternehmen Brändl Textil aus Geyer, das in der kommenden Woche mit gut einem weiteren Dutzend Firmen aus Sachsen auf der Fachmesse Heimtextil vertreten sein wird.