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Oßling hat jetzt einen besonderen Blumenladen

In der Gemeinde startet ein Pilotprojekt. Davon profitieren nicht nur Kunden, sondern auch Kinder.

Celine Peter konnte jetzt ihren eigenen Blumenladen in Oßling eröffnen - obwohl sie den Weg in die Selbstständigkeit gescheut hat.
Celine Peter konnte jetzt ihren eigenen Blumenladen in Oßling eröffnen - obwohl sie den Weg in die Selbstständigkeit gescheut hat. © Matthias Schumann

Oßling. Es ist kein gewöhnlicher Einkaufsmarkt in Oßling. Kunden, die das Geschäft an der Wittichenauer Straße betreten, fällt eine ungewöhnliche Raumaufteilung auf. Im vorderen Teil befindet sich ein Blumenladen. Zwischen diesem und dem Stand der Bäckerei stehen Biertischgarnituren, an denen aber nicht gegessen oder getrunken wird. Auf den Bänken sitzen Kinder und basteln. Neben der Bäckerei hat die Fleischerei Wobser ihren Verkaufstresen, und mitten im Raum steht ein kleiner Schalter der Post. Kinderstimmen vermischen sich mit der freundlichen Frage der Verkäuferinnen "Was darf es sein?".

Doch was ist das Besondere an dieser Kombination? Die Kinder sind nicht einfach mal so zum Basteln in den Laden gekommen. Sie nutzen ein Ganztagsangebot (GTA) der christlichen Schulen von Oßling. Floristik nennt es sich. Mädchen und Jungen der christlichen Grundschule und der Mittelschule bis zur siebenten Klasse besuchen regelmäßig das Geschäft, basteln und werden in das floristische Handwerk eingeführt. Das heißt, sie lernen zum Beispiel, wie aus einzelnen Blumen schöne Sträuße entstehen, wie Gestecke oder Kränze gefertigt werden. 

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Schule stellt Floristin an

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Kombination stammt von der Floristin und ehemaligen Schülerin der Oßlinger Schule, Celine Peter, der Geschäftsführerin der Fleischerei, Susan Wobser,  und dem Geschäftsführer des Christlichen Schulhauses Oßling, Henry Nitzsche. Celine Peter erlernte nach der Schule den Floristik-Beruf und arbeitete dann in einem Geschäft in Hoyerswerda. "Mein Traum aber war schon immer ein eigener Blumenladen", sagt sie. Den Schritt in die Selbstständigkeit konnte und wollte sie allerdings nicht gehen. Sie unterhielt sich mit der Chefin der Fleischerei, erzählte von ihrem Traum, aber auch den Bedenken in Sachen Selbstständigkeit.

An dieser Stelle tritt die christliche Schule auf den Plan. Auch der Geschäftsführer erfuhr von dem Traum, und er hatte gemeinsam mit der Fleischereibesitzerin eine Idee. "Warum nicht ein Blumengeschäft mit einem Ganztagsangebot der Schule verbinden?", fragte sich Henry Nitzsche. Geld für GTA-Angebote hat die Schule. Das Land Sachsen stellte in den vergangenen Jahren stets Mittel dafür zur Verfügung. Also entstand der Plan, Floristin Celine Peter in der Schule anzustellen und ihr die Räume im Einkaufsmarkt zu geben - mit dem Ergebnis, dass Oßling jetzt einen neuen Blumenladen hat und es im Geschäft eine Freizeitbeschäftigung für Kinder gibt.

Celine Peter ist glücklich, das war am Tag der Eröffnung deutlich zu spüren. "Ich bin hier in der Gegend aufgewachsen, ich kenne das Umfeld und die Leute - und jetzt habe ich meinen eigenen Blumenladen, die Pusteblume", sagt die junge Frau. Doch sie wird nicht nur Blumen verkaufen, Sträuße oder Gestecke zusammenstellen. Ihre Aufgabe ist es auch, die Ganztagsangebote für die Kinder im Laden zu betreuen, ihnen zu zeigen, was man aus einzelnen Blumen mit ein wenig Deko alles zaubern kann. 

Am Eröffnungstag des neuen Blumengeschäftes in Oßling haben Selina (vorn), Linus, Oskar, Emelie und andere Kinder kleine Drachen gebastelt.
Am Eröffnungstag des neuen Blumengeschäftes in Oßling haben Selina (vorn), Linus, Oskar, Emelie und andere Kinder kleine Drachen gebastelt. © Matthias Schumann

Am Eröffnungstag haben die Kinder kleine bunte Drachen gebastelt, die dann an langen Schnüren als Dekoration im Einkaufsmarkt, in der Schule oder auch zu Hause hängen sollen. Der siebenjährige Tim klebt gerade die Augen auf den Filzdrachen. "Ich wollte einfach mal reinschnuppern", sagt er. Veronica, neun Jahre, bastelt eigentlich nicht so gern. "Aber das mit den Drachen hat richtig Spaß gemacht", sagt sie lachend. Und sie weiß auch, dass sie regelmäßig bei der GTA Floristik mitmachen wird. 

Der Oßlinger Bürgermeister Johannes Nitzsche ist froh, dass es in der Gemeinde jetzt wieder einen Blumenladen gibt. Der vorhergehende wurde im Frühjahr 2020 geschlossen. "Das ist ein gutes Beispiel, was im ländlichen Raum möglich ist, wenn verschiedene Partner an einem Strang ziehen", sagt er. Und schon am Eröffnungstag wanderten viele Blumensträuße, Gestecke und Tannengrün über den Ladentisch von Celine Peter.  

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