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Kamenz: Rettung für die alte LPG

Aus den Gebäuden im Ortsteil Wiesa soll ein Haus für die Dorfgemeinschaft werden. Damit das gelingt, muss jetzt ein riesiges Loch gestopft werden.

Ramona Otto ist die Vorsitzende des Wiesaer Heimatvereins. Der suchte schon lange nach einem Gebäude für ein Dorfgemeinschaftshaus. Das ist gefunden, doch das Dach baucht dringend eine Notsicherung.
Ramona Otto ist die Vorsitzende des Wiesaer Heimatvereins. Der suchte schon lange nach einem Gebäude für ein Dorfgemeinschaftshaus. Das ist gefunden, doch das Dach baucht dringend eine Notsicherung. © Matthias Schumann

Kamenz. Ramona Otto steht unter einem gewaltigen Loch. Durch das flutet Licht auf den Dachboden des künftigen Dorfgemeinschaftshauses in Kamenz-Wiesa. Es liegt - sehr  passend - an der Straße der Gemeinschaft.

Das große Loch ist nicht die einzige Stelle, durch die Sonnenstrahlen glitzern, wo sie das nicht tun sollten. Das Dach muss erst einmal dringend gesichert werden – bevor später noch mehr zu sanieren ist. Ramona Otto ist die Vorsitzende des Heimatvereins. Sie hat schon jetzt gemeinsam mit den anderen Mitgliedern jede Menge Pläne für das Gebäude. Ein Haus für Jung und Alt soll es werden, das jeden Tag zugänglich sein soll und eine Heimat für viele Vereine. Natürlich auch für den Heimatverein.

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Die früheren LPG-Gebäude im Kamenzer Stadteil Wiesa sollen saniert und als Dorfgemeinschaftshaus hergerichtet werden.
Die früheren LPG-Gebäude im Kamenzer Stadteil Wiesa sollen saniert und als Dorfgemeinschaftshaus hergerichtet werden. © Matthias Schumann

Die Wiesaer kennen das Gebäude als alten LPG-Stall: „Da weiß jeder, was gemeint ist“, sagt Ramona Otto. Die ersten Schritte Richtung Dorfgemeinschaftshaus sind Verein und Stadt nun gegangen. Der Verein erarbeitete ein Konzept, und die Stadt machte in der Vorwoche den Kauf des Gebäudes perfekt. Der Vertrag wurde noch kurz vor der jüngsten Stadtratssitzung unterzeichnet. Das war auch nötig. Denn das Gremium hatte schon über den ersten Baubeschluss zu entscheiden.

Das Gebäude stehe schon lange leer, weiß die Vereinsvorsitzende. Damit es nicht verfällt, muss nun dringend das Dach notgesichert werden, damit von oben keine Nässe mehr eindringt. Etwa 125 Quadratmeter Dachfläche betrifft das. Dafür veranschlagt die Stadt etwa 25.000 Euro, rund 5.000 Euro soll der Verein als Eigenanteil beisteuern.

Soweit schien alles klar. Etwas Diskussion gab es trotzdem. Baufachmann Werner Müller (AfD) fand die veranschlagten Reparaturkosten recht teuer. Die habe ein Planer berechnet, hält die Stadt fest. Die 25.000 Euro seien die Obergrenze und müssten am Ende nicht ausgegeben werden. Der Verein selbst brachte inzwischen noch eine günstigere Lösung mit einer Plane ins Gespräch. Wichtig sei, dass das Dach über den Winter dicht ist und keine Schäden entstehen, sagt die Vereinsvorsitzende.

Kleiderfundus wird gerettet

Mancher Stadtrat hatte wohl auch Zweifel, ob der Verein später die Betriebskosten stemmen kann. Dazu sagt Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos): Der Rat habe sich zum Kauf bekannt, ebenso dazu,  das Vorhaben auf den Weg zu bringen. Über die Betriebskosten sei zu sprechen, wenn die ersten Planungsschritte vorliegen. Jetzt gehe es um die Notsicherung. Fest steht: Der Umbau selbst wird noch weit teurer. Dafür werde die Stadt dann ein größeres Finanzpaket mit Hilfe von Fördermittel schnüren müssen. Etwa 1,2 Millionen Euro werden veranschlagt, heißt es aus dem Verein.

Die Vereine können es jedenfalls kaum erwarten, dass das alte LPG-Gebäude saniert wird. Der Frauenchor Wiesa soll zum Beispiel einziehen und der Verein „Die Eintracht“, den es schon vor 1900 gegeben habe, merkt Ramona Otto an. Oben will der Heimatverein das Dorfmuseum einrichten. Die Exponate befinden sich derzeit in einem Schul-Nebengebäude. Bücher seien nach Panschwitz-Kuckau ausgelagert worden. In dem Nebengebäude ist das Museum aber nur begrenzt zugänglich, eigentlich nur einmal im Jahr. „Das ist viel zu wenig“, sagt Ramona Otto. Das werde sich ändern.

Die Exponate zur Dorfgeschichte im Museum reichen von historischen Dokumenten bis hin zu schwergewichtigen Dingen, wie einem Mühlstein. All das soll dann im Dorfgemeinschaftshaus schön in Szene gesetzt werden.

Futterschuppen dient als Partyraum

Außerdem gibt es eine Vereinbarung mit der Arbeitslosenselbsthilfe Kamenz (ASH). Der Verein löst sich zum Jahresende auf.  Ein Schatz soll nun in Sicherheit gebracht werden. „Wir übernehmen den historischen Kleiderfundus der ASH“, sagt die Vereinsvorsitzende. Es geht um eine Sammlung von Hunderten historischen Kostümen, die auch zu Feierlichkeiten gute Dienste leisten können.

Die ASH habe jemanden gesucht, der die Kostüme übernimmt. Die werde der Heimatverein vorerst im alten Wiesaer Schulhort als Übergangsquartier einlagern. Möglichst bald soll es dann wieder eine Ausleihe der Kostüme geben. Mitstreiter der ASH wollen den Heimatverein auch ehrenamtlich unterstützen. Der Fundus kommt später auch in die sanierten LPG-Gebäude.

Ja, und dann soll der sanierte Bau natürlich auch zu Veranstaltungen einladen. Da hat der Verein jetzt schon einiges auf Lager. Mit der Après-Ski-Party geht’s los im Jahr - wenn es Corona zulässt. Zu Fasching steppt der Bär. Es gibt einen Gedenklauf. Für Ostern wird gebastelt und später die Ranke für den Maibaum gewunden. „Es ist jeden Monat etwas los“, sagt Ramona Otto. Nur fehlten eben immer geeignete Räume: „Wir haben seit Jahren versucht, an ein Gebäude zu kommen.“ Das ist nun gefunden. Der alte Futterschuppen soll schon im kommenden Jahr als Partyraum genutzt werden können. Für Veranstaltungen eigne sich natürlich auch der lange Kuhstall, wenn möglich sogar mit transportabler Bühne.  

Aber erstmal muss das Dach gesichert werden. Wenn alles klappt, sollen die Handwerker Anfang kommender Woche anrücken. Die Vereinschefin sagt: „Das Dorfgemeinschaftshaus wird mein Lebenswerk.“ 

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