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Kaltblütige Fahrerflucht

Eine Rentnerin wird angefahren und schwer verletzt liegen gelassen. Die Polizei fahndet mit Hochdruck.

© Uwe Soeder

Von Jana Ulbrich

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Bautzen. Jaqueline Mäbert ist noch mal zur Unfallstelle gefahren. Die pinkfarbenen Markierungen am Fahrbahnrand zeigen, wo und wie die Frau hier gelegen hat. Die Polizeihauptmeisterin schüttelt ungläubig den Kopf: „Diese Kaltblütigkeit. Unfassbar!“, sagt sie leise. In ihren 30 Dienstjahren habe sie so etwas noch nicht erlebt. Sie und ihre Kollegen vom Verkehrsunfalldienst der Görlitzer Polizeidirektion werden alles daran setzten, den Autofahrer zu finden, der hier an dieser Stelle – am Bautzener Gesundbrunnenring direkt gegenüber der Schwimmhalle – eine Fußgängerin angefahren und einfach liegen gelassen hat.

Am helllichten Tag ist das gewesen, am vergangenen Freitag, vormittags gegen halb zwölf. Eine Passantin hat die schwer verletzte Rentnerin auf der Straße liegen sehen, Erste Hilfe geleistet und den Notruf gewählt. Von einem Unfallfahrzeug fehlte da schon jede Spur. Die Rentnerin hatte offenbar die Straße überqueren wollen. Die 77-Jährige schwebt noch immer in Lebensgefahr. Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach dem flüchtigen Fahrer. „Wir ziehen alle Register, die uns zur Verfügung stehen. Wir werden ihn finden“, sagt Martin Hottinger, der Chef des Verkehrsunfalldienstes. Die Ermittler sind dem Flüchtigen auf den Fersen. „Wir haben Spuren an der Kleidung der Frau und auf der Fahrbahn gesichert“, sagt Martin Hottinger. Spezialisten des Landeskriminalamts haben sie inzwischen ausgewertet. Mit dem Ergebnis könne jetzt ganz gezielt gefahndet werden. Auch aus den Erkenntnissen der Gerichtsmediziner, die die Verletzungen der Rentnerin untersucht haben, könnten die Unfallspezialisten der Polizeidirektion ihre Schlüsse ziehen. Genaueres will Hottinger mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen noch nicht sagen.

Harte Strafen möglich

Die Polizei will Fahndungsdruck aufbauen. Über alle Medien werden Zeugen gesucht, sogar über den Nachrichtendienst Twitter. Zeugenaufrufe richten sich nicht nur an alle, die zum Unfallzeitpunkt in der Nähe waren, sondern auch an diejenigen, die möglicherweise einen Schaden an einem Auto oder ein ungewöhnliches Verhalten beobachtet haben. Sie richten sich an Autowerkstätten, weil der Fahrer oder die Fahrerin die Unfallspuren möglicherweise schnell beseitigen lassen will. Als Zeuge wird ganz konkret auch ein älterer Mann gesucht, der auf einigen Fotos von der Unfallaufnahme zu sehen ist. Er ist 70 bis 80 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß und untersetzt, hat graue Haare und eine Brille. An diesem Freitagvormittag trägt er eine beigefarbene Jacke, einen schwarz-weiß-gestreiften Schal und eine Schiebermütze. Der Mann wird dringend gebeten, sich bei der Polizei zu melden. In der Tat ist diese Unfallflucht ein sehr außergewöhnlicher und herausragender Fall, sagt Martin Hottinger. „Dass jemand einen Verletzten einfach liegen lässt, kommt sehr selten vor.“

Es ist beileibe kein Kavaliersdelikt. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und unterlassene Hilfeleistung wird hart bestraft – mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe und bei Personenschäden auch mit dem Entzug der Fahrerlaubnis, sagt der Görlitzer Oberstaatsanwalt Sebastian Matthieu. Wenn der flüchtige Fahrer den Unfall auch verschuldet hat, käme in diesem Fall noch fahrlässige Körperverletzung hinzu. Aber noch ist die Schuldfrage in diesem Fall ungeklärt.

Jaqueline Mäbert steht immer noch an der Unfallstelle. Es ist Dienstagvormittag, selbe Zeit. Auf dem Gesundbrunnenring und an der Kreuzung ist viel Verkehr, Fußgänger laufen vorbei, eine Kindergruppe kommt aus der gegenüberliegenden Schwimmhalle. Sie kann sich nicht vorstellen, dass niemand etwas gesehen hat.

Hinweise an das Autobahnpolizeirevier: 03591 367-0