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Kater vom Dach heißt jetzt Bob

Großenhains bekanntester Vierbeiner hat jetzt nicht nur einen Namen. Für die Fellnase vom Fuchsbau gibt es jemanden, der sich auch um ihn kümmert.

© Brühl

Von Catharina Karlshaus

Großenhain. Seit einer Woche ist er sachsenweit bekannt. Seit einer Woche erkundigen sich Menschen aus dem ganzen Freistaat – und weit über die Grenzen hinaus – nach seinem Befinden. Denn seit einer Woche ist er in Sicherheit: Der rotblonde Kater vom Dach der baufälligen Villa, genannt Fuchsbau, auf der Radeburger Straße in Großenhain.

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„Er ist noch sehr scheu. Aber es geht ihm den Umständen entsprechend gut“, sagt Manja Baumgartner. Bei der Initiatorin der Pfötchenhilfe Priestewitz hat der mittlerweile kastrierte Vierbeiner eine liebevolle Aufnahme gefunden. Und nicht nur das. In Anlehnung an den tierischen Romanhelden „Bob, der Streuner“, hört die prominenteste Fellnase Großenhains nun genau auf diesen Namen.

Dass ihr neuer Kumpel Bob vor ein paar Tagen die ganze Röderstadt aufgemischt hat, wissen seine neuen Priestewitzer Gefährten natürlich nicht. Nein, Gretel und Gretchen, mit denen er sich inzwischen auf einem Schrank gemütlich eingerichtet hat, haben nicht die geringste Ahnung, welche Strapazen ihr herrenloser Mitbewohner hinter sich hat. Dass er nämlich geschlagene neun Tage ohne Wasser und Nahrung in luftiger Höhe verbringen musste, nachdem er völlig geschwächt nicht mehr den Weg nach unten gefunden hat.

Aussichtslos schien nach zwei gescheiterten Versuchen der Großenhainer Feuerwehr eine Rettung. Bis sich am vergangenen Dienstag der Vorsitzende des Großenhainer Tierschutzvereines Armin Krake schließlich mit einem eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit gewandt hatte. Auch davon, dass Bob letztlich von Stefan Taugnitz vom Elektrozentrum Großenhain (EZG) mit einem Hubsteiger vom Dach geholt worden ist, haben die beiden Katzendamen keinen schnurrenden Schimmer.

Aber: Das müssen sie auch nicht. Die beiden scheuen Tiere, die nur ungern Berührungen zulassen und wohl ihre ganz eigene Geschichte mit sich herumtragen, tun dem jungen Kater gut. „Gleich, nachdem er zu uns gekommen ist, hat er die Nähe von Gretel und Gretelchen gesucht. Die Gesellschaft der Katzen beruhigt ihn irgendwie“, hat auch Manja Baumgartner beobachtet.

Die 41-Jährige ist momentan überhaupt das beste Zweibein, an welches Bob geraten konnte. Mit viel Geduld und Erfahrung im Umgang mit traumatisierten Tieren akzeptiert sie seine Art, sich zurückzuziehen. Manchmal, so Baumgartner, könne sie ihn schon behutsam am Kopf streicheln und dann fange er auch genüsslich an, zu schnurren.

All jene, die sich in den vergangenen Tagen aber beim Großenhainer Tierschutzverein gemeldet haben, um dem Kater vom Dach bei der Pfötchenhilfe einen Besuch abzustatten, müsse sie enttäuschen. Bob brauche einfach noch Zeit, um sich an sein neues Umfeld zu gewöhnen. „Es ist davon auszugehen, dass er sich nach seiner Geburt allein durchschlagen musste. Er kennt den Umgang mit Menschen augenscheinlich nicht und muss erst in dieses Miteinander hinein wachsen.“

Zeit, die ihm die „Pfötchenhilfe“ geben wird. Interessenten, so Armin Krake, Bob bei sich aufzunehmen, gebe es indes einige. Aus Kleinzadel riefen die Leute deshalb ebenso an wie aus Leisnig, Walda oder Dresden. Und Tierfreunde aus Bautzen, Kriebstein und Frankfurt hätten Geld gespendet – die angefallenen Arztkosten seien dadurch beglichen. Positive Begleitumstände, von denen wiederum Bob, der Kater vom Dach, nichts ahnen kann. Für ihn ist nur eines wichtig: Er ist in Sicherheit.