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Stadtrat lehnt Parkhaus für Pulsnitz ab

Die Sportstätte Kante wurde abgerissen. Für die freie Fläche war mal ein Parkhaus im Gespräch. Warum sich die Stadt jetzt dagegen entschieden hat.

Von Heike Garten
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Freie Sicht über den Parkplatz zum Schlosspark in Pulsnitz: Wo einst die Sportstätte Kante stand, parken jetzt Autos. Soll das so bleiben?
Freie Sicht über den Parkplatz zum Schlosspark in Pulsnitz: Wo einst die Sportstätte Kante stand, parken jetzt Autos. Soll das so bleiben? © Anne Hasselbach

Pulsnitz. Die Sportstätte Kante in Pulsnitz wurde abgerissen. Auf der Fläche parken jetzt Autos. Passanten wie auch Parkende haben einen freien Blick auf die Wohnhäuser am Schlosspark und auf den Park selbst. Auch Autofahrern, die aus Richtung Dresdener Straße in die Stadt kommen, bietet sich ein neues Bild: ein freier Blick auf die Grünanlagen.

Angenommen wird der Parkplatz gut. An manchen Tagen gibt es nur wenige freie Plätze. Gleich nach dem Abriss der Kante hatte die Stadt im April mit geringem Aufwand Stellflächen geschaffen. Es ist kein ausgebauter Parkplatz mit eingezeichnetem Leitsystem und gekennzeichneten Stellflächen. „Aber Autofahrer können ihre Fahrzeuge dort abstellen. So gewinnt die Stadt mehr Parkflächen im innerstädtischen Bereich“, sagte Bauamtsleiter Kay Kühne damals. Auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern finden etwa 60 Autos Platz.

CDU im Stadtrat: Pulsnitz hat genug Parkplätze

Doch soll dieser Parkplatz so bleiben? Bereits vor dem Abriss der Kante wurde in Pulsnitz über ein Parkhaus an besagter Stelle diskutiert. Die Stadt hatte bereits vor zwei Jahren dazu eine Studie in Auftrag gegeben, ein Planungsbüro hatte mehrere Varianten erarbeitet. Bei der Vorzugsvariante sollte ein Parkhaus mit vier Ebenen mit einer Höhe von elf bis 13 Metern entstehen. Etwa 160 Auto würden darin Platz finden.

Doch nun steht fest: Die Idee ist vom Tisch. Der Stadtrat entschied sich Mitte Oktober gegen solch einen Bau. Die CDU-Fraktion hatte einen Antrag eingebracht, in dem sie sich deutlich gegen ein Parkhaus ausspricht.

Maik Förster von der CDU nennt gleich mehrere Gründe: „Wenn man jetzt auf dem Parkplatz steht, sieht man deutlich, wie schön und wie grün die Stadt ist. Das war vorher nicht so, und wäre bei einem Parkhaus wieder verschwunden“, sagt er. Außerdem glaubt er, dass es in Pulsnitz genug Parkplätze gibt, die allerdings noch etwas besser gestaltet werden könnten. Er denke da zum Beispiel an den Parkplatz am Bahnhof, der jetzt noch ein Dreckplatz sei, oder an den Schützenplan.

Parkhaus würde mehr als drei Millionen Euro kosten

Letztlich spielt auch die nicht gerade rosige Finanzsituation der Stadt eine Rolle, gerade jetzt, da um Einsparungsmöglichkeiten in vielen Bereichen gerungen wird. Ein Parkhaus hätte nach Berechnungen der Planer zwischen 2,5 und 3,75 Millionen Euro gekostet. Das Geld ist schlichtweg nicht vorhanden.

Auch die FDP spricht sich geschlossen gegen den Bau eines Parkhauses und für die Entwicklung des jetzigen Parkplatzes aus. Stadtrat Guntram Schäfer (FDP) ist der Meinung, dass es in Pulsnitz genug andere Möglichkeiten zum Parken gibt, die Flächen nur schöner gestaltet werden müssten. „Außerdem ist auch kein Geld da, um das Gebäude zu bauen.“

Christian Schultze von der AfD sagt, er habe nichts gegen ein Parkhaus. „Doch wer soll das finanzieren? Das sind ja alles Steuergelder, die da fließen. Also haben ich und die Fraktion gegen das Parkhaus gestimmt“, sagt er. Er sei auch der Meinung, dass man in einer so kleinen Stadt wie Pulsnitz auch mal ein, zwei Schritte laufen könne, um zum gewünschten Ort zu kommen. Das gelte für Einwohner genauso wie für Besucher.

Parkplatz soll schöner gestaltet werden

Auch in der Stadtverwaltung wird die Entscheidung gegen das Parkhaus so gesehen wie vom Stadtrat. „Es wäre ja ohnehin nicht förderfähig“, sagt Bauamtsleiter Kay Kühne. Auch die Machbarkeitsstudie habe gezeigt, dass das Parkhaus baurechtlich gesehen nur schwer umsetzbar gewesen wäre.

Offen ist jetzt allerdings die Frage, wie der jetzige Parkplatz auf der Fläche der ehemaligen Kante künftig gestaltet werden soll. Maik Förster hat da schon ziemlich konkrete Vorstellungen: Es soll ein Parkplatz bleiben, allerdings auch mit zwei Stellplätzen für Busse, einem kleinen Picknick-Areal, einem Minispielplatz und Info-Tafeln mit den Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Auch eine Erinnerungstafel an die Kante sei denkbar. „Auf keinen Fall darf die Sichtachse zum Schlosspark zerstört werden“, sagt Förster.

Diese Punkte haben auch schon im CDU-Antrag gestanden, wurden dann aber nach langer Diskussion herausgenommen. Jetzt steht in dem Beschluss nur noch der Satz, dass die Verwaltung beauftragt wird, den Platz zeitnah zu beplanen. Maik Förster denkt da an einen Zeitrahmen von bis zu zwei Jahren.

Der Bauamtsleiter will als erstes dem Stadtrat eine Idee vorlegen, wie man die Planung umsetzen kann und vor allem auch, wie dies zu finanzieren sei. Die Verwaltung selbst habe nicht die Kapazität, um die Planung zu übernehmen. Und man müsse natürlich auch die Haushaltsplanung für das kommende Jahr abwarten.