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So lebt es sich im Elstraer Seniorenzentrum

Seit zehn Jahren gibt es das Pflegeheim "Am Stadtpark". Dort lassen sich 40 Mitarbeiter für die 44 Bewohner immer wieder was Besonderes einfallen.

Sie fühlen sich wohl im Seniorenzentrum Elstra: Ehrenfried Helaß, Barbara Bluhm, Ursula Jüptner, und Christa Hoffmann (v. l.). Heimleiterin Daniela Gnauck (r.) freut sich, dass die Nachfrage nach Plätzen nicht nachlässt.
Sie fühlen sich wohl im Seniorenzentrum Elstra: Ehrenfried Helaß, Barbara Bluhm, Ursula Jüptner, und Christa Hoffmann (v. l.). Heimleiterin Daniela Gnauck (r.) freut sich, dass die Nachfrage nach Plätzen nicht nachlässt. © Matthias Schumann

Elstra. Sie sitzen im Schatten an kleinen Tischen und warten geduldig. Die Bewohner des Seniorenzentrums „Am Stadtpark“ in Elstra genießen das sonnige Wetter und die frische Luft. Gleich wird es etwas Besonderes geben. Fahrende Musikanten haben sich angesagt. Kurze Zeit später kommen etwa 20 Erwachsene und junge Leute, die einen Planwagen ziehen, auf den Vorplatz des Heimes. Es dauert nicht lange, dann spielen sie mit Gitarren und anderen Instrumenten bekannte alte Lieder und singen dazu. Mancher Zuschauer klopft im Takt auf den Tisch, andere singen mit.

„Es ist bei uns üblich, dass wir uns für die Bewohner immer etwas Besonderes ausdenken, um den Alltag aufzulockern“, erklärt Haus- und Pflegedienstleiterin Daniela Gnauck. Sie bestellt gleich noch Eis für die fahrenden Musiker. Von Corona ist kaum etwas zu spüren. Nur die Mitarbeiter des Seniorenzentrums tragen eine Maske, gleiches gilt für Besucher im Innen- und Außenbereich. Angehörige werden durch das geschulte Personal getestet und in die Kontaktlisten eingetragen.

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Jeder hat sein eigenes Zimmer

Seit zehn Jahren gibt es das Seniorenzentrum, das zur Westlausitz Pflegeheim & Kurzzeitpflege Gesellschaft gehört. Am 9. Mai 2011 sind die ersten vier Bewohner eingezogen. Fast genauso lang ist Daniela Gnauck dabei. Sie nahm im November 2011 ihre Arbeit als Hausleiterin auf. „Wichtig ist mir, dass ich außer meiner Leitungstätigkeit, die etwa 70 Prozent der Arbeit ausmacht, auch noch im Pflegebereich tätig bin“, sagt sie. Sie will jeden Bewohner persönlich kennen, auch die Angehörigen. Es gehe dabei um ein vertrauensvolles Miteinander.

Insgesamt leben 44 Senioren im Elstraer Pflegezentrum, und zwar in vier Wohnbereichen. „Das ist wie in einer großen Familie. Zwar hat jeder sein eigenes Zimmer, aber viele Dinge werden mit den Betreuern gemeinsam erledigt“, erklärt Daniela Gnauck. So helfen die Bewohner zum Beispiel beim Kochen oder schauen dabei zu. Auch dürfen sich die Senioren ihre Zimmer mit eigenen Möbeln und Deko-Gegenständen einrichten lassen. Das geht hin bis zu eigenen Lampen.

Das Seniorenzentrum in Elstra gibt es seit zehn Jahren.
Das Seniorenzentrum in Elstra gibt es seit zehn Jahren. © Matthias Schumann

40 Mitarbeiter betreuen die Bewohner im Elstraer Seniorenzentrum, dazu kommen vier Azubis und ein FSJler. Auch eine Frau aus Elstra hilft ehrenamtlich mit, und sei es nur, um mit den älteren Leuten spazieren zu gehen. Nachwuchssorgen hat die Leiterin kaum, auch die Fluktuation bei den Beschäftigen halte sich im Rahmen. „Alle offenen Stellen konnten immer schnell wieder besetzt werden, Lehrlinge werden übernommen“, erklärt Daniela Gnauck. Derzeit gebe es eine offene Stelle, aber die Chefin ist überzeugt, dass das nicht lange so bleibt.

Den Erfolg bei der Personalsuche führt sie auf mehrere Faktoren zurück. Da wären zum einen Ferienarbeit und Praktika, die immer gut nachgefragt seien, oder die Aktion "Genial sozial", bei der Schülerinnen und Schüler einen Tag lang arbeiten und den Lohn spenden. Derzeit plant das Zentrum einen Kooperationsvertrag mit der Mittelschule, um über Praktika junge Leute für einen Beruf in der Pflege zu interessieren.

Im Haus gab es nur wenige Corona-Fälle

Die Corona-Pandemie hat derzeit kaum Auswirkungen auf das Leben in der Einrichtung. „Natürlich halten auch wir uns an die Hygienebestimmungen, machen alles, um die Bewohner zu schützen. Aber es hat nur wenige Corona-Fälle gegeben. Entsprechende Quarantänen in einzelnen Wohnbereichen wurden konsequent durchgeführt“, berichtet Daniela Gnauck und lobt die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Bautzen.

Eine große Belastung seien aber für Bewohner wie Angehörige die Zeiten gewesen, in denen Pflegeheime für Besucher ganz geschlossen werden mussten - auch das Elstraer. Zweimal, im Herbst 2020 und Anfang 2021, war das der Fall. Mit Videotelefonie und Winken am Fenster hat man sich geholfen, diese Zeit zu überbrücken. Dafür wurde auch extra Technik angeschafft. Den Bewohnern sei diese Praxis nur schwer zu vermitteln gewesen, aber ein großer Teil der Angehörigen habe Verständnis für die Maßnahmen gezeigt. „Besonderer Dank gilt meinen Mitarbeitern für den unermüdlichen Einsatz in den letzten Monaten“, so die Leiterin.

Es gibt weiterhin eine Warteliste

Seit Kurzem wird für Sachsen vermeldet, dass es wieder freie Pflegeheimplätze gibt. So haben viele Angehörigen in der Pandemie das Vertrauen in entsprechende Einrichtungen verloren. Die Nachfrage nach stationärer Versorgung von Senioren hat nachgelassen. Gab es bisher in fast allen Einrichtungen Wartelisten, sind diese jetzt kleiner geworden. Diese Entwicklung kann Daniela Gnauck für das Seniorenzentrum Elstra nicht bestätigen. „Alle Plätze sind belegt, auch besteht weiter die Warteliste“, sagt sie. Man habe keinen Rücklauf bei den Anmeldungen gemerkt.

Inzwischen ist das fahrende Volk weitergezogen. Aber es war schon einmal ein Vorgeschmack auf die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum des Pflegezentrums Elstra, die noch in diesem Monat über die Bühne gehen.

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