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Kamenz: Was wird aus dem alten Glaswerk?

Die Stadt will die Industriebrache sanieren und hat erste Ideen für die Nutzung. Dafür wurde jetzt ein erster wichtiger Schritt getan.

Der Kamenzer OB Roland Dantz (l.) und Bau-Sachgebietsleiter Frank Kunze auf dem Gelände des früheren Glaswerks in Kamenz: Die Stadt will das Gebiet entwickeln.
Der Kamenzer OB Roland Dantz (l.) und Bau-Sachgebietsleiter Frank Kunze auf dem Gelände des früheren Glaswerks in Kamenz: Die Stadt will das Gebiet entwickeln. © Anne Hasselbach

Kamenz. Die Straße wird schlechter, je näher Autos dem früheren Glaswerk nahe der Bahngleise in Kamenz kommen. Noch schlechter sieht das Areal selbst aus. Es ist teilweise mit Bauzäunen abgeriegelt. Betreten ist verboten. Auf dem Gelände befinden sich nur noch Ruinen der Werksgebäude. Dächer sind kaum noch vorhanden. Die Missstände sind offensichtlich. Teile des Geländes erobert sich die Natur zurück. Es grünt wild wuchernd.

Ordnung zu schaffen, ist notwendig. So entwickelte die Kamenzer Stadtwerkstatt die Idee für eine Bewerbung um die Landesgartenschau (Laga) 2025. Die Verwaltung bremste die Initiatoren allerdings erst einmal. Bis zu diesem Zeitpunkt sei das Projekt nicht zu schaffen, die Zeitspanne zu sportlich, hieß es.

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Auf der Fläche gibt es viele Altlasten

Dabei spielen auch die Eigentumsverhältnisse eine Rolle. Der Erwerb bestimmter Flächen sei zu klären, so Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos).  Denn der Stadt gehören sie nicht. Ein Eigentümer sei schwer zu ermitteln. Die Zwangsversteigerung könnte eine Lösung sein.

Hinzu kommt das Problem der Altlasten. Auf dem Areal befinden sich eine Schlackehalde und Chemikalien, die für die Glasproduktion verwendet wurden. Inzwischen hat sich auf dem Gelände auch diverser Müll angesammelt, vom  Sofa bis zum Kühlschrank. Genügend Gründe also, Veränderungen auf den Flächen in Angriff zu nehmen. 

Aus Sicherheitsgründen hat die Stadt das Areal des ehemaligen Glaswerks in Kamenz abgesperrt. Es befindet sich aber noch in privatem Eigentum.
Aus Sicherheitsgründen hat die Stadt das Areal des ehemaligen Glaswerks in Kamenz abgesperrt. Es befindet sich aber noch in privatem Eigentum. © Matthias Schumann

Dabei geht es nicht nur um das Glaswerksareal, sondern auch um das angrenzende Bahnbetriebswerk und damit um insgesamt etwa acht Hektar. Das gesamte Gebiet müsste neu geordnet werden, auch wenn derzeit noch keine Bewerbung für eine Landesgartenschau läuft.

Allein beim Glaswerksgelände sei schon die Untersuchung der Altlasten sehr aufwendig, schätzt Roland Dantz ein. Die Stadt rechnet dafür mit Kosten von über 100.000 Euro. Damit sei aber noch nichts beseitigt. So müsse auch klar sein, woher das Geld kommt, um auszuschließen, dass die Stadt mit der Beseitigung der Brachen am Ende finanziell überfordert wird.

Aber die Initiative der Stadtwerkstatt hat einiges angestoßen. So beschäftigt sich die Stadt jetzt intensiv mit dem Thema. Es sei auch aus stadtplanerischer Sicht sinnvoller, innerstädtische Flächen langfristig zu entwickeln, als mit Vorhaben auf die grüne Wiese am Stadtrand zu gehen. Auch wenn dieser Weg deutlich schwieriger ist. Der OB nennt als Beispiel die Revitalisierung des Herrentals. Zehn Jahre habe die gebraucht.

Landesgartenschau ist nicht vom Tisch

Aus dem guten Impuls der Bürgerschaft heraus sollen Wege erschlossen werden, die keine schnell platzenden Blasen sind, sagt Roland Dantz. „Wenn die Voraussetzungen da sind, können wir über den nächsten Schritt reden.“ Und die Nutzungsmöglichkeiten. Dafür müsse geklärt sein, was im Boden liegt. Die Landesgartenschau sei eine Option für das Gelände, auch das Wohnen. Dazu kämen strategische Ziele. Es könnte ja ein zweigleisiger Ausbau der Bahnstrecke infrage kommen. Dann würden Flächen gebraucht. 

Es sei auch zu recherchieren, ob bei einer Nutzung als grüne Fläche einiges an Altlasten in der Erde bleiben kann oder ob eine Komplettsanierung nötig ist. Allein bei der Halde könnten dann etwa 2,5 Millionen Euro auflaufen. Aber vielleicht rechne sich die Investition  am Ende, spekuliert Dantz, wenn Bauland daraus wird. Das sei zu ergründen. Vielleicht ließen sich sogar bis zum Stadtjubiläum 2025 erste  Flächen mit Hilfe von Fördergeld temporär nutzbar machen. Der OB kann sich einen Bewegungs-Parcours vorstellen oder eine BMX-Strecke. Etwas mit Erlebnischarakter, um die Flächen ins Bewusstsein zu rücken.

Die Natur erobert sich das Gelände des alten Glaswerkes zurück.
Die Natur erobert sich das Gelände des alten Glaswerkes zurück. © privat

Derzeit  im Fokus ist das Bahnbetriebswerk. Die Stadt verhandelt mit der Deutschen Bahn über den Ankauf - und ist zuversichtlich. Auch der Stadtrat beschäftigte sich jetzt mehrfach mit dem Areal. „Revitalisierung und Neustrukturierung“ sind die Schlagworte. Um die Interessen der Kommune zu wahren, will die Stadt jetzt eine sogenannte Veränderungssperre über das gesamte Gebiet legen. Die Verwaltung fürchtet ansonsten eine ungeordnete Entwicklung. 

So ruhen nicht alle Teile hinter dem Zaun und einem wuchernden Wald im Dornröschenschlaf. Links des Grenzwegs Richtung Gleise stehen ebenfalls Ruinen. An dem einen oder anderen Gebäude tut sich etwas. Sie sind über die Jahre verkauft worden. Jetzt hat sich zum Beispiel ein Startup-Unternehmen aus der Software-Branche angesiedelt.

Verwaltung geht auf Grundstückseigentümer zu

Es könnte sich noch mehr entwickeln, auch Gewerbe. Das wolle die Stadt nicht unbedingt ausbremsen, aber das Heft des Handelns in der Hand behalten, sagt Dantz mit Blick auf bereits erfolgte Abrissarbeiten. Auch Gelände wurden schon aufgeschüttet oder umgestaltet. „Was dort gemacht wird, muss mit den Zielen der Stadt einhergehen“, so Roland Dantz. Zu diesen Zielen gehöre auch der Wohnungsbau.

Die Veränderungssperre soll sämtliche Aktivitäten in geordnete Bahnen lenken. Private und öffentliche Interessen müssten dabei abgeglichen und Vorhaben mit der Stadt abgestimmt werden. Die Verwaltung hat sich dazu bereits mit Grundstückseigentümern ausgetauscht. 

Es sei schön, dass junge Leute mit Ideen etwas unternehmen, sagt der OB und spielt auf die Softwarefirma an. „Wir müssen aber schauen, dass wir dem Ganzen eine gemeinsame Richtung geben.“ Der OB spricht von einer "Perlenschnur entlang der Bahn" und meint damit verschiedene Vorhaben. Zu denen gehöre ebenso der geplante größere P+R-Parkplatz (Parken und Reisen) am Bahnhof.  

Zwischen den maroden Gebäuden auf dem Gelände liegt allerhand Müll.
Zwischen den maroden Gebäuden auf dem Gelände liegt allerhand Müll. © privat

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