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Karibu heißt Willkommen

Elf Monate verbrachte Ann-Christin Liebers in Tansania. Das Verständnis für Gastfreundschaft ist dort anders.

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© privat

Von Michelle Hillebrand

Den täglichen Blick auf den Kilimandscharo vermisst sie ganz besonders. Ann-Christin Liebers verbrachte fast ein ganzes Jahr im tansanischen Mwika direkt am höchsten Bergmassiv Afrikas.

Bereits seit der achten Klasse hatte sie den Wunsch, ein Jahr im Ausland zu verbringen. In der elften und zwölften Klasse begann sie, zu planen und Bewerbungen an verschiedene christliche Organisationen zu schicken. „Am liebsten wollte ich nach Kenia oder Tansania“, sagt Ann-Christin. Nach dem Abitur im letzten Jahr am Gymnasium Rochlitz setzte sie diese Pläne in die Tat um und flog Anfang September gemeinsam mit den anderen Freiwilligen des Leipziger Missionswerks nach Tansania. Nach einem zweiwöchigen Sprachkurs zu Beginn lebte sie auf dem Gelände der Bibelschule in Mwika.

Gewagt hat sie diesen Schritt aus verschiedenen Gründen. „Ich wollte vor dem Studium gern etwas Neues kennenlernen, und meinen Horizont erweitern“, erzählt die 19-Jährige.

Ein knappes Jahr arbeitete sie in Tansania mit am Projekt HuYaMwi. „Ziel des Projektes ist es, Waisen und Witwen zu helfen und auch sozial schwache Familien sowie HIV- und Aids-Betroffene zu unterstützen“, erklärt Ann-Christin. Zusammen mit einer weiteren Freiwilligen oder anderen Mitarbeitern des Projekts besuchte sie Familien in den verschiedenen Gemeinden der Umgebung. „Wir haben zum Beispiel Decken und Matratzen besorgt, wenn diese Dinge fehlten“, erzählt sie. „Außerdem versuchen wir, nachhaltig zu helfen.“

Manche Familien haben wir mit Kleintierprojekten unterstützt.“ Eine Frau verdiente das gesamte Schulgeld für ihre Kinder, indem sie mit einer trächtigen Ziege, die sie 2009 durch das Projekt HuYaMwi erhalten hatte, weiter gezüchtet hat, erzählt Ann-Christin.

Außerdem besuchte sie jedes Wochenende eine andere Gemeinde zum Waisenkindertreffen. „Dort blieb neben den Bibeleinheiten natürlich auch immer viel Zeit zum Spielen, Toben und Erzählen“, ergänzt Ann-Christin.

Anders sei in Tansania vor allem die Gastfreundschaft. „Ein Besucher kommt nie ungelegen. Hat jemand einen Termin und plötzlich kommt ein Gast vorbei, dann kommt man eben zu spät zu dem Termin“, erzählt Ann-Christin. Auch die Esskultur ist eine ganz andere. Außerdem hat man in Tansania ein anderes Verständnis für Pünktlichkeit. „Es gibt zum Beispiel gar keinen Busplan. Man stellt sich einfach an bestimmte Punkte an die Straße und man muss nie länger als zehn Minuten warten“, erinnert sie sich. Auch Technik und Maschinen spielen in Tansania nicht eine so große Rolle wie in Deutschland. „Vieles wird per Hand gemacht“, erklärt die 19-Jährige.

Viel vermisst habe sie nicht in Tansania. „Meine Familie hat mir natürlich sehr gefehlt, aber sonst hatte ich alles, was ich brauche“, erzählt die junge Frau aus der Nähe von Geringswalde. Jetzt sei das aber anders. „Ich vermisse hier viel von Tansania. Das Essen zum Beispiel. Und auch die herzlichen Begrüßungen und Gespräche, mit Bekannten, die man auf der Straße trifft. Das ist in Deutschland anders.“

Doch nicht nur das habe sie an Erinnerungen aus diesem Jahr mitgenommen. „Da waren so wahnsinnig viele schöne Momente und Erfahrungen. Ich habe eine komplett neue Sprache gelernt“, erzählt die 19-Jährige. Kisuaheli spricht man in Tansania, eine Sprache, die für die junge Frau völlig neu war. „Am Anfang war es wirklich schwierig. Aber gerade die Besuche in den Familien haben mich motiviert zu lernen und verstehen zu wollen“, sagt sie. Karibu heißt Willkommen.

Auch für die Zukunft hat Ann-Christin schon Pläne. Ab Oktober studiert sie in Magdeburg Medizin. Nach Tansania will sie aber auf jeden Fall noch mal zurück.