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Pulsnitz: Backofenbauer investiert Millionen

Mehr Aufträge, mehr Kunden: Die Firma Wachtel wächst trotz Corona - und denkt dabei auch an die Mitarbeiter.

Der Pulsnitzer Niederlassungsleiter Dietmar Redlich im Gespräch mit Dominik Engert vor einer der neuen Maschinen.
Der Pulsnitzer Niederlassungsleiter Dietmar Redlich im Gespräch mit Dominik Engert vor einer der neuen Maschinen. © Steffen Unger

Pulsnitz. Sie fallen ins Auge, die neuen Maschinen in der Produktionshalle der Firma Wachtel in Pulsnitz. Groß, modern und auf technisch höchstem Niveau. Mehr als 500.000 Euro kostet solch eine Maschine. Der Backofenhersteller investiert in die Zukunft, und dafür gibt es gleich mehrere Gründe. "Wir haben im vergangenen halben Jahr rund 2,5 Millionen Euro in die Hand genommen, um die Bedingungen am Standort Pulsnitz zu verbessern", erklärt der Inhaber und Vorsitzende der Geschäftsleitung Oliver Frey.

Der größte Teil des Geldes floss in die Maschinen, aber auch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter sollen sich verbessern. "Wir sind ein Familienunternehmen, und so sollen sich die Beschäftigten auch wie in einer großen Familie fühlen", nennt Oliver Frey die Motivationsgründe. So werden derzeit der Sanitärbereich und die Büroräume auf Vordermann gebracht. Neben der täglichen Produktion arbeiten jetzt Handwerker in den Gebäuden an der Bischofswerdaer Straße. 

Stars im Strampler aus Kamenz
Stars im Strampler aus Kamenz

Auch in der letzten Woche sind Babys auf die Welt gekommen, die im Landkreis Kamenz zu Hause sind.

Seit 1923 gibt es die Firma Wachtel, gegründet am Mutterstandort in Hilden bei Düsseldorf. Das Unternehmen mit insgesamt etwa 300 Beschäftigen ist ein Familienbetrieb in dritter Generation. Den Standort in Pulsnitz gibt es seit 1991. Im nächsten Jahr kann also das 30-jährige Jubiläum gefeiert werden. Einer der ersten in Pulsnitz war der heutige Standortleiter Dietmar Redlich. Er hat die Entwicklung des Betriebes über all die Jahre mit begleitet und ist sichtlich stolz, wie gut sich Pulsnitz entwickelt hat. 

Er hat alles im Blick: Oliver Frey, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Firma Wachtel in Pulsnitz.
Er hat alles im Blick: Oliver Frey, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Firma Wachtel in Pulsnitz. © Steffen Unger

Der Mann aus Kamenz blickt schon in Richtung Ruhestand, und arbeitet bereits mit der Geschäftsleitung daran, dass ein bestehendes Team aus jüngeren Kollegen aus dem eigenen Haus seinen Job weiterführt. "Es ist uns wichtig, dass eigene Beschäftigte Aufstiegschancen erhalten", erklärt Dietmar Redlich. 65 Leute sind derzeit bei Wachtel in Pulsnitz beschäftigt, darunter zahlreiche junge Leute. Auch fünf Lehrlinge werden ausgebildet. Die Mitarbeiter kommen aus der gesamten Region, sind gelernte Mechatroniker oder Konstrukteure. Aber auch Ungelernte haben eine Chance. "Wichtig ist, dass sie sich für die Arbeit interessieren und Engagement zeigen", sagt Dietmar Redlich.

Arbeit, um noch mehr Mitarbeiter einstellen zu können, gibt es genügend. "Wir sind trotz Corona deutschlandweit gewachsen", erklärt Oliver Frey. Die Zahl der Kunden und damit der Aufträge ist gestiegen. Er schätzt, dass etwa zehn Prozent mehr Aufträge hinzugekommen sind. Das Gesamtunternehmen - mit dem Düsseldorfer Standort - macht im Jahr einen Umsatz von über 30 Millionen Euro. Etwa 1.000 bis 2.000 Backöfen verlassen jährlich den Betrieb. Auch der Pulsnitzer Standort hat seinen Anteil daran.

Fünf unterschiedliche Modelle werden angeboten, einige auch speziell nach Kundenwunsch gefertigt. Die Kunden sind vor allem Handwerksbetriebe, keine Discounter. Die Bäckereien bekommen die Öfen geliefert, montiert, und auch die Wartung und Reparatur übernimmt die Firma Wachtel mit eigenen Leuten. Es gibt einen 24-h-Service, der bei Problemen sofort für Hilfe sorgt. 

In den Standort Pulsnitz der Firma Wachtel wurden jetzt rund 2,5 Millionen Euro investiert.
In den Standort Pulsnitz der Firma Wachtel wurden jetzt rund 2,5 Millionen Euro investiert. © Steffen Unger

Zwei Drittel der Kunden kommen aus ganz Deutschland, etwa ein Drittel aus dem europäischen Ausland. Öfen aus Pulsnitz gehen häufig in die osteuropäischen Länder, in Länder, in denen sehr viel Brotwaren konsumiert werden. Oliver Frey nennt an dieser Stelle Russland, Polen und Tschechien. Wie groß die jeweiligen Bäckereien sind, spielt dabei keine Rolle. "Es können kleine Handwerksbetriebe mit fünf Beschäftigten aber auch Bäckereien mit bis zu 2.000 Leuten sein", erklärt der Geschäftsführer.

Im Landkreis Bautzen hat das Unternehmen etwa 35 Kunden, Betriebe, die wiederum auch Filialen haben. Zehn Beschäftigte des Unternehmens sind allein in Ostdeutschland im Bereich des Kundendienstes unterwegs. So soll gewährleistet werden, dass bei einem Problem immer schnell reagiert werden kann. 

Die bestehenden drei Produktionshallen, Aufenthalts- und Sanitärräume wurden und werden derzeit erneuert. Die aktuelle Auftragslage gibt eine Erweiterung auch am Standort Pulsnitz her. Doch das ist Zukunftsmusik. "Jetzt wurde erst einmal in die bereits bestehende Produktion investiert, dann kommt das Jubiläum, und dann werden wir weitersehen", blickt Oliver Frey optimistisch in die Zukunft. 

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