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Kampf um das Sachsenbad geht weiter

Seit 20 Jahren steht das Baudenkmal leer und verfällt. Dabei wird ein weiteres Bad in Dresden dringend gebraucht.

© Christian Juppe

Von Kathrin Kupka-Hahn

Die Diskussion um das Sachsenbad ist neu entfacht. Ausgelöst hat sie Baubürgermeister Jörn Marx (CDU), der in einer Bürgerversammlung Ende September erklärte, dass die Stadtverwaltung keine weiteren Pläne für das Bad entwickelt habe. „Es gab schließlich auch keinen politischen Auftrag dazu“, begründete er. Für die Pieschener ist das ein Unding.

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Zugesperrt und ausgetrocknet – so kann es mit dem Sachsenbad nicht weitergehen, finden Kati Bischoffberger, Christian Helms und Dorothea Becker (v. l.). Sie setzen sich für den Wiederaufbau ein.
Zugesperrt und ausgetrocknet – so kann es mit dem Sachsenbad nicht weitergehen, finden Kati Bischoffberger, Christian Helms und Dorothea Becker (v. l.). Sie setzen sich für den Wiederaufbau ein. © André Wirsig
Diese historische Postkarte zeigt das Sachsenbad kurz nach der Eröffnung um 1930.
Diese historische Postkarte zeigt das Sachsenbad kurz nach der Eröffnung um 1930. © Sammlung Holger Naumann

„Das Sachsenbad hat eine echte Chance verdient“, sagt der Architekt Christian Helms. Der 68-Jährige, der jetzt für die Grünen im Pieschener Ortsbeirat sitzt, hält den Wiederaufbau des Bades für sinnvoll und wichtig. Auch Dorothea Becker von der Bürgerinitiative „Endlich Wasser fürs Sachsenbad“ und die Pieschener Stadträtin Kati Bischoffberger (Grüne) unterstützen das.

Sie wollen, dass das Baudenkmal nicht weiter verfällt. Denn inzwischen ist das einst sehr beliebte Stadtbad seit 20 Jahren geschlossen. Zwar kann sich Dorothea Becker auch eine andere Nutzung vorstellen, wie etwa als Kulturzentrum. „Aber wäre es angemessen, hier ein Theater zu errichten?“, fragt sie. Schließlich würde die Stadt bereits ausreichend Geld unter anderem in das Kulturkraftwerk und den Kulturpalast investieren. Auch Wohnungen könnten theoretisch im Sachsenbad entstehen.

Jedoch wäre ein Umbau mit einem enormen Mehraufwand verbunden. Schließlich muss die äußere Hülle des Hauses erhalten bleiben. Außerdem dürfe laut Becker die Bedeutung des Sachsenbades als öffentlich nutzbares Gebäude nicht verloren gehen. „Was wir hier brauchen, ist etwas für die Gesundheit“, sagt die Architektin, die seit vielen Jahren schon im Stadtteil lebt und arbeitet. Pieschen brauche kein Spaß- oder Sportbad, in dem Wettkämpfe ausgetragen werden. Darauf sei das Gebäude gar nicht ausgelegt, ergänzt Helms. Der Architekt war zu DDR-Zeiten in der Stadtverwaltung im Sportstätten- und Bäderbetrieb für die Bäder Dresdens zuständig und kennt sich im Sachsenbad bestens aus. „Schließlich bin ich damals sogar durch die Lüftungsrohre gekrabbelt“, erzählt er.

Als das Stadtbad 1929 eröffnet wurde, gab es neben der Schwimmhalle mit einem 25 Meter-Becken, Wannen- und Duschbäder, Gymnastikräume, eine Physiotherapieabteilung, zwei Saunaanlagen, einen Friseursalon, eine Arztpraxis sowie einen Imbiss. „Sogar an eine Hausmeisterwohnung haben die Planer unter Leitung von Stadtbaurat Paul Wolf gedacht“, erklärt Helms. Er ist davon überzeugt, dass die Konzeption des Bauwerks und seiner technischen Anlagen selbst heutigen energetischen Anforderungen entspricht.

Deshalb ist er auch ganz klar gegen einen Umbau des Sachsenbades. „Aus einer Kaffeemaschine lässt sich nun mal kein Toaster machen“, sagt er. Doch habe die Zeit der intensiven Nutzung dem Bauwerk enorm zugesetzt. Bereits in den 1980er-Jahren sei das Sachsenbad stark sanierungsbedürftig gewesen, weshalb auch entsprechende Baupläne erstellt wurden. „Doch deren Umsetzung scheiterte am Geld“, so Helms. Inzwischen wären rund 18 Millionen Euro nötig, um das Sachsenbad zu sanieren.

Zu diesem Ergebnis kam vor vier Jahren eine Machbarkeitsstudie des städtischen Bau- und Immobilienunternehmens Stesad. Doch mit den 18 Millionen allein ist es nicht getan. Die Stadt müsste den Badebetrieb jährlich mit etwa 31.000 Euro bezuschussen, besagt die Studie.

Christian Helms kann das nicht glauben. Vielmehr ist er sich sicher, dass das Bad wirtschaftlich betrieben werden kann. „Schließlich würden alle Altersklassen davon profitieren“, sagt er. Auch Stadträtin Kati Bischoffberger ist davon überzeugt, dass sich der Betrieb des einst beliebten Stadtbades lohnen würde. Nicht zuletzt, weil der Dresdner Nordwesten weiter wächst.

Zahlreiche Wohnungen sollen im Ortsamtsbereich Pieschen entstehen, unter anderem an der Markuspassage, an der Hubertusstraße oder entlang der Sternstraße. „Wo sollen die Kinder, die hier künftig leben, Schwimmen lernen oder Schwimmunterricht haben?“, fragt sie. Schließlich plane die Stadt, in Pieschen mehrere Schulen zu errichten. Da müsse auch an die Erfüllung des Lehrplanes gedacht werden. Als nächstes Argument führt die Stadträtin den Bildungsbericht an. Darin werden immer wieder die fehlenden motorischen Fähigkeiten der Kinder angeführt. „Das Bad würde auch hierbei helfen.“

Doch nicht nur die Pieschener sind für den Wiederaufbau des Sachsenbades. Unterstützung bekommen sie nun auch von Linken-Stadtrat Tilo Kießling. Er sieht durchaus Chancen, das einst beliebte Stadtbad wiederzubeleben. Jedoch müssten inzwischen rund 20 Millionen für die Sanierung aufgebracht werden. „Wenn man die Stesad-Studie zur Grundlage nimmt und gemeinsam mit den Bürgern