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Kamenz: Was wird aus dem Schweitzerhaus?

Das Gymnasiums-Gebäude wird bald durch einen neuen Campus abgelöst. Die Zukunft schien geklärt. Nun kommen Zweifel auf.

Noch lernen hier die Kamenzer Gymnasiasten nahe dem Flugplatz. Doch sie sollen in zwei Jahren in die Näher der Innenstadt umziehen.
Noch lernen hier die Kamenzer Gymnasiasten nahe dem Flugplatz. Doch sie sollen in zwei Jahren in die Näher der Innenstadt umziehen. © René Plaul

Kamenz. Noch lernen Schüler im Schweitzerhaus - dem sanierten Plattenbau an der Macherstraße in Kamenz. Doch die Tage als Teil des Gymnasiums sind gezählt. Denn der Erweiterungsneubau am Lessinghaus in der Henselstraße wächst. Dort soll die höhere Schulbildung künftig konzentriert werden, 2022 ist Einzug. 

Um diese Lösung wurde lange gerungen, zum Paket gehörte auch eine Idee für die Zukunft des Plattenbaus. Der wird dann nicht mehr als Schule gebraucht und soll eine andere Perspektive erhalten. Doch das Konzept scheint nicht so aufzugehen.

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Einer, der sich stark in der Kamenzer Schulfrage engagierte, war der CDU-Landtagsabgeordnete Aloysius Mikwauschk. Eine wichtige Voraussetzung für den Umzug des Gymnasiums an die Henselstraße sei eine sichere Nachnutzung des Plattenbaus gewesen, sagt er. Denn niemand will  einen ungenutzten Schulbau. Hier wurde schließlich einiges investiert.  Auch der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz stellt klar, dass der vereinbarte Plan fürs Schweitzerhaus wichtiger Bestandteil des Stadtumbaus in Kamenz sei.

Intensive Gespräche mit Staatsregierung

Er selbst, so Mikwauschk, habe nach intensiven Gesprächen mit der Staatsregierung  die schriftliche Vereinbarung zwischen dem Kreis als Eigentümer der Immobilie und dem Freistaat erreichen können. Dem sei sogar eine Betrachtung vorausgegangen, wie es mit der Wirtschaftlichkeit aussieht Landeseinrichtungen dort unterzubringen. Die muss wohl positiv ausgefallen sein. Damit sei der Weg für den Umzug des Gymnasiums in die Innenstadt frei gewesen.

Was war abgesprochen? Der Freistaat hatte sich verpflichtet, das Gebäude zu kaufen. Etwa drei Millionen Euro waren mal im Gespräch. Der Kreis bestätigt, dass es sogar einen Vertrag gebe: Darin sichert der Freistaat die Übernahme des Gebäudes zu. Alles andere sei Sache des Freistaats. Der hatte seine Pläne beschrieben und damals angekündigt, er wolle den Bau für den „Sächsischen Staatsbetrieb für Informatik Dienste (SID)“ nutzen und für die Lehrerbildung.

Der SID hat bereits eine Niederlassung in Kamenz auf dem Garnisonsplatz mit um die 100 IT-Fachleuten. Für Unruhe sorgte jetzt eine Mitteilung des Informatik-Dienstes im Internet, die auch dem Stadtrat Alex Theile (Linke) aufgefallen war. So ziehe der SID tatsächlich um, nur nicht nach Kamenz, um die Behörde hier zu konzentrieren, sondern nach Radebeul. Da schrillen die Alarmglocken beim Stadtrat. Es befeuert Sorgen um die Zukunft des Gebäudes in Kamenz.

In den Sitz des Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste in Kamenz will der Freistatt weiter investieren. Die Fachleute kümmern sich darum, dass die Hard- und Software bei den Bedienstete in den freistaatlichen Institutionen zuverlässig läuft.
In den Sitz des Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste in Kamenz will der Freistatt weiter investieren. Die Fachleute kümmern sich darum, dass die Hard- und Software bei den Bedienstete in den freistaatlichen Institutionen zuverlässig läuft. © René Plaul

Der sächsische Regierungssprecher Ralph Schreiber wartet nun mit schlechten, aber auch guten Nachrichten auf. Die SID-Variante fürs Gymnasium ist vom Tisch ist. Davon abgesehen habe die Staatsregierung Kamenz zum Hauptsitz des Dienstes erklärt. Einen weiteren Standort werde der SID aber auch noch in Radebeul unterhalten. Beide Standorte sollen ausgebaut werden. Es werde eine Doppelstandortstrategie verfolgt, um „attraktive Optionen für die Gewinnung und Bindung von IT-Fachkräften zu bieten“. Der Freistaat bekundete, den ländlichen Raum wie Kamenz stärken zu wollen. Aber offenbar ist es nicht so leicht die Fachkräfte dorthin zu locken.

„Die personelle Stärkung des SID ist ein Schwerpunkt der derzeit laufenden Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2021/2022“, versichert Schreiber. In Kamenz auf dem Garnisonsplatz 10 laufe der Ausbau planmäßig. In den vergangenen Jahren seien Summen im Umfang eines mittleren einstelligen Millionenbetrages für die Modernisierung der Bausubstanz und ein Rechenzentrums investiert worden. „Weitere Investitionen in ähnlichem Umfang sind für die nächsten Jahre geplant“, kündigt der Regierungssprecher an.

Für den zu erwartenden Personalzuwachs werde nach einer „geeigneten Unterbringung in der Nähe des bestehenden Standortes gesucht“.  Die Zukunft des Gymnasiums liege in der Hand des Finanzministeriums, so Schreiber. Auf dem ruhen nun die Erwartungen. Zum Vertrag ansich äußert sich Sprecherin Sandra Jäschke nicht, lässt aber wissen: „Zur Unterbringung staatlicher Behörden am Standort Kamenz sind die Gespräche noch nicht abgeschlossen. Diesen Ergebnissen kann ich nicht vorgreifen.“

Freistaat muss zu Vertrag stehen

Insider sind sich unterdessen sicher, dass auch die Lehrerbildungseinrichtungen schon allein das Gebäude gut auslasten würden. In Kamenz, so der Gedanke, könnte mit dem Sächsischen Bildungsinstitut aus Radebeul und dem Fortbildungs- und Tagungszentrum, derzeit in einem Schloss im Meißner Ortsteil Siebeneichen, die Lehrerbildung konzentriert werden. Allerdings zeichnete sich gleich nach Bekanntwerden der Idee im Meißner Raum, kein Beifall dafür ab.

Aus Sicht des Landtagsabgeordneten Mikwauschk habe der Freistaat die Entscheidung für den Standort Kamenz bewusst getroffen, staatliche Behörden außerhalb von Dresden unterzubringen und damit den ländlichen Raum zu stärken. Er kenne keinen neuen Sachstand, der die getroffene Vereinbarung in Frage stellt. Von Seiten der Staatsregierung sei ihm das bestätigt worden. In der aktuellen Debatte für den kommenden Etat 2021/22 werde dafür auch die Voraussetzungen getroffen, könne er als Mitglied versichern. Für den Abgeordneten sei es eine Selbstverständlichkeit, dass der Freistaat seine Zusage erfüllt. Das Wie sei letztlich untergeordnet.

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