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Neustart für Kamenz can Dance

Nach der langen Corona-Pause sind die Kamenzer Tänzer wieder in großer Formation zu erleben. Die Vorfreude ist riesig - aber es gibt auch ein paar Sorgen.

Von Reiner Hanke
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Mario Steinmetz ist der Chef des Tanztheaters "Kamenz can Dance" - und voller Vorfreude auf die erste große Aufführung nach anderthalb Jahren Corona-Pause.
Mario Steinmetz ist der Chef des Tanztheaters "Kamenz can Dance" - und voller Vorfreude auf die erste große Aufführung nach anderthalb Jahren Corona-Pause. © Matthias Schumann

Kamenz. Ungewöhnliche Plakate fallen derzeit in Kamenz auf. Darauf steht „Danke!“, und es sind lachende Tänzer zu sehen. Damit wollen sich die Mitglieder des Kamenzer Tanzvereins „Kamenz can Dance“ bedanken. Der Verein sei sehr froh darüber, dass „wir wieder trainieren dürfen und dass unsere vielen Kinder und erwachsenen Tänzer zur Stange gehalten haben". Das sind immerhin 240 im Alter zwischen vier und 50 Jahren.

Man danke auch der Stadt, die „uns fördert und die Auftrittsmöglichkeit gewährt, und unseren Unterstützern“, sagt Mario Steinmetz, der Chef des Tanzhauses. „Und dass das Tanzhaus noch da ist“, denn sonst wäre auch der Neustart kommende Woche nach quälender Trainingspause durch Lockdowns und Corona-Auflagen nicht möglich.

Dann ist die erste Bühnen-Aufführung nach anderthalbjähriger Durststrecke im Kamenzer Stadttheater geplant. Entsprechend groß ist auch die Aufregung. Auf dem Programm steht das neue Tanz-Theater-Stück „Verborgene Schönheit 2.0“, aufgeführt von etwa 100 Tänzern zwischen acht und 50 Jahren. Das Stück sei eine Gemeinschaftsarbeit des Vereins. „Es ist eines der schönsten und ergreifendsten, das wir bisher geschrieben haben“, findet Mario Steinmetz.

Nach anderthalb Jahren Bühnen-Pause kommen die Tänzer von "Kamenz can Dance" endlich wieder ins Stadttheater. Sie hoffen, dass die Show auch unter den neuen Corona-Bedingungen stattfinden kann.
Nach anderthalb Jahren Bühnen-Pause kommen die Tänzer von "Kamenz can Dance" endlich wieder ins Stadttheater. Sie hoffen, dass die Show auch unter den neuen Corona-Bedingungen stattfinden kann. © Daniel Madlung

Die Show hatte bereits im November 2019 Premiere, zur ersten Staffel gehörten fünf Aufführungen. Doch im März 2020 konnte die zweite Staffel nicht mehr wie geplant über die Bühne gehen: „Wie überall in der Kultur und im Sport fand auch bei uns nichts mehr statt“, blickt Mario Steinmetz zurück. Die Auszeit habe man genutzt, um die Show weiterzuentwickeln, darum 2.0.

Der Neustart nun sei nicht leicht. Durch die Zwangspause war ein optimales Training unmöglich. Auch jetzt ist es noch mit Einschränkungen durch Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen verbunden. Zudem bereiten dem Verein Quarantäneanordnungen Sorge. So könne zum Beispiel plötzlich ein Hauptdarsteller ausfallen, vielleicht kurz vor der Show.

Natürlich gebe es Zweitbesetzungen für den Ernstfall. Aber: Das Stück dreht sich um die Themen Liebe, Zeit und Tod. Es ist eine Handlung, die die Tänzer mit viel Gefühl, mit Ausdruck und Können auf die Bühne bringen. „Wir haben mit der Erstbesetzung drei Jahre gearbeitet.“ Schließlich gehe es um Themen, die gerade Kinder auch emotional verarbeiten müssen. Für eine Zweitbesetzung sei das schon schwieriger, ähnlich sei es bei artistischen Elementen. „Es ist wie im Fußball, wenn der beste Stürmer ausfällt.“

In den Saal dürfen nur 150 Zuschauer

Auf der ganzen Mannschaft laste ein hoher Druck, und durch die Pandemie mit ihren Konsequenzen sei es manchmal schwer, den Kopf für die inhaltlichen und künstlerischen Dinge frei zu bekommen. „Ich verstehe die Situation, die Inzidenz ist hoch. Aber auch die Belastung für Veranstalter. Wir hoffen natürlich, dass alles klappt“, sagt Steinmetz. Und dass die Show auch unter den aktuellen Regeln der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung aufgeführt werden kann.

Wegen der Abstandsregeln dürfen statt 250 nur 150 Leute in den Saal. Im Grunde bleibe damit jede zweite Reihe frei, was auch enorme finanzielle Einbußen bedeute. Natürlich wäre es schöner, vor vollem Haus zu tanzen.

Aber die Tänzer wollen trotzdem auf die Bühne: „Wir wollen trotz allem etwas Normalität für die Kinder, die Tänzer, das Publikum herstellen“, sagt der Vereinschef. Damit Kultur und Kunst wieder auf die Bühne kommt. Damit die Tänzer wieder ein Ziel, eine Motivation haben, wofür sie arbeiten.

"Es ist ganz, ganz wichtig, den Applaus zu genießen"

Ohne Ziel sei es schwierig. Wie bei einem Sportler, der auf Olympia hinarbeitet. Zumal derzeit wegen der komplizierten Corona-Auflagen auch keine Tanz-Wettkämpfe ausgetragen würden. Außerdem fehle Tänzern wegen der Trainingspause zum Teil die Fitness.

„Es ist ganz, ganz wichtig, den Erfolg zu sehen und den Applaus zu genießen. Wir tanzen ja fürs Publikum, nicht zum Selbstzweck. Das ist ja ein Credo von Kamenz can Dance.“

Das Publikum freut sich schon auf die Tänzer. Sylvia Müller aus Oßling zum Beispiel findet die Idee toll, wie sie mit der Dankeschön-Plakataktion positiv auf sich aufmerksam machen. Sie möchte den Dank erwidern: „Besonders für die tollen Shows, die ich mir auch schon ansehen durfte. Macht weiter so, wir brauchen euch.“

Die "Verborgene Schönheit 2.0" wird am 12., 13., 16. , 19. und 20. November, jeweils 19.30 Uhr, im Kamenzer Stadttheater aufgeführt.