merken

Lifeline-Kapitän wirbt in Dresden für Seenotretter

Die Hilfsorganisation "Mission Lifeline" und die Initiative "Weltoffenes Loschwitz" luden zur Demo. 

Claus-Peter Reisch über den Dächern von Dresden.
Claus-Peter Reisch über den Dächern von Dresden. © Stefan Becker

Dresden. Die Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline" und die Initiative "Weltoffenes Loschwitz" baten am Samstagmorgen zu einer kleinen Demo im Sinne der Seenotrettung. Knapp 100 Frühaufsteher folgten dem Weckruf und versammelten sich an der sogenannten "Senfbüchse". Das Joseph-Herrmann-Denkmal mit dem künstlerischen Innenleben erinnert an die  Rettung von zwei Schiffbrüchigen auf der eisigen Elbe vor 220 Jahren - am 24. Februar 1799. 

Anzeige
Weltgrößte Hochzeit findet in Dresden statt

Dass Kaiserschmarrn nicht nur lecker ist, beweist derzeit eine Ausstellung im Großen Garten. 

"Die Rettung von Schiffbrüchigen ist eine humanitäre Pflicht, das wollen wir den Bürgern näher bringen", sagte Organisator Axel Steier im Vorfeld. Auf der Kundgebung in der Nähe des Blauen Wunders sprach auch Claus-Peter Reisch, der für diesen Termin extra aus seiner Heimatstadt Landsberg am Lech angereist war. Kurz nach seinem Auftritt machte er sich dann wieder auf den Weg gen Süden, wo er am Nachmittag auf einem Kongress der Jusos sprechen sollte. 

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

"Lifeline"-Kapitän muss Geldstrafe zahlen

Claus-Peter Reisch von der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline wurde in Malta verurteilt. Gegen das Urteil will er Berufung einlegen und berichtet von einem neuen Schiff.

In Dresden berichtete der Kapitän des zivilen Rettungsschiffs "Lifeline" von seinen Erfahrung bei der Rettungen von Flüchtlingen im Mittelmeer, schilderte die aktuelle Situation der privaten Hilfsorganisationen und lud jeden ein, sich selbst ein Bild zu machen von den Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Heimat verlassen. An permanente politische Anfeindungen gewöhnt, stellte er sich denen auch auf dem Bürgersteig in Loschwitz. 

Ein paar Diskutanten erklärten ihm die "Absaufen"- Rufe bei Pegida mit der Agitation bösartiger Provokateure. So traf sich am Samstag im Sonnenschein auch eine kleine Gruppe besorgter Bürger vor dem Buchhaus und diskutierte das musikalische Spektakel auf der anderen Straßenseite - dort gastierte Banda Internationale.

Das Banner zu Füßen der Musiker und Besucher fordert eine sichere Passage für Flüchtlinge übers Mittelmeer.
Das Banner zu Füßen der Musiker und Besucher fordert eine sichere Passage für Flüchtlinge übers Mittelmeer. © René Meinig

Vor dem Konzert verlasen die Veranstalter noch Grußworte von Grünen-Chef Robert Habeck sowie von der SPD-Bundestagsabgeordneten Susann Rühtrich aus Meissen. Von der lokalen Politprominenz sprachen André Schollbach von der Linken und natürlich Martin Wosnitza von der FDP. Neben Axel Steier vom Verein "Mission Lifeline" fungierte der Liberale als Gastgeber des Treffens in Loschwitz, wo er sich seit geraumer Zeit mit Nachbarn für einen weltoffenen Stadtteil stark macht. 

Anfangs sei die junge Initiative noch sehr familiär gewesen, beschreibt Wosnitza die Entwicklung der Gruppe, doch gerade das Bürgerfest habe gezeigt, dass das Interesse stetig wachse und die Menschen nicht länger schweigen wollen zu diversen politischen Entwicklungen am Elbhang. "Heute haben wir Flagge gezeigt und werden weitermachen" lautete sein Resümee nach zwei Stunden, als die Veranstaltung gegen Mittag endete. 

Freunde des patriotischen Sonnenbades trafen sich auf der anderen Straßenseite vor dem Buchhaus Loschwitz. 
Freunde des patriotischen Sonnenbades trafen sich auf der anderen Straßenseite vor dem Buchhaus Loschwitz.  © SZ

Reisch und sein Team sollen am 7. April in Köln mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2019 ausgezeichnet werden.

Dem Rettungsschiff "Lifeline" hatte die Regierung von Malta im Sommer 2018 fast eine Woche lang die Einfahrt in den Hafen verwehrt, nachdem es rund 230 Migranten vor Libyen gerettet hatte. Nach der Erlaubnis zum Einlaufen wurde das Schiff im Hafen festgesetzt und Reisch steht seitdem in Malta vor Gericht. (SZ/stb)