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Karl May auf 100 Seiten

Seit über 30 Jahren gibt es eine Zeitschrift zu Ehren des Abenteuerschriftstellers. Welche Rolle spielt Radebeul dabei?

© Norbert Millauer

Von Lisa-Marie Leuteritz

Radebeul. 500 Kilometer von der Karl-May-Stadt Radebeul entfernt entsteht viermal jährlich das größte Magazin zu Ehren des Winnetou-Erfinders. In dem kleinen Städtchen Borod im Westerwald legte Jörg Wörner im November 1984 den Grundstein.

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Alles begann mit einer Sammlung von Fotokopien von Beiträgen über den sächsischen Schriftsteller. Zusammengehalten von einer Tackernadel. In den folgenden Jahren vergrößerten sich sowohl die Redaktion als auch die Leserschaft rasant. Gleichzeitig stieg auch die gestalterische Qualität. Schon bald wurde aus den einzelnen Seiten eine gedruckte und gebundene Version des damaligen „Karl-May-Rundbriefes“. Und auch der Name änderte sich bald. Ab 1993 nannte sich das Magazin „Karl May & Co.“. Die Leserzahlen wuchsen munter weiter. Die ehrenamtlichen Redakteure und Grafiker gründeten einen gemeinnützigen Verein, um die Auflagenhöhe besser bewältigen zu können. Es entstand der Mescalero e.V. als Herausgeber des Magazins.

Auf den fast 100 Seiten des Karl May & Co. finden sich heute viermal im Jahr Beiträge rund um das Leben und Schaffen des Schriftstellers. Auch viele Information zu Bühne und Film werden regelmäßig aufgegriffen. Die Zeitschrift finanziert sich ausschließlich durch Anzeigen, Spenden und den Preis von 9,50 Euro pro Ausgabe.

Autoren interessieren sich für May

Rolf Dernen ist der Leiter des Magazins und bereits seit 15 Jahren dabei. Seine Leidenschaft für den außergewöhnlichen deutschen Schriftsteller begann mit einer Radiosendung. „Ich hörte damals die Geschichte ‚Schatz im Silbersee‘ im Rundfunk und fragte gleich meinen Vater, wer denn dieser Karl May ist“, sagt der 64-Jährige und schwelgt in Erinnerungen. Diese Sympathie ist bis heute geblieben. In den letzten Jahren wuchs auch die Liebe zu Radebeul. „Es ist für mich immer wie Nach-Hause-Kommen“, erzählt Dernen von seinen letzten Besuchen in der Weinstadt. „Als damals die Mauer fiel, war der erste Satz meiner Frau ‚Mensch, jetzt können wir endlich ohne Probleme ins Karl-May-Museum nach Radebeul fahren‘. Das werde ich nie vergessen“, erinnert er sich.

Die Sonderausstellung im Radebeuler Karl-May-Museum hat Rolf Dernen selbstverständlich schon gesehen und berichtet in der aktuellen Ausgabe darüber. „Die Ausstellung ist vom Feinsten, ich bin absolut begeistert. Es ist erstaunlich, was das Museum aus dem kleinen Raum gemacht hat“, schwärmt er von seinem letzten Besuch.

„Wir versuchen, den gesamten Karl-May-Kosmos darzustellen und sind damit einzigartig in Deutschland“, umschreibt Dernen das Anliegen des Magazins. Fast 1 000 Abonnenten hat die Zeitschrift inzwischen, sogar ein Australier ist darunter. An spannendem Material mangelt es nie. „Die Themen finden uns. Wir haben regelmäßig Anfragen von Autoren, die etwas schreiben möchten“, so Dernen.

Bei den Karl-May-Festspielen werden die Vertreter des Magazins ebenfalls wieder dabei sein. „Wir hoffen auf zahlreiche Besucher. Wir haben viele Kontakte zu Radebeulern, nur sieht man sich kaum. Das ist eine schöne Kontaktbörse, die Festtage“, freut sich Derner. Jedes zweite Jahr sind die Ehrenamtler in der Westernstadt „Little Tombstone“ mit einem Stand vertreten.