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Katastrophe im Hirschgrund

Das Unwetter vom Montag riss Gerölllawinen mit sich. Schöna bangt um eine Straße. Neustadt pumpt Wasser aus der Schule.

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© Mike Jäger

Von Gunnar Klehm und Anja Weber

Schöna. Auch wenn der Landkreis keinen Katastrophenalarm ausgelöst hat. „Für uns ist das Unwetter auf jeden Fall katastrophal“, sagt der Bürgermeister von Reinhardtsdorf-Schöna, Olaf Ehrlich (parteilos). Eine Superzelle, wie Meteorologen das Gewitter vom Montagabend bezeichnen, schüttete innerhalb von Minuten bis zu 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter aus den Wolken.

Am Tag danach zog der Bürgermeister mit Verwaltungsmitarbeitern durch die Gemeinde und nahm die Schäden auf. „Das haben wir alles gar nicht an einem Tag geschafft“, sagt Ehrlich. Dramatisch sieht es im Hirschgrund aus. Das ist die einzige ordentliche Straße, die vom Ortskern Schöna hinunter ins Elbtal zum Elberadweg und einigen Wohnhäusern dort führt. Die Straße wurde an einem Zuflusses in den Mühlgrundbach vom Geröll komplett verschüttet. Die Feuerwehr musste die Straße sperren. Am Dienstag räumte das Technische Hilfswerk die Geröllberge beiseite. Die Straße ist wieder notdürftig befahrbar. Ob es Schäden gibt, die die Verkehrssicherheit grundsätzlich infrage stellen, muss erst noch begutachtet werden. Die Bauverwaltung schätzt die Schadenshöhe in der Gemeinde auf eine halbe Million Euro.

Theaterfundus geflutet

Der Hirschgrund ist eine Gemeindestraße und damit die Kommune zuständig. „Das können wir nie und nimmer bezahlen, auch nicht anteilig“, sagt Bürgermeister Ehrlich. Das ist die eigentliche Katastrophe für die Anlieger im Elbtal. Deshalb hat die Gemeinde jetzt einen Bittbrief an das Landratsamt geschrieben.

Die zeitweise gesperrte Bahnstrecke im Elbtal ist inzwischen wieder frei. In Neustadt steht dagegen noch viel Arbeit an. Das Unwetter traf die Stadt heftig. Mittendrin steckten Autos fest – darunter ein Einsatzfahrzeug der Neustädter Feuerwehr. Ein Retter griff zum Handy und filmte die Szenerie. Wie ein reißender Fluss bahnen sich die Wassermassen ihren Weg über die Götzingerstraße in Neustadt. Beinahe horizontal peitscht der Wind den Regen. Hinzu kommen dicke Hagelkörner, die in den Sturzbach fallen. Das Video hat die Feuerwehr auf ihrer Facebook-Seite hochgeladen. Es wurde Hunderte Mal geteilt.

Dass die Friedrich-Schiller-Oberschule in Neustadt mal unter Wasser stehen könnte, das hätte Schulleiter Klaus Anders nicht gedacht. In der Nacht zum Dienstag hat er zusammen mit der Feuerwehr versucht zu retten, was zu retten ist. Gemeinsam mit dem Hausmeister und einer Lehrerin eilte er abends zur Schule an die Rosa-Luxemburg-Straße. Etwa 80 Zentimeter hoch stand das Wasser im Untergeschoss. Stundenlang pumpten Einsatzkräfte das Wasser aus dem Schulgebäude. Woher der Sturzbach kam? Über die Kellerfenster. Der Starkregen hatte die Kanalisation überfordert. Im Schulhof quoll der Gullideckel über. Wasser überall. Durch den Druck wurden die Fenster leicht nach innen geöffnet.

Inzwischen sind die Zimmer wieder begehbar. Der Unterricht läuft normal, ohne Einschränkungen. Doch erst jetzt wird der ganze Schaden sichtbar, den die Wassermassen angerichtet haben. Das Schularchiv wurde überflutet. Ebenso das Schulbuchlager. Der Fundus des Theatervereins Schillers Schüler ist genauso betroffen. Ein Technikkabinett ist vorerst nicht benutzbar. In einem zweiten soll ab Donnerstag wieder Unterricht möglich sein. Klaus Anders und den „Ersthelfern“ steckt der Schock noch in den Knochen. Inwieweit das Wasser das Schulgebäude geschädigt hat, ist momentan noch unklar.