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Vorsicht mit Pilzen vom Militärgelände

Fachmann Siegfried Holstein rät vom Sammeln in der Königsbrücker Heide ab. Nicht nur, weil es ohnehin verboten ist.

Dr. Siegfried Holstein aus Königsbrück berät im Auftrag des Landkreises Pilzsammler. Immer wieder warnt er vor gefährlichen Verwechslungen.
Dr. Siegfried Holstein aus Königsbrück berät im Auftrag des Landkreises Pilzsammler. Immer wieder warnt er vor gefährlichen Verwechslungen. © Matthias Schumann

Königsbrück. Der Königsbrücker Dr. Siegfried Holstein ist Pilzfachmann und offizieller Pilzberater im Landkreis Bautzen. Die Schwämme haben es dem 79-Jährigen seit der Kindheit angetan. Damals Mitte der 1940er-Jahre, als die Not groß war, ging er mit seiner Mutter oft in die Pilze. „Der Pilz ist das Brot des Waldes“, habe die Mutter immer gesagt. Als Pilzberater ist der Königsbrücker seit 1967 aktiv und selbst Prüfer für angehende Berater.

Pilze liebt Dr. Siegfried Holstein bis heute auch ohne Notzeiten und teilt die Leidenschaft mit vielen. Und die suchen oft seinen Rat - bis zu 300 Mal im Jahr. Sächsische.de sprach mit ihm über gefährliche Verwechslungen, das Pilzesammeln in der Königsbrücker Heide und darüber, warum eine Beratung per Internet nicht möglich ist.

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Haben bei Ihnen in diesem Sommer schon Pilzfreunde Rat gesucht?

Ja, natürlich. Es gibt ja kaum noch Pilzberater, die Leute kommen nicht nur aus dem Kamenzer Raum, sondern bis aus Hoyerswerda und Dresden. Gerade erst stand ein Mann vor der Tür. Der Safranrötende Schirmling war seiner Schwiegertochter zum Verhängnis geworden. Sie musste mit Magen-Darm-Beschwerden ins Krankenhaus. Dieser Schirmling ist etwas kleiner als der Parasolpilz, er wird an der Schnittstelle dunkelrot. Es ist Vorsicht geboten, gerade wenn dieser Pilz vom Komposthaufen geerntet wird.

In letzter Zeit wurde auch darüber gesprochen, dass man Pilze aus der Königsbrücker Heide nicht essen sollte, weil der Boden durch die langjährige militärische Nutzung belastet ist. Wie schätzen Sie als Arzt und Pilzfachmann die Gefahren ein?

Erst einmal ist das Pilzesammeln im Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide ja grundsätzlich verboten. Das kann teuer werden...

Mancher tut es vielleicht trotzdem…

Man kann schon sagen, dass der Boden verseucht ist. Und es gibt natürlich auch Randgebiete, wo das Sammeln erlaubt ist. Die unmittelbare Nähe zum ehemaligen Militärgelände sollte man aber meiden. Die Pilze nehmen die Schwermetalle aus dem Boden auf, das ist richtig. Diese Schwermetalle lagern sich in den menschlichen Knochen ein und können zu Vergiftungen führen. Nervenerkrankungen können zum Beispiel eine Folge sein. Man sollte in diesem Gebiet nicht sammeln.

Ist in dieser Pilzsaison noch mehr zu beachten?

So richtig losgegangen ist es ja erst vor zwei, drei Wochen mit einer Schwemme bei den Röhrlingen. Ohne Regen wird es aber wieder nachlassen. Oft haben die Pilzsammler in diesem Jahr Champignons bei mir vorgestellt. Es gibt 20 unterschiedliche Arten. Dabei sind drei giftige. Davon waren jedes Mal welche in den Körben dabei. Ich rate hier wirklich zur Vorsicht. Wenn der Pilz nach Karbol riecht und die Schnittstelle gelb wird, dann ist es zum Beispiel eine giftige Variante. Es gab in diesem Jahr bereits viele Vergiftungsfälle. Deutliche Zeichen sind heftige Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen. Eine akute Behandlung in der Notaufnahme ist dann unabdingbar.

Ist die Beratung bei Ihnen nur persönlich möglich, oder geht es heutzutage auch über das Internet per Foto oder Video?

Nein. Denn das gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Ich kann einen Pilz nicht sicher beurteilen, sondern nur mit hoher Wahrscheinlichkeit. So kann ich einen Pilz nicht freigeben. Das geht nur per Augenschein. Es sind sogar schon Leute mit dem Topf und dem Pilzgericht zu mir gekommen, weil sie unsicher geworden sind. Aber das funktioniert nicht. Ich brauche den kompletten Pilz für eine  sichere Bestimmung. 

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