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„Ich würde kein anderes Auto mehr fahren wollen“

Susann Blanke aus Laußnitz im Landkreis Bautzen fährt ein E-Auto. Warum sie sich dafür entschieden hat und ihren Mini heute nicht mehr missen will.

Von Heike Garten
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Susann Blanke aus Laußnitz fährt ein E-Auto. Nach anderthalb Jahren Erfahrung sagt sie: "Ich würde kein anderes Auto mehr fahren wollen."
Susann Blanke aus Laußnitz fährt ein E-Auto. Nach anderthalb Jahren Erfahrung sagt sie: "Ich würde kein anderes Auto mehr fahren wollen." © Matthias Schumann

Laußnitz. Sie spricht voller Begeisterung über ihr Auto, das sie seit nunmehr ungefähr anderthalb Jahren fährt. Susann Blanke aus Laußnitz ist stolze Besitzerin eines Mini-Coopers SE. Dabei handelt es sich um ein Elektro-Auto, eines der kleineren Modelle auf dem inzwischen angewachsenen Markt der E-Autos. „Ich kann mir für meine Bedürfnisse kein besseres Fahrzeug vorstellen“, sagt die Lehrerin. Ihr Mann Henning pflichtet ihr bei. Er selbst fährt einen Opel Grandland Hybrid.

Doch wie kommt man gerade auf dem Land dazu, sich ein E-Auto anzuschaffen? Die Möglichkeiten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln Wege zurückzulegen, sind im Vergleich zur Stadt eher begrenzt. Auch die Lade-Infraktstruktur ist bei Weitem nicht so ausgebaut wie zum Beispiel in Dresden. Und doch hat sich Familie Blanke aus Laußnitz für ein E-Auto entschieden. Laußnitz ist eine kleine Gemeinde bei Königsbrück im Landkreis Bautzen. Dresden ist knapp 30 Kilometer entfernt, Kamenz etwa 20 Kilometer.

Anfangs reichte der Familie ein Auto

Die Familie ist vor 14 Jahren von Dresden nach Laußnitz gezogen, hat dort ein Eigenheim gebaut. In der Anfangszeit arbeitete Susann Blanke als Lehrerin in Laußnitz, also am Wohnort. Ihr Mann fuhr mit dem Zug zur Arbeit nach Dresden. Ein Auto reichte, um die anderen Wege, zum Beispiel zu einem größeren Einkauf oder zu den Eltern, zu bewältigen. „Schwieriger wurde es, als die beiden Kinder, heute elf und 14 Jahre, größer wurden“, erklärt Susann Blanke. Sie müssen mal zum Sport oder zu anderen Aktivitäten gebracht werden - schwierig mit nur einem Auto. Es musste also ein zweites her. Das war vor etwa zwei Jahren.

„Ein Mini-Cooper war schon immer mein Traum, die Frage war nur, ob als Benziner oder E-Auto.“ Um diese Frage zu beantworten, mussten zwei andere Dinge geklärt sein: Wie kann man das Auto aufladen und welche Strecken werden mit ihm zurückgelegt?

Auto wird am eigenen Haus aufgeladen

Bei Ersterem macht sich für die Familie eine kluge Entscheidung von vor 14 Jahren bezahlt. „Als wir damals unser Haus gebaut haben, habe ich gleich einen Starkstromanschluss mit legen lassen, für alle Fälle“, erzählt Henning Blanke. Über diesen Anschluss konnte ein hausinternes Ladegerät, eine sogenannte Wallbox, installiert werden. So kann der E-Mini jetzt am eigenen Haus aufgeladen werden, also zum Beispiel am Abend oder über Nacht. Je nachdem, wie leer die Batterie ist, dauert der Ladevorgang – etwa drei Stunden bei fast leerem Akku.

Die Kosten für den Strom seien günstiger als der Sprit für einen Benziner. Dem gegenüber stehe natürlich der Preis für das E-Auto, der in der Regel oft wesentlich höher ist als für einen Verbrenner. „Aber wir haben eine Förderung bekommen“, sagt Henning Blanke.

Batterieladung hat bisher immer gereicht

Die zweite Frage nach der Reichweite kann Susann Blanke ganz leicht beantworten. Für die Fahrt zu ihrer jetzigen Arbeitsstelle in Brauna, einem Ortsteil von Kamenz, zum Einkauf oder auch mal nach Dresden reiche eine Batterieladung, um hin und zurück zu kommen. „Natürlich schaue ich beim Fahren auf den Akku-Stand, aber es hat bisher immer geklappt.“ Die Reichweite hänge auch vom Wetter und vom Zustand der Bereifung ab. Bei kalten Temperaturen und Winterreifen werde mehr Akku-Ladung verbraucht.

Wenn die Familie die Eltern besuchen will oder mal eine längere Reise mit dem Auto ansteht, dann nimmt sie aber das Fahrzeug von Henning Blanke, einfach, weil es größer ist, aber vor allem auch, weil dann die Suche nach Ladestationen unterwegs entfällt. Der Hybrid sei aber immer noch umweltfreundlicher als ein reiner Diesel oder Benziner.

Doch was macht jetzt den Unterschied, ob man ein E-Auto in der Großstadt oder auf dem Land besitzt? Viele sagen, dass gerade in der Stadt ein E-Auto optimal sei, da nur kürzere Strecken zurückzulegen sind. Andererseits gibt es in der Stadt nur selten die Möglichkeit, das Auto am eigenen Haus aufzuladen, weil die Leute statt im Eigenheim eher in Mehrfamilienhäusern wohnen. Also muss immer eine Ladesäule in der Nähe gefunden werden, um das E-Auto anzuschließen.

Vielleicht kauft die Familie noch ein zweites E-Auto

Dazu kommt, dass man bisher nicht an jeder Ladesäule einfach per Karte bezahlen kann. Oft braucht man dafür eine spezielle App oder Ladekarte. Das alles sind Herausforderungen, denen sich E-Auto-Besitzer stellen müssen.

Blankes aus Laußnitz haben solche Probleme nicht, bei ihnen passiert das Laden, während sie zum Beispiel gemütlich am Abendbrottisch sitzen. Der Familienvater kann sich sogar vorstellen, bei seinem nächsten Auto vom Hybrid auf eine größere E-Variante umzusteigen. Doch das ist erstmal Zukunftsmusik. Susann Blanke jedenfalls sagt: „Ich würde kein anderes Auto mehr fahren wollen.“ Sie ist glücklich mit ihren E-Mini Cooper.