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Westen von Afghanistan erneut von schwerem Erdbeben erschüttert

Im Westen von Afghanistan wird am frühen Mittwochmorgen erneut ein starkes Beben registriert. Es hat dieselbe Stärke wie die verheerenden Erdstöße am Samstag.

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Ein afghanischer Junge trauert neben dem Grab seines kleinen Bruders, der beim Beben am Samstag in der Region Herat ums Leben kam. Am frühen Mittwochmorgen wurde die Region erneut von einem schweren Erdbeben erschüttert.
Ein afghanischer Junge trauert neben dem Grab seines kleinen Bruders, der beim Beben am Samstag in der Region Herat ums Leben kam. Am frühen Mittwochmorgen wurde die Region erneut von einem schweren Erdbeben erschüttert. © Ebrahim Noroozi/AP/dpa

Herat. Der Westen Afghanistans ist am frühen Mittwochmorgen erneut von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Laut US-Erdbebenwarte USGS hatte das Beben eine Stärke von 6,3 und ereignete sich rund 28 Kilometer nordwestlich der Stadt Herat in einer Tiefe von zehn Kilometern. Berichte über Verletzte oder neue Schäden gab es zunächst nicht.

Damit bebte die Erde erneut in der Region, in der bereits am Wochenende bei mehreren Erdbeben laut Medienberichten fast 2.500 Menschen gestorben waren. Mehr als 2.000 weitere Menschen wurden demnach verletzt. Das UN-Nothilfebüro OCHA hatte die Zahl der Todesopfer dagegen bisher mit mehr als 1.000 angegeben. Herat liegt in der gleichnamigen Grenzprovinz nahe dem Iran und ist nach Kabul die zweitgrößte Stadt Afghanistans.

Beben mit Stärke 6,3 auch am Samstag

Am Samstagmorgen hatten mindestens acht Beben innerhalb kurzer Zeit die Grenzregion nahe dem Iran erschüttert. Die US-Erdbebenwarte USGS bezifferte die Stärke auf Werte zwischen 4,6 und 6,3. Die Erdstöße ereigneten sich nordwestlich von Herat in einer geringen Tiefe von rund zehn Kilometern. Am Montag wurden Erdstöße der Stärke 5,1 registriert.

© dpa Grafik

Immer wieder gibt es schwere Erdbeben in der Region, wo die Arabische, die Indische und die Eurasische Platte aufeinandertreffen. Bei einem verheerenden Beben kamen 2022 in Afghanistan mehr als 1.000 Menschen ums Leben. Nach mehreren Jahrzehnten Konflikt sind viele Häuser schlecht gebaut. Erdbeben richten daher oft große Schäden an.

UN-Welternährungsprogramm warnt vor Hungersnot

Derweil warnte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) wegen drastisch gesunkener Finanzmittel vor einer Hungersnot in Afghanistan. "Die Lage ist ziemlich hoffnungslos", sagte der WFP-Regionaldirektor für Asien und den Pazifik, John Aylieff, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Programme für humanitäre Hilfe seien "drastisch unterfinanziert".

Das WFP habe für Afghanistan 80 Prozent weniger Geld als vergangenes Jahr, sagte Aylieff. Statt 1,6 Milliarden US-Dollar (rund 1,5 Milliarden Euro) stünden für Afghanistan nur 340 Millionen US-Dollar (rund 320 Millionen Euro) zur Verfügung. "15 Millionen Menschen in Afghanistan leiden aktuell Hunger, 13 Millionen wollten wir mindestens erreichen. Wegen fehlender Finanzierung mussten wir zehn Millionen Menschen davon die Hilfe streichen", sagte er dem RND.

Afghanische Frauen trauern nach einem Erdbeben im Bezirk Zenda Jan in der Provinz Herat im Westen Afghanistans um Angehörige, die ums Leben gekommen sind.
Afghanische Frauen trauern nach einem Erdbeben im Bezirk Zenda Jan in der Provinz Herat im Westen Afghanistans um Angehörige, die ums Leben gekommen sind. © AP

Kritische Lage durch nahenden "brutalen Winter"

Durch den nahenden "brutalen" Winter in Afghanistan werde es "besonders kritisch": "Manche Bergdörfer sind durch den Schnee für bis zu sechs Monate von der Außenwelt abgeschnitten. Ohne Vorräte können sie nicht überleben", sagte Aylieff. Er erwartet drastische Folgen: "Natürlich werden Menschen fliehen. Aber vor allem werden mehr Menschen sterben."

Der UN-Vertreter forderte die internationale Staatengemeinschaft auf, ihre Unterstützung für Afghanistan zu erhöhen. "Auch wenn die Taliban viele hochproblematische Entscheidungen treffen, muss die Humanität an erster Stelle stehen", sagte er. Die Unterstützung für Afghanistan sei im Vergleich zu den Hilfen für andere Länder deutlich stärker gesunken. "Das entspricht dem Bedarf in keiner Weise." (dpa)