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Karpfenernte gestartet

Die Teichwirtschaft Moritzburg hat die ersten Teiche abgefischt. Das heiße Wetter bereitet den Fischern aber Sorgen.

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© Arvid Müller

Von Sven Görner

Moritzburg. Die Sonne versteckt sich an diesem frühen Morgen noch hinter den Bäumen. Das Wasser des kleinen Teiches liegt so im Schatten. Bis die Sonne über die Wipfel schaut, will Henry Lindner, der Geschäftsführer der Teichwirtschaft Moritzburg GmbH, die Fische aus dem Wasser haben. Denn durch die Hitze am Tag und die länger werdenden Nächte ist das nicht mehr so stark mit Sauerstoff angereichert. Wenn die Tiere dann auch noch Stress haben, etwa durch das Abfischen, besteht die Gefahr, dass sie das nicht überleben.

Ein Spiegelkarpfen wurde aus dem Moritzburger Teich in Moritzburg gefischt.
Ein Spiegelkarpfen wurde aus dem Moritzburger Teich in Moritzburg gefischt. © kairospress

Für den Jägerteich an der Volkersdorfer Straße in Moritzburg, gleich gegenüber dem Haus, wo einst der Maler Erik Mailick wohnte, brauchen die Fischer kein großes Netz. Und auch keinen Bagger zum Anlandholen ihrer Ernte. Die glänzenden Fischleiber, die sie hier mit einem Kescher nach oben reichen, passen in ein paar Bottiche. Einige ganz gut gewachsene Karpfen, vor allem aber Schleien treten nach einer Stunde Arbeit den Weg in die Hälterbecken der Teichwirtschaft in Bärnsdorf an.

Der Jägerteich ist der fünfte von 24 Teichen, die bis in den November hinein abgefischt werden müssen. Das große Fisch- und Waldfest um den Schlossteich am letzten Oktoberwochenende ist dabei traditionell der Höhepunkt. Aber auch der Fixpunkt, dem sich der gesamte Abfischplan unterordnen muss. Denn die meisten der von Henry Lindner und seinen Mitarbeitern bewirtschafteten sogenannten Himmelsteiche sind durch ein ausgeklügeltes System miteinander verbunden. „Für uns bedeutet das, den Abfischplan durchzuziehen, auch wenn es aufgrund des Wetters vielleicht besser wäre, mit einem Teich mal ein paar Tage länger zu warten.“

So wie jetzt gerade. Denn während die bisher abgefischten Teiche mit 1,5 bis drei Hektar mehr ein Training mit nur einigen Zentner Ertrag waren, steht in dieser Woche mit dem Niederen Großteich das erste große Gewässer im Plan. Um das Risiko für die Fische zu minimieren, hat Henry Lindner entschieden, den Teich nicht ganz so weit abzulassen wie sonst. Dennoch ist die Ernte aus den genannten Gründen nicht ohne Risiko.

Doch auch die anderen Gewässer müssten bei dem jetzigen Wetter täglich kontrolliert werden. Denn sterben plötzlich massenhaft Algen ab, wird dadurch schlagartig der Sauerstoff knapp. „Dann können wir versuchen, mit Walzen auf dem Wasser die Situation wieder in den Griff zu bekommen“, erklärt Lindner. Hilft das nicht, bleibt nur ein Notabfischen. In der Hoffnung, möglichst viele Fische lebend aus dem Wasser zu bekommen.

Die Karpfen aus den ersten Teichen sind noch etwas unter den Erwartungen des Teichwirts geblieben. Im Durchschnitt brachten sie 1,5 Kilo auf die Waage. „Ich hatte mit etwas mehr gerechnet“, sagt Henry Lindner. „Denn eigentlich waren die Bedingungen in diesem Jahr gut.“ Die rund 80 000 zwei Sommer alten Satzfische – insgesamt 40 Tonnen – konnten im Frühjahr zum geplanten Zeitpunkt in die Teiche gebracht werden. Und danach ließ der richtige Mix aus Sonne, Regen und Wind die Tiere gut fressen. Der Geschäftsführer hofft, dass die meisten Karpfen noch gut zulegen. Schließlich haben die meisten dafür noch ein paar Wochen Zeit. „Wenn sie gut fressen, nehmen sie im Monat etwa 400 Gramm zu.“ Unterm Strich hofft Henry Lindner, in diesem Jahr rund 150 Tonnen Fisch ernten zu können. „Das ist schade, denn wir könnten 20 bis 30 Tonnen mehr verkaufen.“ Auch die Teichwirtschaft, so der Geschäftsführer, verzeichnet in den letzten Jahren ein deutlich steigendes Interesse an regionalen Produkten. „Und auch viele junge Familien bereiten statt Fischstäbchen lieber frischen Fisch zu.“

Ob es bei der erhofften Erntemenge bleibt, hängt nicht allein vom Wetter ab. Denn die Fische in den Moritzburger Teichen stehen auch bei Kormoran und Fischotter auf der Speisekarte. Derzeit lagern rund 100 der schwarzen Vögel an den Teichen. Am kleinen Oberen Autobahnteich an der Abfahrt Marsdorf hatte die Teichwirtschaft im Frühjahr 150 Fische eingesetzt. „Rausgeholt haben wir jetzt 70.“ Die anderen hat sich der Otter schmecken lassen.

Der Hofladen der Teichwirtschaft in Bärnsdorf ist jetzt wieder freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet.