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Kampf gegen die Funklöcher

An der Grenze ist der Handyempfang schlechter. Wie geht man im Westen, Süden und Norden der Republik damit um?

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© dpa

Von Anja Beutler

Ostritz’ Bürgermeisterin Marion Prange hätte diese Löcher gern endlich gestopft: die Funklöcher, die sich in ihrer Gemeinde immer wieder auftun. Viel Hoffnung machen ihr die Experten auf Nachfrage meist nicht, erklärt sie, denn die Grenznähe verbiete, dass auf deutscher Seite mit normaler Stärke Mobilfunkwellen ausgestrahlt werden. Für die betroffenen Bürgermeister ist das eine Krux – sowohl im Alltag als auch bei touristischen Projekten. Deshalb fragt sich Marion Prange (parteilos): „Wie ist das denn in den anderen Grenzregionen geregelt – vielleicht gibt es da ja eine Lösung für unsere Probleme?“ Hier nun eine Analyse der Lage und ein Blick in die sogenannten Zipfelstädte – die jeweils westlichsten, nördlichsten und südlichsten Punkte der Republik:

Ausgangssituation: So ist die Lage im östlichsten Gebiet Deutschlands

Benedikt Albers von der Firma Deutsche Funkturm GmbH erklärte jüngst den Zusammenhang mit einem neuen Funkturm, der im Schönau-Berzdorfer Ortsteil Kiesdorf gerade neu errichtet wurde. Die Bestimmungen für Grenzregionen bremsen eine stärkere Leistung oder andere, neue Funktürme näher an der Grenze aus. „Der Turm in Kiesdorf strahlt statt in drei nur in zwei Richtungen ab – wegen der Grenzlage fehlt die Sektorenantenne Richtung Osten“, erklärt Albers. Damit soll verhindert werden, dass deutsche Anbieter zu stark ins Nachbarland strahlen, wo die Frequenzbänder an ganz andere Anbieter vergeben sind. Unmöglich ist es auch, einen Masten direkt in Grenznähe zu stellen und nur Richtung Deutschland ausstrahlen zu lassen. „Das ist nicht gestattet, denn die Antennen strahlen immer auch ein bisschen nach hinten“, sagt Albers. Grenzregionen, so fasst der Unternehmenssprecher zusammen, sind beim Mobilfunk nie so gut ausgeleuchtet wie andere Regionen. Die Bundesnetzagentur bestätigt auf SZ-Nachfrage, dass es generelle Festlegungen gibt, welche Frequenzen für den Mobilfunk freigegeben sind. Nach Angaben des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ist das Frequenzspektrum bei zwei aneinander grenzenden Ländern jeweils auf 50 Prozent aufgeteilt, in einem Dreiländereck gedrittelt und bei vier Ländergrenzen – wie auf der Ostseeinsel Rügen – erhält jedes Land ein 25-prozentiges Frequenzspektrum. In Europa haben sich die meisten Länder einem Abkommen angeschlossen, das all dies regelt. Welche Grenzwerte bei der Signalstärke dann ganz konkret gelten, verhandeln die Netzbetreiber dann aber im Einzelfall direkt miteinander aus, erklärt der Sprecher der Bundesnetzagentur, Michael Reifenberg. Mit Blick auf die Nachbarstaaten Deutschlands gebe es aber keine Unterschiede, die Problematik ist überall dieselbe.

Oberstdorf im Süden: Hier stören höchstens die Berge den Empfang

Christine Uebelhör, Pressesprecherin des Marktes Oberstdorf, lacht bei der Frage erst einmal laut: „Nein, wegen der Grenzlage oder wegen Sendebeschränkungen haben wir hier kein Funkloch bei der Handynutzung“, betont sie. Oberstdorf, westlich von Garmisch-Partenkirchen gelegen, ragt wie ein Zipfel in österreichisches Staatsgebiet hinein. Natürlich sei man da auch einmal schnell im österreichischen Netz, betont die Sprecherin, deren Tochter selbst im Nachbarland wohnt. Das mache aber seit der Abschaffung der Roaming-Gebühren vor einem reichlichen Jahr in der EU für die Bewohner von Oberstdorf keine Probleme mehr, weil sie seitdem ja keine zusätzlichen Kosten mehr haben. Einschränkungen bei der Erreichbarkeit gebe es höchstens wegen der Berge, sonst sei das aber kein Thema hier in Oberstdorf, sagt Christine Uebelhör.

Selfkant im Westen: Probleme sind abgeflaut, niederländisches Netz stark

Matthias Jung ist der EDV-Experte der Gemeinde Selfkant und hat damit einen recht guten Überblick, wie es mit dem Empfang an der niederländischen Grenze bestellt ist. „Wir hatten früher einmal stärkere Probleme, inzwischen ist die Region mobilfunktechnisch aber recht gut ausgeleuchtet“, bilanziert er. Sicherlich spiele dabei noch eine Rolle, in welchem Netz man unterwegs sei, aber über große Funklöcher gebe es keine Klagen, erklärt er. Seit dem Wegfall der Roaming-Gebühren sei es auch für die Bewohner der Region weniger ein Problem, dann wechseln sie eben ins niederländische Netz. „Das niederländische Netz ist sehr oft stärker bei uns in der Gemeinde“, schildert Jung. Dadurch fällt der Nutzer dann aber auch in kein Funkloch.

List auf Sylt im Norden: Extra Masten für guten Empfang am Strand

Dass man in List auf der Insel Sylt mit seinem Handy im dänischen Netz landen kann, ist keine Seltenheit. Aber richtige Funklöcher habe man hier vor Ort eigentlich nicht, resümiert Bernd Neumann vom Amt Landschaft Sylt. Neumann befasst sich hier direkt mit der Breitbandversorgung und hat somit auch die Frage nach dem schnellen Internet am Strand im Blick. Das sei nicht immer gegeben und so habe man sich für kleine, lokale Lösungen entschieden. Gemeinsam mit den Funkanbietern errichte man kleinere Masten von der Größe von Fahnenmasten und versorge den Strand und die Urlauber so mit LTE und Wlan. Eine Sache, bei der die Anbieter bei ausreichender Abnehmerzahl gern mitziehen. „Am Ende ist das eine Kostenfrage, aber solche kleinen Lösungen funktionieren auch mit Blick auf die internationalen Verträge“, sagt Neumann.