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Großröhrsdorf braucht einen Jugendtreff

Der Familienkompass lobt die Arztsituation in der Stadt, deckt aber Defizite bei Freizeitmöglichkeiten auf.

Wie steht es um Freizeitmöglichkeiten in Großröhrsdorf? Darüber diskutierten Mütter in der Kita Agnesheim und konnten viele Anregungen zusammentragen.
Wie steht es um Freizeitmöglichkeiten in Großröhrsdorf? Darüber diskutierten Mütter in der Kita Agnesheim und konnten viele Anregungen zusammentragen. © Matthias Schumann

Großröhrsdorf. Geballte Erfahrung mit Kindern und Freizeit hatte sich im Sportraum der evangelischen Großröhrsdorfer Kita Agnesheim versammelt: sieben Mütter von insgesamt 20 Kindern zwischen einem Jahr und dem Erwachsenenalter. Darunter Eva Schwarzenberg, Kitaerzieherin, Stadträtin und Mutter. Hintergrund ist der Familienkompass, die größte Umfrage zur Familienfreundlichkeit in Sachsen - mit SZ-Beteiligung.

In Großröhrsdorf gab es viel Lob im Bereich Gesundheit - für die Arzt-, insbesondere die Kinderarztversorgung. Auch für die Sauberkeit der Spielplätze zum Beispiel und die Wohnqualität. Ebenso für den Zustand der Schulen. Kritik wurde dafür bei der Schulvielfalt und an unzureichenden  Ganztagsangeboten laut.  Das bestätigen die Eltern in der Gesprächsrunde.

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Auffällig ist zudem die schlechtere Note beim Thema Freizeitmöglichkeiten. Woran liegt es? Die Frauen begaben sich auf Spurensuche. Dabei kommt auch zur Sprache, was es alles gibt: den Spielkreis, die Junge Gemeinde, Fußball, Musikschulen, die BMX-Strecke und den Skaterplatz…

Aber die Eltern stoßen schnell auch auf Defizite. Dorothea Spillmannn beschreibt die Wege, die sie zu Freizeitangeboten fährt: zur Musikschule nach Radeberg, zum Handball – für Jungs – nach Pulsnitz. Immerhin gebe es beim Fußball genug Angebote innerhalb der Stadt. Aber beim Kampfsport werde es schon wieder schwierig, stellt die Mütterrunde fest.

Gerade bei den Sportangeboten kommt am Ende doch einiges zusammen – von Volleyball bis Tischtennis, wenn die Eltern erst einmal ins Aufzählen kommen. Dennoch bleibt die Erkenntnis: Jungs könnten sich zu wenig auspowern. Beispiel Handball als populäre Sportart: Den gibt es in der Stadt eben nur für Mädchen.

Mangel an Angeboten für Jugendliche

Jungs brauchen oftmals mehr Action. So werde Klettern in der Halle immer beliebter. Es ist gut für die Motorik, stellen die Frauen fest. So ein Angebot sei aber nur auswärts erreichbar. Eva Schwarzenberg könnte sich vorstellen, dass sich in der geplanten neuen Sporthalle etwas machen lässt. Sie will es in den Stadtrat tragen.

Ein Basketballfeld, regen die Eltern an - nicht nur einen Korb wie am Spielplatz neben der Oberschule. Oder einen weiteren Bolzplatz neben dem an der Silberspitze in der Niederstadt. Denn Großröhrsdorf ziehe sich eben ganz schön in die Länge, da sei der eine Platz zu wenig. Eva Schwarzenberg schätzt zudem ein, dass die Kleinen auf dem Spielplatz in der Niederstadt gut beschäftigt sind, die Größeren nicht so. Junge Leute brauchten Treffpunkte. Das Stichwort schlechthin. Denn was wirklich fehle, sei ein Jugendtreff, sagt Nadine Höckendorf. Das Defizit sehen auch die anderen Frauen in der Runde. Immerhin tut sich hier etwas.

Vorhandenes muss bekannter werden

Einen engen Draht zur Jugend hat auch Eva Geilich vom Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit. Sie ist als Jugendarbeiterin in Großröhrsdorf unterwegs und managt den Treff Kids-Point im Obergeschoss der Jahnturnhalle für Kinder ab zehn Jahren. Die Halle samt Geräten dürfen die Mädchen und Jungen einmal pro Woche wie eine Art Indoorspielplatz zum Toben nutzen. 

Im Kids-Raum oben drüber sind momentan Brettspiele angesagt. Den Wunsch nach einem Treff für die Teenager-Jugend ab 14 Jahren aufwärts kennt Eva Geilich und kann sagen: „Wir arbeiten dran.“ Es gebe ein paar Initiatoren. Alles sei noch sehr am Anfang, von einem Ort mal ganz abgesehen. Aber in Bewegung. Nicht nur hier. Auch in Hauswalde soll wieder Leben in den Klub kommen. Der war eingeschlafen. Aber es gebe wieder Initiatoren. Derzeit werde renoviert, weiß Ortsvorsteher Reinhard Marz zu berichten.

Wenn es um Freizeitmöglichkeiten geht, ist auch fehlender Informationsfluss ein Knackpunkt, stellte die Großröhrsdorfer Elternrunde fest. So war der Kids-Point zum Beispiel noch gar nicht so bekannt. Ebenso wie manches Sport- oder Musikschulangebot, das es in der Stadt gibt. Zum Beispiel, welche Instrumente wo unterrichtet werden, sagt Janine Lauenburg-Wagner. Stadträtin Schwarzenberg schätzt ein: „Das was es gibt, muss einfach bekannter werden.“  Eine Broschüre, die alle Angebote zusammenfasst, könnte viele Fragen beantworten. 

Mehr Mitsprache für die Jugend

Auf jeden Fall sollten die Jugendlichen selbst mehr Gehör bekommen. Deshalb sollte es einen Jugendstadtrat geben. Damit Rennen die Mütter offene Türen bei der Jugendarbeiterin ein. Denn sie ist bereits dran. So würden junge Leute schon ein bisschen lernen, wie Kommunalpolitik läuft, und die Stadträte erfahren, welche Vorstellung die Jugend hat.

Das soll jetzt auf den Weg kommen. Wenn sich Eltern Gedanken machten, sei das eine Seite. „Es ist doch die Frage, was die Jugendlichen wollen“, sagt Eva Geilich.  Aus ihrer Erfahrung ließe sich ableiten, dass sie ganz zufrieden in ihrer Stadt sind. So tue Großröhrsdorf vergleichsweise viel, schätzt die Jugendarbeiterin ein: „Ansonsten würden viele Dinge, wie das Parkour-Projekt – eine Trendsportart - mit 20 jungen Leuten nicht existieren.“

Für die Eltern ist klar – wenn Großröhrsdorf wachse, müsse die Infrastruktur auch im Freizeitbereich mitwachsen, wenn die Stadt attraktiv bleiben will. Eva Schwarzenberg kann jedenfalls etliche Anregungen in die Ratsrunde mitnehmen. Sie wünscht sich zugleich, dass Bürger selbst aktiv werden und etwas anschieben, wenn sie Defizite entdecken. 

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