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Mehr Babys in Bautzen und Kamenz

Nach einem leichten Rückgang wurden 2021 in den beiden Kliniken wieder mehr Kinder geboren - unter erschwerten Bedingungen.

Von Reiner Hanke
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Julia Menzel ist glücklich über ihren Nachwuchs. Rudolf kam als erstes Baby 2022 im Kamenzer Krankenhaus zur Welt: 52 Zentimeter groß und 4.290 Gramm schwer. Es ist das dritte Kind der Bernsdorferin. Hebamme Daniela Nicolaus bereitet das Bettchen.
Julia Menzel ist glücklich über ihren Nachwuchs. Rudolf kam als erstes Baby 2022 im Kamenzer Krankenhaus zur Welt: 52 Zentimeter groß und 4.290 Gramm schwer. Es ist das dritte Kind der Bernsdorferin. Hebamme Daniela Nicolaus bereitet das Bettchen. © Anne Hasselbach

Bautzen/Kamenz. Im Kamenzer Krankenhaus gab Rudolf den Startschuss ins Jahr 2022. Am 2. Januar, 16.47 Uhr, kam er zur Welt. Mama Julia Menzel hält den Kleinen glücklich strahlend im Arm – ein Wunschkind auf jeden Fall. Das erste Baby in einer Klinik im Landkreis Bautzen konnte in diesem Jahr aber das Hoyerswerdaer Seenlandklinikum vermelden. Noelia wurde am Neujahrstag um 14.06 Uhr geboren.

Gut zwei Stunden später kam auch in den Bautzener Oberlausitz-Kliniken ein Neujahrsbaby zur Welt. Der Junge bekam den Namen Matteo, brachte es auf 50 Zentimeter Größe und 2.760 Gramm – eher ein Leichtgewicht.

2021 erblickten in der Kamenzer Klinik insgesamt 494 Kinder das Licht der Welt, 35 mehr als nach dem Rückgang von 2020. Gegen den Trend schätzt Chefarzt Alexander Wagner ein, der sachsen- und deutschlandweit eher mit sinkenden Zahlen rechnet, weil geburtenschwache Nachwende-Jahrgänge derzeit ins Alter für Kinderwünsche nachrücken.

2021 war ein geburtenfreudiges Jahr

Damit kratzen die Kamenzer Geburtenzahlen nach den besonders starken Jahren 2018/19 wieder an der 500er-Marke. Die konnte zuvor viele Jahre nicht erreicht werden. Der Zuwachs im vergangenen Jahr sei ein gutes Zeichen, so Wagner. Er hofft, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Einen Boom durch Corona, etwa durch den Trend zum Homeoffice, sieht er jedoch nicht. Familienplanung laufe heutzutage kontrolliert.

In den Bautzener Oberlausitz-Kliniken wurde 2021 ebenfalls ein Geburten-Zuwachs verzeichnet, wenn auch nicht ganz so deutlich wie in Kamenz. Klinikgeschäftsführer Reiner E. Rogowski spricht von einem kleinen Plus von drei Prozent. 795 Kinder kamen zur Welt, genau 20 mehr als im Jahr zuvor, als es wie in Kamenz ebenfalls rückläufige Zahlen gab. 2021 sei ein geburtenfreudiges Jahr gewesen, resümiert der Klinik-Chef zufrieden.

Deutlich mehr Jungs als Mädchen geboren

In beiden Kliniken kamen mehr Jungs zur Welt, in Kamenz 18, in Bautzen waren es sogar über 100 Jungs mehr als Mädchen. Der Kamenzer Chefarzt schätzt ein, dass das Jungen-Übergewicht nicht immer so deutlich sei, aber normal und von der Natur so vorgesehen. Auch bei den Zwillingsgeburten hatte Bautzen im Vorjahr die Nase vorn, es waren elf, in Kamenz nur zwei.

Trotz erheblicher Zugangsbeschränkungen für Besucher wegen Corona dürfen zumindest die Väter zu ihren Frauen und Kindern und sowohl in Bautzen als auch Kamenz bei der Geburt dabei sein. Vorsichtiger sei man allerdings, wenn die werdende Mutter an Covid-19 erkrankt ist, so Chefarzt Wagner.

Auch für die Geburtskliniken sei es wegen der Corona-Pandemie kein leichtes Jahr gewesen. So gibt es sowohl in Bautzen als auch in Kamenz einen Isolierbereich oder Isolierzimmer für werdende Mütter mit Corona-Infektion.

Hoher Aufwand durch Corona

Es habe doch eine ganze Reihe Schwangere gegeben, die mit Covid-19 infiziert waren, denen es sehr schlecht ging, sodass eine Klinikbehandlung nötig war, berichtet Chefarzt Wagner. Er spricht von Fieber, starkem Husten, Atemnot: „Zum Glück musste keine der Patientinnen auf die Intensivstation.“

Etwa 15 Frauen hätten ihre Kinder während einer Corona-Erkrankung zur Welt gebracht – unter Isolationsbedingungen. Für das medizinische Team bedeute das einen hohen Aufwand. Auch zusätzliches Personal sei nötig. Die Krankenschwestern und Hebammen müssten permanent in voller Schutzkleidung mit Visier und Mundschutz im Isolierbereich arbeiten. Bei der Geburt manchmal über Stunden. Das sei eine hohe Belastung.

In der Kamenzer Klinik sei bisher keine Infektion bei Neugeborenen nachgewiesen worden. In Bautzen habe es solche Fälle gegeben, sagt Reiner Rogowski, aber ohne Krankheitssymptome, was auf gute Abwehrkräfte der Babys schließen lasse.

Mia und Emil sind beliebte Vornamen

In Kamenz seien bisher „alle Entbindungen mit Covid-19 für Mutter und Kind problemlos verlaufen“. In Bautzen seien mindestens zehn hochschwangere Frauen mit Covid-19 betreut worden, aber kein lebensbedrohlicher Fall darunter.

Die Kinder würden trotz Infektion bei der Mutter im Isolierbereich bleiben, können auch gestillt werden: mit ein paar hygienischen Vorkehrungen der Mama wie Mundschutz und Desinfektion der Hände. Gerade unter Corona-Bedingungen sei es extrem wichtig zu stillen, sagt Alexander Wagner, weil die Muttermilch das Immunsystem der Neugeborenen stärke.

Fehlt noch ein Blick in die Hitliste der beliebtesten Vornamen des Jahres 2021. Die führen in Bautzen bei den Mädchen Mia, Leni und Charlotte an. In Kamenz liegen Emilia, Anna und wie in Bautzen Leni an der Spitze. Bei den Jungs sind es Oskar und Matteo in unterschiedlichen Schreibweisen sowie Liam. In Kamenz machten Leon und Emil das Rennen. Dahinter liegen etliche Namen gleichauf: Von Liam bis Anton waren die Favoriten der Eltern recht unterschiedlich.