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Kamenz: Auto-Winter baut ein neues Autohaus

An der Hohen Straße muss jetzt ein altes Werksgebäude des Bau-Kombinats einem Neubau weichen. Wie der aussehen soll und welche Marke dort verkauft wird.

Autofachmann Heiko Winter baut in Kamenz ein neues Autohaus. Seine Tochter Elisa Winter soll die Geschäfte in wenigen Jahren übernehmen.
Autofachmann Heiko Winter baut in Kamenz ein neues Autohaus. Seine Tochter Elisa Winter soll die Geschäfte in wenigen Jahren übernehmen. © Matthias Schumann

Kamenz. Bisher liefen die Abrissarbeiten an der Hohen Straße in Kamenz eher im Hintergrund. Neben dem Autohaus Rank sind bereits einige Scheunen verschwunden. Doch der große Brocken kommt noch: Ein Gebäude des ehemaligen Bau und Montage Kombinats der DDR in Kamenz muss noch abgerissen werden. In der Kantine stehen noch Tische, Stühle, Geschirr aus Wendezeiten, so als ob die Mitarbeiter jeden Moment zur Tür hereinkommen würden. Erwartet wird aber in den kommenden Monaten der Abrissbagger, erklärt Heiko Winter, Geschäftsführer von Winter Automobilpartner.

Bei der Übernahme des Opel-Autohauses Rank vor neun Jahren hatte Heiko Winter das Areal von gut 5.000 Quadratmetern Fläche mit gekauft und das Werksgebäude als Reifenlager genutzt. Nun sind dessen Tage gezählt. Die Reifen werden in ein neues Lager umziehen, das nebenan bei Opel eingerichtet wird.

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Winter hat sich für Hyundai entschieden

Den Namen Rank habe er wegen der langen Tradition beibehalten wollen, sagt der Autohändler, der seinen Hauptsitz in Bretnig hat. Dabei soll es auch bleiben. Der Neubau werde dann aber unter dem Namen Winter firmieren - mit einer neuen Marke unter dem Firmendach. Er habe einige Anfragen und Angebote gehabt, sagt Winter: „Es war ein längerer Prozess. Die Entscheidung ist für die südkoreanische Marke Hyundai gefallen.“ Die habe Potenzial. Das Unternehmen sei sehr innovativ, das habe ihn überzeugt.

Von Wasserstoff- bis E-Antrieb sei der Hersteller breit aufgestellt: „Jedes zweite Auto, das wir verkaufen, ist ein E-Fahrzeug“, sagt Heiko Winter. Die Ladeinfrastruktur könne freilich eine Engstelle sein, ist er sich bewusst. Er denke aber auch, dass sich in den kommenden zwei Jahren viel tun werde. Außerdem rechne er mit einem Mix aus E-Antrieb, Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen.

Gerade hat Heiko Winter mit den Architekten zusammengesessen und ist nun überzeugt, dass Gäste der Stadt künftig einen ganz neuen Eindruck bekommen werden, wenn sie aus Richtung Bautzen nach Kamenz kommen. Das künftige Gebäude werde sich nicht mehr so nah an die Straße drängen. Es werde eine deutlich offenere Gestaltung haben. Heiko Winter deutet auf Überdachungen aus DDR-Zeiten. Die kommen ebenfalls weg: „Dort entstehen die Kundenparkplätze. Gegenüber der künftigen Einfahrt in das Areal.“

Ein Schandfleck verschwindet

Der Trend gehe derzeit zu klaren, geraden Linien und Gebäuden, die sich am Würfel orientieren. Vorsprünge und Kuppeldecken seien passé. Viel Glas soll verbaut werden, um Licht durchflutete Räume zu schaffen. Etwas kompliziert mache es das abfallende Gelände, so dass er die Autos künftig in dem Glasbau auf zwei Ebenen präsentieren wolle: „Es wird kein einfacher Bau, wir müssen kreativ sein. Die viel befahrene Straße bekommt einen sehenswerten Blickfang, und ein Schandfleck verschwindet.“ Etwa zwei Millionen Euro investiert Heiko Winter in den Neubau.

In dem sollen Verkauf und Service für die neue Marke Raum finden. Der Werkstattbereich werde komplett im Opel-Gebäude konzentriert. Den werde er mit Fachleuten für die neue Marke aufstocken. Insgesamt werde das Unternehmen um 15 Mitarbeiter wachsen – von den Monteuren bis zum Verkauf. Der habe in einem Interimsgebäude bereits begonnen.

Derzeit beschäftigt das Unternehmen bereits über 100 Mitarbeiter. Ursprung war vor fast 100 Jahren die Schlosserei von Heiko Winters Großvater in Burkau. Den 100. Geburtstag feiert die Firma Winter 2025. Genau zum 800-jährigen Kamenzer Stadtjubiläum. Dann soll es auf jeden Fall eine gemeinschaftliche Aktion mit der Stadt geben.

Nächste Generation soll das Autohaus übernehmen

Bis dahin will der jetzt 60-jährige Chef nach über 35 Jahren an der Spitze der Firma auch langsam kürzer treten und seine Tochter Elisa Winter in die Geschäftsführung holen. Das heißt nicht, dass er sich ganz zurückziehen werde, sagt Winter. Aber er wolle Verantwortung an die nächste Generation abgeben, und dennoch mit seiner Erfahrung im Hintergrund zur Verfügung stehen. So habe das schon vor über 35 Jahren sein Vater getan.

Trotz der Halbleiterkrise sei der Absatz gut. Aufgrund der Nähe zur Chipindustrie treffe der Engpass bei Bauteilen die südkoreanische Marke nicht so hart wie etwa Opel. Es sei eben auch eine Folge der weltweiten Vernetzung. Wenn in Hongkong ein Werk wegen Corona-Fällen vorübergehend geschlossen werde, dann „stehen auch in Deutschland Bänder still“.

Bei Opel könne die Wartezeit bei einigen Modellen derzeit schon fünf Monate betragen, wobei der deutsche Markt noch bevorzugt beliefert werde. Da er Vorstandsmitglied im deutschen Opel-Händler-Verband ist, sei er sehr nah an den Dingen dran, sagt Heiko Winter. Er gehe fest davon aus, dass das Opelwerk in Eisenach die Produktion wieder aufnehmen werde. Mitte des nächsten Jahres, so hoffe er, werde sich die Chip-Situation entspannen. Dann sollte auch der Bau des neuen Autohauses begonnen haben.

Einige Gebäude sind bereits abgerissen auf dem Areal von Winter Automobile in Kamenz. Dieses wird noch folgen, um Platz für einen Neubau zu machen.
Einige Gebäude sind bereits abgerissen auf dem Areal von Winter Automobile in Kamenz. Dieses wird noch folgen, um Platz für einen Neubau zu machen. © Matthias Schumann

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