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Kaum Hoffnung für den Holländerturm

Der Holländerturm in Döbeln muss dringend saniert werden. Mehrere Versuche sind bereits gescheitert.

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Hoch oben auf dem Döbelner Staupitzberg steht er, der gut 30 Meter hohe Holländerturm. „Er ist ein Wahrzeichen der Stadt“, sagt Marianne Franke. Die Döbelnerin fände es „jammerschade, wenn der Turm verfällt.“ Als Kind sei sie oft auf dem Turm gewesen, vor allem an Wandertagen. Auch nach der Wende war Marianne Franke noch einmal auf dem Holländerturm.

Seit einigen Jahren kann der Turm nur noch von außen betrachtet werden. Ein Aufstieg ist nicht mehr möglich, weil die Treppe zum Teil beschädigt ist. Auch die Aussichtsplattform hat erheblichen Schaden genommen. „Die Plattform ist durch die Masten für die Antennen auseinander getrieben. Der eindringende Niederschlag und Frost haben erhebliche Schäden hinterlassen“, sagt Jörg Liebig, der im Landkreis Mittelsachsen für den Denkmalschutz zuständig ist. Dass der Turm einsturzgefährdet ist, will Liebig nicht zu 100 Prozent verneinen. „In extremen Situationen kann es zu extremem Verhalten des Turms kommen“, sagt der Denkmalschützer.

Keine Sanierung in Aussicht

Eine Sanierung scheint jedoch in absehbarer Zeit nicht realisierbar. Sven Ettrich ist seit 2002 der Eigentümer des Turms und des dazugehörigen Grundstückes. Als Eigentümer ist er verpflichtet, sich um den Erhalt des Denkmals zu kümmern, „im Rahmen des Zumutbaren“, wie Jörg Liebig ergänzt. Wie es mit dem Turm weitergeht, dazu will sich Sven Ettrich nicht äußern. Seit gut einem Jahr hatte er keinen Kontakt mehr mit Jörg Liebig. Der Denkmalschützer sieht im Moment keine Möglichkeit, wie der Turm die notwendige Sanierung erhalten kann, denn in der Vergangenheit sind bereits mehrfach Versuche ohne Erfolg geblieben. „Die einzige Möglichkeit wäre jetzt eine Notsicherung mit bescheidenen Mitteln. Dafür gibt es auch eine hohe prozentuale Unterstützung. Aber der Eigentümer muss auch rund ein Drittel Eigenleistung aufbringen“, sagt Liebig.

Noch bevor Sven Ettrich zum Eigentümer wurde, war der Turm Teil eines europäischen Projektes. Neben dem Döbelner Turm gehörten zu dem Netzwerk der schiefe Turm von Pisa sowie zwei weitere Türme. Ziel des Projektes sollte es sein, die Türme, die als Wahrzeichen ihrer Städte gelten, zu sanieren. Zu einer Sanierung des Döbelner Wahrzeichens kam es aber nicht. In der Idee steckt jedoch eine Chance. „Für europäische Netzwerke ist die Förderung hoch“, so Liebig. Als Sven Ettrich das Grundstück mit dem Turm im Jahr 2002 übernahm, wollte er aus der beistehenden Mühle wieder eine Gaststätte machen. „Wir haben einen Antrag auf Fördergeld gestellt, der ist jedoch abgelehnt worden“, sagt Liebig.

Zweiter Antrag gescheitert

Fünf Jahre lang war es danach ruhig um den Turm. Ettrich ließ den Gedanken, die Gaststätte wieder zu eröffnen, fallen. Der Turm sollte nur notwendig gesichert werden. „Das wären nur noch rund 20 Prozent der Gesamtkosten gewesen“, sagt Liebig. Doch auch für dieses Vorhaben wurde der Antrag auf Fördergeld abgelehnt.Seit mehr als 15 Jahren ist der Turm sanierungsbedürftig. Zugesetzt haben dem Denkmal nicht nur die Antennenmasten, die in den 1950er Jahren installiert wurden. „Zu DDR-Zeiten wurde der Turm nur temporär genutzt. Kaum einer hat richtig was an dem Gebäude gemacht“, so Jörg Liebig. Denkbar wäre, dass sich ein Verein gründet und um die Sanierung kümmert. Aber: „Häufig kommt es zu Schwierigkeiten zwischen dem Verein und dem Eigentümer“, weiß Jörg Liebig. Wie es mit Döbelns Wahrzeichen einmal weitergeht, ist offen.