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Katastrophenplan für den Blackout

Das Rathaus bereitet sich auf einen großen Stromausfall vor. Dabei kommt es aber auch auf jeden Dresdner an.

© action press

Von Christoph Springer

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Das Licht geht aus. Der Kühlschrank kühlt nicht mehr. Fernseher und Radio bleiben stumm, der Handyakku ist bald leer. Fällt der Strom aus, gehen plötzlich viele Selbstverständlichkeiten verloren. Die Stadt bereitet sich auf diesen Fall sehr genau vor. Regie führt dabei Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU), der unter anderem für das Brand- und Katastrophenschutzamt zuständig ist. Das Szenario: In ganz Dresden gibt es mehrere Tage lang keinen Strom.

Mögliche Ursachen: Naturgewalten, technisches Versagen oder Terror

Auslöser können Hochwasser, Sturm, der Masten umkippt, oder ein Eisregen sein, der Leitungen beschwert und reißen lässt. Auch technische Probleme im Leitungsnetz sind denkbar. „Man ist nicht allein in der Welt, durch das europäische Verbundnetz hängt alles zusammen“, sagt Sittel. „Wenn ein Problem im Netz irgendwo auftaucht, kann das bis zu uns durchschlagen.“ Dieses Szenario hält er für das wahrscheinlichste. Die Schlimmste aller Möglichkeiten ist eine Terrorattacke. „Bei einem Anschlag auf die Energieversorgung wird es womöglich nicht bleiben, sondern auch noch andere Einrichtungen treffen.“

Erster Schritt: Das Lagezentrum im Rathaus nimmt die Arbeit auf

„Die Mitarbeiter haben eine Anweisung: Finde Dich im Stabsraum ein und warte nicht auf eine Alarmierung“, erklärt Sittel. Zum Stab gehören unter anderem Feuerwehr, Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk und Mitarbeiter aus dem Rathaus. Sie nehmen Kontakt zur Polizei und übergeordneten Behörden, Krankenhäusern sowie der Drewag und den Verkehrsbetrieben (DVB) auf. Bei einem Anschlag muss die Stadt auf Hilfe durch staatliche Stellen setzen. „Es besteht die Gefahr von Folgeanschlägen“, sagt Sittel.

Kommunikation aufbauen: Einfacher Ersatz für Telefon und Internet

Polizei und Katastrophenschutz können auf Funkgeräte setzen. Um die Bevölkerung zu erreichen, plant die Stadt bei Stromausfall ein Meldersystem und Kommunikationspunkte. Mitarbeiter aus dem Rathaus und den Ortsämtern nehmen dort Hinweise entgegen und informieren über neueste Entwicklungen. Melder, die bei passender Witterung auch per Fahrrad unterwegs sind, halten Kontakt zum Lagezentrum im Rathaus. Können die Radiostationen noch oder wieder senden, hilft zu Hause ein Kofferradio mit Batteriebetrieb.

Selbst versorgen: Dresden setzt auf das Kraftwerk Nossener Brücke

Bei einem technischen Problem außerhalb der Stadt soll das Dresdner Netz abgekoppelt werden. Dann könnte das Kraftwerk an der Nossener Brücke wenigstens einen Teil der Stadt wieder mit Strom versorgen. Sittel spricht von einer Insellösung. Dabei kann das Kraftwerk wie üblich mit Gas, falls nötig aber auch mit Öl betrieben werden. Etwa ein Drittel des Stroms, den die Stadt im Normalfall braucht, kann in dem Kraftwerk hergestellt werden.

Schwerpunkte setzen: Zuerst kommen die Kliniken wieder ans Netz

„Krankenhäuser und Katastrophenhelfer brauchen unmittelbar Strom“, sagt Sittel. Die Kliniken haben eigene Generatoren, mit denen sie sich vorübergehend selbst versorgen. Auch die Lebensmittelversorgung muss sichergestellt werden. „Kultureinrichtungen brauchen für ihre Sicherheit Strom“, sagt Sittel. Kitas werden gebraucht für Eltern, die im Hilfseinsatz sind.

Sprit sparen: Kraftstoff wird für Einsatzfahrzeuge und Retter gebraucht

Auch die Pumpen an Tankstellen funktionieren ohne Strom nicht. Wer kann, sollte deshalb aufs Auto verzichten. Die Straßenbahnen bleiben bei einem Blackout stehen. Der Krisenstab und die DVB müssen dann entscheiden, wo noch Busse fahren sollen. Auch dabei stellt sich die Frage, wie die Fahrzeuge betankt werden können.

Eigene Vorbereitung: Die Dresdner haben Erfahrung vom Hochwasser

„Jeder sollte sich Gedanken darüber machen, wie er seinen Tag gestaltet, wenn es keinen Strom gibt“, sagt der Ordnungsbürgermeister. Viele Dresdner wissen das spätestens seit dem Hochwasser im August 2002. „Wer keine Erfahrung damit hat, kann ja mal die Hauptsicherung rausdrehen und das durchprobieren.“ Wie man sich auf einen solchen Notfall vorbereiten sollte, steht in einem Ratgeber des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Dazu gehört unter anderem der Kauf eines Campingkochers.

Freude bereiten: Gute Nachricht für den Striezelmarkt

Wenn gerade mal ein Drittel des Strombedarfs gedeckt werden kann, bedeutet das nicht, dass alle Veranstaltungen ausfallen. Sittel sagt: „Noch stärker als bei Hochwasser wird bei Stromausfall die Psychologie wichtig sein.“ Deshalb sollte der Striezelmarkt dann trotzdem öffnen.

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