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Katze in großer Not

© privat

Seit neun Tagen hockt das jetzt kraftlose Tier auf dem Dach eines Großenhainer Gebäudes. Die Rettung ist schwierig.

Von Catharina Karlshaus

Großenhain. Sie ist Stadtgespräch Nummer eins: Die rotblonde Katze, die seit Dienstag vergangener Woche auf dem Dach der baufälligen Villa, genannt „Fuchsbau“, in Großenhain hockt. Ein sichtlich abgemagerter Vierbeiner, der vor neun Tagen den Weg durch das völlig marode Treppenhaus des 1880 errichteten Gebäudes nach oben gefunden hat – und jetzt in der Falle sitzt.

Offenbar ist das Tier inzwischen derart verwirrt, dass es den Weg heraus nicht mehr findet. Ohne Wasser, ohne Nahrung zu sich nehmen zu können, lässt sich das scheinbar junge Tier tagsüber immer mal wieder auf dem Dachsims sehen. Irrt umher, rutscht vor den Augen entsetzter Passanten ab, um sich dann glücklicherweise doch noch am angebrachten Schneegitter abstützen zu können. Bis jetzt. Denn ihre Kraft lässt sichtlich nach. Kein Wunder nach all der Zeit.

Zeit, mit der sich die Anwohner und der Großenhainer Tierschutzverein längst im ohnmächtigen Wettlauf befinden. „Ich bin geradezu fassungslos! Da sitzt seit Tagen ein Lebewesen in einer völlig hilflosen Lage auf dem Dach eines Hauses und es gibt in einer so großen Stadt wie Großenhain keine Möglichkeit, der Katze zu helfen“, sagt Armin Krake. Wie der Vorsitzende des Tierschutzvereines Großenhain betont, sei ihm durchaus bewusst, dass solch ein Einsatz – möglicherweise mit der Drehleiter der örtlichen Feuerwehr – auch Geld kostet. Aber lediglich tatenlos zuzuschauen, bis die Katze verhungert oder in die Tiefe stürzt, sei menschlich zutiefst verwerflich.

Immerhin: Bereits Ende vergangener Woche hatte ein besorgter Anwohner die Polizei informiert und um Hilfe gebeten. „Wir haben am Donnerstag in der Nacht ein ausdauerndes und klägliches Miauen gehört. Daraufhin habe ich nach der Arbeit am Freitagabend das zuständige Polizeirevier Großenhain verständigt, wo aber keine personellen Kapazitäten zur Verfügung standen“, sagt der Großenhainer. Seinen Namen in der Zeitung lesen will der Mann nicht. Wohl aber, dass das Tier endlich gerettet wird.

Ein Ansinnen, das er mittlerweile mit zahlreichen Röderstädtern teilt. Daniela Lange etwa läuft seit Tagen regelmäßig um das Haus herum, um zu sehen, wie es der Katze geht. Auch reingewagt habe sie sich ebenso wie zwei junge Männer, die gedacht hätten, doch noch einen Weg nach oben zu finden. „Aber wir haben wirklich keine Chance. Es ist zu gefährlich“, weiß Daniela Lange. Erstmals entdeckt habe sie die Katze am betreffenden Dienstag und danach gleich das städtische Ordnungsamt verständigt. Am Sonntag sei dann auch tatsächlich die Feuerwehr da gewesen. „Aber sie ist letztlich unverrichteter Dinge wieder abgefahren.“

Auf die Unterstützung der freiwilligen Kameraden gehofft hatte zu Wochenbeginn auch der Tierschutzverein. Mit einer Lebendfalle, einem Kescher und ausreichend Nahrung haben sich Armin Krake und seine Mitstreiter bereitgehalten. Aber Fehlanzeige. „Frau Thiel vom Ordnungsamt wird sich am Mittwoch erneut mit dem Verein abstimmen“, sagte Rathaussprecherin Diana Schulze am Dienstagmittag auf SZ-Anfrage. Der Einsatz der Feuerwehr nebst Drehleiter schlage mit gut 300 Euro zu Buche.

Hinzu kämen laut Kostensatzung der Freiwilligen Feuerwehr 38 Euro pro Kamerad. Da der Eigentümer der Katze nicht bekannt sei, könne man sich das Geld nicht zurückholen. Verwalterische Rechenexempel, für die Susann Lange keinerlei Verständnis hat. Völlig unakzeptabel ist für die Großenhainerin die Auskunft des Ordnungsamtes, dass „der Fall bearbeitet“ werde. Der Fall sei schließlich ein in Not geratenes Tier, was dringend Hilfe braucht. „Ich stehe jetzt hier gerade vor dem Haus und vor ein paar Minuten wäre sie fast abgestürzt. Wenn noch lange gewartet wird, ist die Katze tot“, empört sich Susann Lange am Telefon.

Dass der Fuchsbau bis in die Abendstunden hinein von Schaulustigen aufgesucht wird, hat auch der Eigentümer Carsten Meißner aus Bärnsdorf erfahren. Am Montag habe ihn die Stadt Großenhain angerufen und über den ungebeten Gast informiert. „Das tut mir auch sehr leid! Aber ich selbst kann da gar nichts machen. Die obere Etage ist im Inneren abgesackt. Es wäre lebensgefährlich, dort rumzuklettern“, mahnt Carsten Meißner. Tag neun ist verstrichen, ohne, dass etwas passiert ist. Als die Redaktion die Nachricht online stellte, trafen spontan Offerten von den Firmen EZG und Reinigungs-Richter ein, die privat ihre Hubsteiger anboten. Das Tier konnte aber noch nicht gerettet werden, weil es trotz Lockens nicht in Greifweite kam.

Nach Redaktionsschluss: Mit Hilfe einer Lebendfalle gelang am späten Dienstagabend doch noch die Rettung der Katze.