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Kamenz: So viel zahlen Eltern künftig für die Kita

Das dritte Jahr in Folge erhöht die Stadt Kamenz die Beiträge. Woran das liegt und was Stadträte dazu sagen.

In Kamenz und Pulsnitz wurde jetzt die Höhe der Elternbeiträge für die Kinderbetreuung im nächsten Jahr beschlossen.
In Kamenz und Pulsnitz wurde jetzt die Höhe der Elternbeiträge für die Kinderbetreuung im nächsten Jahr beschlossen. © Symbol: dpa

Kamenz. Wie schon im vorigen und in diesem Jahr sollen die Kita-Gebühren in der Stadt Kamenz auch 2022 steigen. Diese Mitteilung gab's jetzt im Sozialausschuss des Stadtrates. Ein Thema, das in der Vergangenheit schon für heftige Debatten gesorgt hatte, nahmen die Mitglieder diesmal relativ kommentarlos zur Kenntnis.

Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) erklärte, dass der prozentuale Anteil der Elternbeiträge an den Betriebskosten auch künftig bei 20 Prozent in der Krippe sowie 26 Prozent in Kita und Hort liege. Doch weil die Kosten steigen - auf insgesamt über acht Millionen Euro für 14 Kitas - wird's teurer. Den größten Anteil übernehmen die Stadt mit 3,5 Millionen Euro und der Freistaat mit 3,1 Millionen Euro. 1,7 Millionen Euro steuern derzeit die Eltern bei.

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Künftig sollen sie für die Neun-Stunden-Betreuung im Kindergarten etwa neun Euro mehr und damit 144,90 Euro im Monat zahlen. Am stärksten wirkt sich der Anstieg im Krippenbereich aus. Hier greife die Preisbremse der Stadt. Die wurde vor einigen Jahren beschlossen, um die Belastung der Eltern zumindest abzufedern. Das bedeutet: Mehr als zehn Prozent darf der Beitrag nicht angehoben werden, auch wenn der tatsächliche Aufschlag höher wäre. Die Differenz übernimmt die Kommune.

Krippenplatz 66 Euro teurer als vor drei Jahren

Dennoch: Ab dem kommenden Jahr kostet die Neun-Stunden-Betreuung in der Krippe 265,10 Euro. Das sind trotz Gebührenbremse 24 Euro mehr pro Monat. Im Hort fallen für sechs Stunden künftig 78,20 Euro an, ein Plus von fünf Euro im Monat.

Grundlage für die Berechnung der Beiträge bilden die durchschnittlichen Personal- und Sachkosten des Vorjahres. Nach den Informationen aus dem Rathaus sind die steigenden Lohnkosten beim pädagogischen wie beim technischen Personal einer der Gründe, dass die Beiträge erneut steigen. Auch ein höherer pädagogischer Aufwand treibe die Kosten aufwärts. Dazu gehören Vor- und Nachbereitungszeiten für die Erzieherinnen und Erzieher.

Aber trotz der Gebührenbremse summieren sich die Erhöhungen. Betrachtet man den Drei-Jahres-Vergleich seit 2019, kommen stattliche Beträge zusammen. So kostet der Krippenplatz im nächsten Jahr 66 Euro pro Monat mehr als noch 2019.

Jens Krüger (Wählervereinigung Kamenz und Ortsteile) sagt, er sei sich bewusst, dass die Kosten ins Budget der Familien schlagen. Es sei eine politische Frage, ob man eine hohe Qualität der Betreuung haben möchte oder nicht, sagt er. So verweist er auch auf die Investitionen der Stadt in die Kitas, zum Beispiel den Neubau in Wiesa oder zuletzt einen Beschluss über 500.000 Euro fürs Kinderhaus "Langes Gässchen".

Die Stadt leiste außerdem ihren Anteil, indem sie die Zehn-Prozent-Bremse beschlossen hat, um die Eltern zu entlasten. Krüger fordert, dass auch der Freistaat einen regelmäßigen Beitrag leistet, um Druck von den Eltern zu nehmen. Die tariflichen Anpassungen seien nachzuvollziehen. Mit den Lohnzuwächsen sollte aber auch der Freistaat seinen Zuschuss immer etwas anheben, schlägt er vor. Denn auf Dauer werde es sonst für die Eltern kaum tragbar sein.

Jens Fichte (Die Linke) kritisiert den derzeit gängigen Automatismus bei den Steigerungen. Außerdem sollte der Kostendeckel von zehn Prozent zugunsten der Eltern noch ein Stück abgesenkt werden, schlägt er vor. Im Rathaus sieht man einen Spielraum dafür allerdings nur bei einer außerordentlich guten Entwicklung der Stadt.

Auch in Pulsnitz ändern sich die Elternbeiträge

Ausschussmitglied Sylvia Horn (Stadt-Land-Frau) erinnert an eine Umfrage unter Eltern und Kitapersonal in Sachsen. Vielen sei die Qualität der Kinderbetreuung wichtig gewesen. Dass es genügend gute Erzieher gibt, sei wichtig: "Es muss auch etwas getan werden, um das Personal zu halten." Dazu gehöre eine gute Bezahlung.

Die Frage sei letztlich, wie die Kosten ausbalanciert werden und ob der Freistaat zu einem steigenden Anteil bereit sei, argumentiert sie ähnlich wie ihr Ausschusskollege: "Wir haben ja jetzt bei Corona gesehen, dass viel Geld da ist."

Auch in Pulsnitz wurden neue Kita-Beiträge beschlossen. Dort geht es diesmal aber nur um Erhöhungen um einen bis zwei Euro, im Hort werden die Elternbeiträge sogar sinken, sagt Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos). Der große Aufschlag infolge der Qualitätsoffensive sei bereits in vergangenen Jahren erfolgt.

Die ab nächstem Jahr geltenden Elternbeiträge liegen in Pulsnitz in ähnlicher Höhe wie in Kamenz: Der Neun-Stunden-Krippenplatz kostet dann 271 Euro, in der Kita sind 138 Euro fällig. Eine Gebührenbremse wie Kamenz könne sich Pulsnitz wegen seiner klammen Kasse allerdings nicht leisten, sagt Lüke.

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