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Kameradschaft hält dicht

Was genau passiert ist, als eine Bürgerwehr am Stadtfest gezielt Ausländer angegriffen haben soll, bleibt weiter unklar. Erste Zeugen waren keine große Hilfe.

© Archivbild: dpa

Von Alexander Schneider

Die gesunde Drittelstunde

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Dresden. Robert H. (31) steht seit Mitte Mai unter anderem wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Dresden. Er wurde Ende 2016 zusammen mit mehreren mutmaßlichen Mitgliedern der Freien Kameradschaft Dresden (FKD) verhaftet – die rechtsextreme Gruppe soll mehrfach gewalttätig Asylbewerber, deren Unterkünfte und Andersdenkende attackiert haben. Die letzte Tat war laut Anklage ein Angriff als „Bürgerwehr“ beim Stadtfest – rund 20 Männer sollen „Jagd auf Flüchtlinge“ gemacht haben.

Dieser Angriff stand am Montag im Mittelpunkt des Prozesses. Robert H. hat sich dazu nicht geäußert, was sein Recht ist. Das Schöffengericht befragte also einige mutmaßliche Mittäter. Doch die Männer, darunter Robert S. (19), René H. (30) und Stanley B. (20), schwiegen ebenfalls. Da auch sie in dieser Sache verfolgt werden, genießen sie ein Auskunftverweigerungsrecht – die Generalstaatsanwaltschaft hat erst vor wenigen Tagen zwei Anklagen gegen acht mutmaßliche FKD-Mitglieder wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung am Landgericht Dresden erhoben.

„Einfach auf die Kanaken drauf“

Nick F. (25), auch ein Mitbeschuldigter, sagte überraschend aus. Der Staatsanwalt konfrontierte ihn mit Kurznachrichten und anderer Kommunikation dieser Nacht. So habe ein Mitbeschuldigter geschrieben, sie seien zu acht losgelaufen, dann hätten immer mehr Leute mitgemacht und man sei „einfach auf die erste Gruppe von den Kanaken drauf“, wie es hieß. „Die Hölle“ sei los gewesen, man habe „mit 40 Leuten Kanaken weggeklatscht“. Es soll am Tag zuvor sogar ein Vorbereitungstreffen gegeben haben. Die Richterin sagte, diese Kommunikation lege den Schluss nahe, F. sei dabei gewesen. F. stritt das ab, er sei in der Nacht in einem Treff in der Reisstraße gewesen.

Zwei Stadtfestbesucher sagten als Zeugen, sie hätten am Elbufer gesessen, als etwa zehn Männer in einer Reihe aufmarschierten. Plötzlich habe einer „hier sind welche!“ geschrien, und die Männer griffen eine Gruppe Ausländer an. Dann sei ein Security-Mann aufgetaucht, der einen Angreifer gepackt habe. Zur Überraschung der Zeugen habe er den Täter laufen lassen. Sie sollten gehen, ehe die Polizei kommt, habe der Wachmann ihm geraten.

Dieser Wachmann war Andreas Z. (35), der nächste Zeuge. Der Hüne trug eine Bermuda-Hose, auf der groß „Thor Steinar“ stand, eine bei Rechtsextremen beliebte Modemarke. Der Mann unterhielt sich vor dem Saal recht vertraut mit FKD-Leuten. Im Gericht sagte der Zeuge, er sei als Erster vor Ort gewesen, als die Schlägerei schon lief. Er habe sich einen gegriffen, der einen Mann am Boden mehrfach gegen den Kopf getreten hatte und den er für einen Rädelsführer hielt. Da er allein gewesen sei, habe er ihm gesagt, er wolle sie nicht aufhalten: „Ich sagte: ,Macht, dass ihr wegkommt, ihr werdet von der Brücke gefilmt‘, obwohl das nicht stimmte.“ Der Angreifer habe geantwortet: „Sei doch froh, dass wir uns darum kümmern!“ Dann habe er Polizei und Notarzt alarmiert, sagte Z. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.