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Kamenz: Bibliothek öffnet auch ohne Personal

Am neuen Standort können Nutzer künftig Medien auch ausleihen, wenn kein Mitarbeiter vor Ort ist. So soll es funktionieren.

Marion Kutter, Leiterin der Kamenzer Lessing-Bibliothek, freut sich auf den neuen Standort, der gerade auf dem Schulcampus entsteht.
Marion Kutter, Leiterin der Kamenzer Lessing-Bibliothek, freut sich auf den neuen Standort, der gerade auf dem Schulcampus entsteht. © Matthias Schumann

Kamenz. Es hat etwas von Science Fiction – kein Personal in der Bibliothek, aber Leser, die in Regalen stöbern. Licht und anderes steuert die Technik. Die Kamenzer Bibliothek soll künftig auch ohne Personal voll funktionstüchtig und für Besucher geöffnet sein. Nicht immer, aber zu bestimmten Zeiten. So sehen die Pläne aus für das künftige Domizil. Das entsteht gerade im Erdgeschoss des Erweiterungsbaus für das Gymnasium.

So wird die neue Kamenzer Lessing-Bibliothek nicht nur mehr als doppelt so groß wie die jetzige, sondern auch eine „Offene Bibliothek“. Leser sollen Teile der Bibliothek auch außerhalb der Öffnungszeiten nutzen können. Dafür investiert die Stadt 25.000 Euro in ein sogenanntes „Open Library System“, ein Zutrittskontrollsystem. Das wird angeschafft, um die Bibliothek überwachen zu können.

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Räume künftig doppelt so groß

Das Ganze hat noch einen weiteren Hintergrund. Die Bibliothek steht zugleich vor der Herausforderung, die doppelte Fläche mit dem gleichen Personal, also vier Mitarbeitern, zu bewirtschaften. Alle Räume ständig zu überblicken, sei schier unmöglich für das kleine Team, so Bibliotheksleiterin Marion Kutter. Die technischen Lösungen sollen das kompensieren.

Die Bibliothek werde damit auch ohne Personal voll funktionstüchtig sein. Dazu gehört eine Selbstbedienung bei der Ausleihe und zur Diebstahlsicherung ähnliche Technik wie in Läden. Die arbeitet auf der Basis von Funksteuerung und gibt akustischen Alarm. Aber da ist noch viel mehr: Über eine Software wird die komplette Infrastruktur inklusive Beleuchtung, Kameras, Durchsagen, Sicherungstoren und Selbstbedienungsservice gesteuert.

Der neue Schulcampus in Kamenz wächst. Im Erdgeschoss des Erweiterungsgebäudes am Gymnasium wird die Stadtbibliothek ihre neuen Räume beziehen - mit hochmoderner Technik.
Der neue Schulcampus in Kamenz wächst. Im Erdgeschoss des Erweiterungsgebäudes am Gymnasium wird die Stadtbibliothek ihre neuen Räume beziehen - mit hochmoderner Technik. © Matthias Schumann

Die Nutzer können die Eingangstür der Bibliothek mit einem gültigen Mitgliedsausweis und einer Pin am Zugangsterminal öffnen. Sie können dann entliehene Bücher zurückgeben, Neues ausleihen, Computer nutzen. An einem Kassenautomaten sind Zahlungen möglich. Kameraaugen überwachen das Geschehen. In Nordeuropa und den USA sind solche Systeme schon seit über zehn Jahren gängig.

In Deutschland starteten die Bücherhallen Hamburg vor sechs Jahren ins Selbstbedienungszeitalter. Heute sind es etwa 30 Einrichtungen deutschlandweit -  in Dänemark beispielsweise 500. Damit ist Deutschland in dieser Beziehung eher noch ein Entwicklungsland. Die Kamenzer Stadtbibliothek wird die erste im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien sein, die auf diese Weise funktioniert.

Drohen Probleme mit Vandalismus?

Das System soll die Bibliothek in die Lage versetzen, die Öffnungszeiten mehr am Bedarf zu orientieren und damit auszuweiten. Die meisten Bibliotheken in Deutschland würden 30 Stunden pro Woche öffnen, sagt Leiterin Marion Kutter. Damit verfehlten sie nationale Standards. Die Bibliothek müsse auch in den Abendstunden und an den Wochenenden zugänglich sein, so Marion Kutter. Das werde in den neuen Räumen möglich. Die Leiterin verspricht sich davon auch einen Zuwachs an Nutzern. Die Bibliothek werde einmal mehr zum Treffpunkt.

Eine gewisse Sorge äußerten Kamenzer Stadträte, es könne Vandalismus geben. Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) sagt, er schätze das Risiko als gering ein. Dafür sprächen Erfahrungswerte anderer Bibliotheken. 

Die Schüler würden sich schon auf die offene Bibliothek freuen, sagt Stadtrat und Lehrer Jens Krüger (Wählervereinigung). Es sei zwar nicht auszuschließen, dass etwas passiert. Die Masse werde aber verantwortungsvoll mit dem Angebot umgehen: „Wir haben die Chance für eine ganz moderne Bibliothek.“ Das sieht auch Alex Theile (Linke) so. Er habe Vertrauen in die Jugend. 

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