merken
PLUS Kamenz

Elstra saniert Herrenhaus in Prietitz

Der Schlossverein bemüht sich schon seit Jahren um den Erhalt des historischen Gebäudes. Jetzt investiert die Stadt.

Im Prietitzer Herrenhaus besteht dringender Sanierungsbedarf. Jetzt gab es den offiziellen Start für die Sanierung des Erdgeschosses.
Im Prietitzer Herrenhaus besteht dringender Sanierungsbedarf. Jetzt gab es den offiziellen Start für die Sanierung des Erdgeschosses. © Archivfoto: Matthias Schumann

Elstra. Das Herrenhaus in Prietitz bei Elstra ist bereits eine Baustelle: Der Fußboden ist herausgerissen, Querbalken liegen auf der Erde. Das Haus ist im Erdgeschoss entkernt, nackte Wände, hier und da liegen Steine. So sah es jetzt in dem historischen Gebäude aus, als die Stadt Elstra zum offiziellen Startschuss für die Sanierung eingeladen hatte.  

Das Herrenhaus - auch Schloss genannt - im Park von Prietitz ist ein historisches Kleinod. Wie alte Quellen besagen, wurde es um 1770 aus einem früheren Renaissance-Haus umgebaut. Hieronymus Friedrich von Stammer, Landvogt des Markgrafentums Oberlausitz, lebte dort mit seiner Familie. Stammer war maßgeblich dafür verantwortlich, dass mit der Oberlausitzer Schulordnung eine der modernsten Bildungsformen der damaligen Zeit entstand. Dazu gehörte auch die Einführung der Schulpflicht.  

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Zu DDR-Zeiten nur einmal renoviert

Nach 1945 gab es für das Herrenhaus die unterschiedlichsten Verwendungen. So zog die Gemeindeverwaltung ein, es wurden zwei Schulklassen eingerichtet, später kamen Bibliothek, Kindergarten und Schulhort sowie Wohnungen hinzu. Das Gebäude diente auch als Wahllokal. Zu DDR-Zeiten wurde einmal renoviert - und zwar im Jahr 1962. 

Nach der Wende blieb das Haus Eigentum der Gemeinde, und mit der Eingemeindung von Prietitz zu Elstra wurde vertraglich geregelt, dass das Gebäude im öffentlichen Besitz bleibt. "Diesen Vertrag erfüllen wir, auch wenn es eine freiwillige Aufgabe der Stadt ist und viel Geld kostet", erklärt der Elstraer Bürgermeister Frank Wachholz (Runder Tisch).

Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (r.) lässt sich von der Elstraer Bauamtsleiterin Helen Mc Tiernan die geplanten Sanierungsarbeiten am Prietitzer Herrenhaus erklären.
Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (r.) lässt sich von der Elstraer Bauamtsleiterin Helen Mc Tiernan die geplanten Sanierungsarbeiten am Prietitzer Herrenhaus erklären. © René Plaul

Und so ist der aktuelle Schritt nur folgerichtig. Nachdem das Herrenhaus in den vergangenen Jahren vor allem vom Schlossverein und dem Jugendclub genutzt wurde, soll das Erdgeschoss in den nächsten Monaten umfassend saniert werden. Zwar hatten Verein und Jugendclub in der Vergangenheit weder Zeit noch ehrenamtliches Engagement gescheut, damit das Herrenhaus der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, doch eine grundlegende Sanierung ist nur mit einem hohen finanziellen Aufwand und entsprechender Fachkompetenz möglich. 

Bereits vor zwölf Jahren, als der Förderverein gegründet wurde, gab es erste Ideen für die Schloss-Sanierung. "Vor zehn Jahren begannen die Vorbereitungen. Es ging darum, ein Nutzungskonzept für das Haus zu erstellen", erklärt Vereinsvorsitzender Frank Göpfert. Den Vereinsmitgliedern und vielen anderen Prietitzern ging es vor allem darum, das Herrenhaus für Veranstaltungen zu nutzen und auch anderen Vereinen dort  die Möglichkeit für Aktivitäten zu bieten. "Wir haben in den vergangenen Jahren schon eine Menge geschafft, doch jetzt bin ich froh, dass die Sanierung endlich losgeht", so Frank Göpfert.

Jugendclub hat mit angepackt

Genauso froh sind die jungen Leute vom Jugendclub, der seit 1995 im Schloss sein Domizil hat. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen nutzen die Räume aber nicht nur für sich selbst, sondern sie beteiligen sich auch an vielen anderen Veranstaltungen oder organisieren selbst welche. Ein besonderer Höhepunkt ist zum Beispiel das jährliche Kindercamp.

In den vergangenen Wochen haben die jungen Leute - unterstützt von Kameraden der Prietitzer Feuerwehr - bei der Entkernung des Herrenhauses mit angepackt. Jetzt sind sie erst einmal ohne Domizil. "Umso mehr fiebern wir der Fertigstellung des Baus entgegen. Dann verbessern sich auch für uns die Bedingungen", sagt Jugendclub-Chef Leon Kramer.

Freuen sich über den Start der Sanierung im Herrenhaus Prieitz: der Chef des Fördervereines Frank-Hermann Göpfert (l.) sowie Leon Kramer und Céline Hohlefeld vom Jugendclub. Die Dinge, die sie zeigen, kommen in eine Schatulle im Fußboden.
Freuen sich über den Start der Sanierung im Herrenhaus Prieitz: der Chef des Fördervereines Frank-Hermann Göpfert (l.) sowie Leon Kramer und Céline Hohlefeld vom Jugendclub. Die Dinge, die sie zeigen, kommen in eine Schatulle im Fußboden. © René Plaul

In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz und einem Restaurator wurde das Sanierungskonzept festgelegt. "Als im August der Fußboden freigelegt wurde, haben wir erst einmal gesehen, was noch alles zu machen ist", so die Elstraer Bauamtsleiterin Helen Mc Tiernan.  Geplant sind die Sanierung der Elektro-, Heizungs- und Sanitäranlagen im gesamten Erdgeschoss. Das schließt einen komplett neuen Fußbodenaufbau mit ein. 

Die Baumaßnahme kostet insgesamt rund 363.000 Euro. Ein großer Teil davon kommt über Fördermittel der Leader-Region Westlausitz. Über einen Bescheid in Höhe von rund 265.000 Euro konnte sich die Stadt im Mai dieses Jahres freuen. Den Rest, rund 100.000 Euro, steuert die Kommune bei. 

Minister lobt das Engagement der Prietitzer

Zum offiziellen Sanierungsstart Ende vergangener Woche hatten sich die Prietitzer den sächsischen Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) eingeladen. Dieser zeigte sich erstaunt, mit wie viel Engagement vor allem auch die jungen Leute die Sache angehen. Und er lobte die Arbeit des Schlossvereins. "Ich freue mich, wenn ich zur Einweihung dabei sein kann, um dann das Ergebnis der Sanierung zu sehen", so der Minister. 

Während der Arbeiten wird eine metallene Schatulle mit einer Urkunde über den Sanierungsstart, aktuelles Geld, die Sächsische Zeitung und eine Corona-Maske mit in den Fußboden verbaut. So erfahren Nachfahren vielleicht einmal, was am Prietitzer Herrenhaus im September 2020 geschehen ist.        

Mit dem kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz