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Kamenz: Kinder verlieren einen Treffpunkt

Im Haus der Begegnung konnten Mädchen und Jungen bisher die Nachmittage verbringen. Jetzt gibt's dafür keine Förderung mehr. Der Verein sucht nach einer Lösung.

Edith und Marina Ewert (l.) vom Kamenzer Haus der Begegnung sind traurig, dass sie die Kinder-Nachmittagsbetreuung aufgeben müssen. Sie hoffen, eine Lösung zu finden.
Edith und Marina Ewert (l.) vom Kamenzer Haus der Begegnung sind traurig, dass sie die Kinder-Nachmittagsbetreuung aufgeben müssen. Sie hoffen, eine Lösung zu finden. © SZ/Reiner Hanke

Kamenz. Eine bunte Kinder-Truppe in Gruselkostümen zog noch am letzten Oktobertag durch das Haus der Begegnung in Kamenz. Danach wurde es ziemlich still in den Räumen in Kamenz Ost. Das hat etwas mit Corona zu tun, aber nicht nur. Derzeit schränken die Auflagen den Betrieb wie in vielen kulturellen Einrichtungen ein. Für die sozialen Kontakte sei das furchtbar, sagt Vereinsvorsitzende Marina Ewert.

Aber beim Kinderprojekt „Freizeit macht stark“ sei nicht Corona die Ursache für das Aus. Die Halloween-Party sei die letzte Aktion gewesen, die Förderung nach zwei Jahren ausgelaufen und eine Anschlussfinanzierung wohl nicht in Sicht. So endete die tägliche Kinderbetreuung, wo sich Mädchen und Jungen an fünf Tagen die Woche am Nachmittag von 14 bis 18 Uhr zwanglos treffen konnten.

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Anlaufpunkt für Kinder zwischen sechs und zwölf

Das Projekt lief über die Stadtverwaltung und wurde durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. 80.000 Euro flossen in den zwei Jahren, insbesondere für die Personalkosten, erklärt Marina Ewert. „Aber es wurde richtig gut genutzt, es lief super“, sagt die Vereinsvorsitzende, um so trauriger sei das Ende. Zumal das Wohngebiet ein sozialer Brennpunkt sei. Die Kinder, die bisher am Nachmittag ins Haus der Begegnung kamen, würden dann halt irgendwo rumhängen. Bis zu 30 Kinder zwischen sechs und zwölf seien es gewesen, meist um die 15. Auch eine Jugendgruppe hatte sich gebildet.

„Zuerst wurde immer nach den Hausaufgaben gefragt, wer da Hilfe braucht“, erzählt Vereinsmitglied Edith Ewert. „Wir haben gebastelt, genäht und gekocht zum Beispiel.“ Brettspiele, Tischkicker oder draußen Basketball standen bereit. Damit geht es nun erst einmal nicht weiter.

Verein weist Gerücht über Schließung zurück

Die beiden Frauen - Mutter und Tochter - stellen aber eins klar: „Wir schließen deswegen nicht das ganze Haus und den Verein.“ Entsprechende Gerüchte habe es schon gegeben. Der Verein habe gut 20 Mitglieder, von der Steuerberaterin bis zu Senioren. So gebe es natürlich noch andere Projekte, wenn auch derzeit wegen Corona auf Sparflamme oder in der Zwangspause, wie der Seniorenstammtisch, die Hip-Hop- und andere Gruppen. Nachhilfeunterricht sei nur in Ausnahmefällen möglich. Und die Lebensberatung übernehme Pädagogin Valentina König derzeit per Telefon, nur in Notlagen und Einzelfällen vor Ort.

Die Theatergruppe probt unterdessen weiter am Weihnachtsstück. Das sei derzeit aber auch nur begrenzt möglich. Draußen habe man es jetzt mal versucht – und mit Mundschutz: „Es ist für die Kinder so wichtig“, sagt Marina Ewert. „Sie sind so froh, wenn sie herkommen können. Und wir wollen ja auch ein bissel Hoffnung verbreiten.“

Aber ohne das Personal sei die Nachmittagsbetreuung auch nach der Zwangspause nicht zu stemmen, so Ewert. Zumindest nicht in dem Umfang, fünf Tage in der Woche. Es werde schwer, die Kinder wegzuschicken. So bleibe die Hoffnung, doch noch eine Anschlussfinanzierung zu bekommen oder andere Mittel und Wege zu erschließen. „Wir wollen wieder gern täglich für die Kinder da sein.“

Projekt soll mit anderer Finanzierung weitergehen

In Kamenz würden derzeit mehrere ESF-Projekte laufen, erklärt Stadt-Sprecher Thomas Käppler. Für den Großteil strebe die Stadt eine Fortführung an, sofern das überhaupt möglich sei. Der Verein, der das Haus der Begegnung betreibt, müsse jetzt schnellstens einen neuen Antrag stellen. Auch das neue Bürgerbudget könnte eine Finanzierungs-Alternative sein, so Käppler.

Ziel der Stadt sei es, dass das Projekt „Freizeit macht stark“ durch "Nutzung anderer Finanzierungsquellen beziehungsweise anderer Fördertöpfe weitergeführt wird". Schließlich sei ja auch der mit ESF-Mitteln neu gestaltete Nachmittagsraum für Jugendliche vorhanden und könne weiter genutzt werden. So könne aus Sicht der Stadt das Angebot zumindest im gewissen Umfang ehrenamtlich fortgesetzt werden. Thomas Käppler: "Aber leider nicht mehr täglich wie im Rahmen des Projektes zuvor."

Am letzten Oktobertag fand auch die letzte Aktion im Programm "Freizeit macht stark" statt. Der Verein Haus der Begegnung hatte die Nachmittagsbetreuung angeboten. Doch die Förderung lief jetzt aus.
Am letzten Oktobertag fand auch die letzte Aktion im Programm "Freizeit macht stark" statt. Der Verein Haus der Begegnung hatte die Nachmittagsbetreuung angeboten. Doch die Förderung lief jetzt aus. © privat

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