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Elstra: Ein weißer Fleck auf der Landkarte?

Die Stadt ringt um ihre Rolle für die Zukunft und macht Pläne für Wohnen, Gewerbe und Tourismus. So sehen sie aus.

Von Heike Garten
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Welche Rolle soll Elstra künftig spielen, wie soll sich die Stadt mit ihren Ortsteilen entwickeln? Darüber wird jetzt diskutiert.
Welche Rolle soll Elstra künftig spielen, wie soll sich die Stadt mit ihren Ortsteilen entwickeln? Darüber wird jetzt diskutiert. © SZ/Uwe Soeder

Elstra. Es ist ein beschauliches Städtchen am Rande der Westlausitz. Gelegen zwischen dem Schwarzenberg und dem sorbischen Siedlungsgebiet lässt es sich in Elstra gut leben. Doch reicht das aus, damit sich die Stadt mit ihren zwölf Ortsteilen auch in Zukunft gut entwickelt, damit der Status einer eigenständigen Kommune bestehen bleibt?

"Welche Daseinsberechtigung hat Elstra als Stadt?", fragt Bürgermeister Frank Wachholz (Runder Tisch). "Wir sind ein weißer Fleck auf der Landkarte", sagt er mit Blick auf Regional- und Landesplanungen, in denen die Stadt Elstra seit zirka 20 Jahren so gut wie keine Rolle spielt, obwohl sie Funktionen für die Region übernimmt.

Stadtentwicklung: So ist die Ausgangslage

Doch die direkte Anbindung des Gewerbegebietes an die A4, der Schulstandort mit Grund- und Oberschule und die touristischen Möglichkeiten könnten die Entwicklung der Stadt voranbringen und sie damit aus der fast Bedeutungslosigkeit herausholen. Genau dieser Aufgabe will sich Elstra jetzt mit neuen Entwicklungszielen stellen. Die sollen in einem Flächennutzungsplan münden, in dem konzipiert wird, welche Entwicklung in den einzelnen Ortsteilen möglich ist.

Erste Vorstellungen haben die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses zu Papier gebracht. Unterstützt werden sie dabei von der Firma GLI-Plan aus Bischofswerda. Ute Günther vom Unternehmen weiß die Region um Elstra zu schätzen. "Vor allem landschaftlich hat sie jede Menge zu bieten. Ich war selbst schon zum Wandern in der Gegend", sagt sie. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man vor allem im touristischen Bereich einiges zulegen möchte.

Auf vier Säulen stützt Elstra seine künftige Ausrichtung: Wohnen, Bildung, Handwerk und Gewerbe sowie sanfter Tourismus. Dort sieht man Potenzial, ohne die vorhandene ländliche Struktur, vor allem in den Ortsteilen, zu verändern. Im Flächennutzungsplan sind Standorte für neue Wohnflächen, für Firmen sowie für Sport und Kultur ausgewiesen, unabhängig davon, ob es sich dabei um private oder kommunale Flächen handelt.

Ausgangspunkt sind die aktuellen Festlegungen aus der Raumordnung. So gehört 70 Prozent der Fläche von Elstra zum Landschaftsschutzgebiet, die Gewerbeflächen sind zu 100 Prozent ausgelastet. Eine Nachfrage nach Flächen für den Eigenheim- oder Wohnungsbau ist auch aufgrund der Situation im Ballungsraum Dresden vorhanden. Immerhin gelangt man von Elstra in nur knapp 25 Minuten in die Landeshauptstadt.

Wohnen: Über 200 Flächen für Neubau möglich

Im Zukunftspapier, das jetzt öffentlich vorgestellt wurde, sind alle Ortsteile aufgenommen. Für Elstra, Talpenberg, Dobrig, Ossel, Boderitz Unter- und Oberdorf, Welka, Wohla, Prietitz, Kriepitz, Leipsbergsiedlung, Gödlau, Rauschwitz, Kindisch und Rehnsdorf entstand ein Plan, der Flächen für Wohnen, Gewerbe und Tourismus ausweist. Hier die konkreten Vorstellungen:

Insgesamt wären in Elstra und den Ortsteilen 207 potenzielle Baufelder für den Wohnungsbau möglich. Dabei handelt es sich um Lückenbebauung oder um Flächen, die an bestehende Häuser angrenzen. Der größte Anteil an Wohnbebauung entfällt auf die Stadt Elstra mit 67 möglichen Bauplätzen, gefolgt von Rauschwitz mit 40 und Prietitz mit 25. Lediglich in Welka sieht die Stadt keine Möglichkeit für eine Entwicklung.

Gewerbe: Fünf Gebiete mit insgesamt 35 Hektar geplant

Ähnlich sind die Standorte für Gewerbe aufgeführt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um mittelständische Unternehmen, Kleinbetriebe, Einzelhandel oder Gastronomie handelt. Insgesamt stehen fünf neue Gewerbeflächen mit insgesamt etwa 35 Hektar zur Debatte. So wäre ein kleines Gewerbegebiet mit einer Fläche von etwa drei Hektar am Ende der Klosterstraße außerhalb von Elstra möglich.

Auch für Prietitz ist ein Gebiet mit etwa drei Hektar an der Prietitzer Straße in Richtung S 94 vorgesehen. Ähnliches trifft auf Kriepitz mit einer Fläche von drei Hektar an der Umgehungsstraße zu. Mit Blick auf das Gewerbe könnte Rauschwitz die größte Entwicklung nehmen. Dort könnten zwei Gebiete mit einmal fünf und einmal 20 Hektar in Richtung Autobahn entwickelt werden.

Tourismus: Campingplatz am Schwarzenberg

Spannend dürfte die touristische Entwicklung werden. Anziehungspunkt ist bereits jetzt der Schwarzenberg mit seinem Bikepark, der Abfahrtsstrecke, den Wander- und Radwegen. "Wichtig ist, die Wege und deren Beschilderung in Ordnung zu halten und gegebenenfalls auszubauen", sagt Frank Wachholz.

Radfahrer finden in der Region um Elstra beste Bedingungen. Hier ist Wolfgang Deißler aus Kamenz am Schwarzenberg unterwegs. Die Wege sind gut ausgeschildert.
Radfahrer finden in der Region um Elstra beste Bedingungen. Hier ist Wolfgang Deißler aus Kamenz am Schwarzenberg unterwegs. Die Wege sind gut ausgeschildert. © Archivfoto: René Plaul

Als Zukunftsziel wird die Errichtung eines kleinen Campingplatzes und eines Parkplatzes am Berg angedacht, um so Besuchern die entsprechende Infrastruktur für einen sanften Tourismus zu bieten. Von Elstra aus seien Ausflüge in die gesamte Region möglich, ergänzt der Bürgermeister. Und natürlich müsse man auf die Besonderheiten und Highlights aufmerksam machen.

Bürger sollen mitreden: So geht es jetzt weiter

Diese Ideen sollen jetzt im Stadtentwicklungsausschuss in enger Zusammenarbeit mit den Planern und den Einwohnern fortgeschrieben werden, damit es letztlich zur Aufstellung eines Flächennutzungsplanes kommt. Die Bürger sind aufgefordert, ihre Vorschläge, Fragen oder Anmerkungen in diesen Prozess einzubringen. Dazu sollen die Eckpunkte der Stadtentwicklung auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht werden. Und dann wird die Zukunft zeigen, was von den Ideen umgesetzt werden kann, damit Elstra aus der Bedeutungslosigkeit herausgehoben wird.