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Kein Ende im Kleingartenstreit

Der Landesverband der Kleingärtner sollte schlichten, stellt sich aber auf die Seite des Kreisverbandes.

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Von Peggy Zill und Helene Krause

Der Kleingartenstreit in Großweitzschen geht in die nächste Runde. Ein Vor-Ort-Termin mit allen Beteiligten sollte die Sache endlich klären. Am Wochenende haben sich der Vorstand des Gartenvereins, des Kreisverbandes der Kleingärtner, die Garteninhaber Florian Thiele und Cindy Berger sowie der Präsident des Landesverbandes der Kleingärtner Peter Paschke an der Anlage „Am Freudenberg“ eingefunden. An letzteren hatten sich die jungen Gärtner gewand und gehofft, dass Paschke ihnen hilft. „Das hat er versprochen. Jetzt steht er in einer Reihe mit den anderen“, sagten Cindy Berger und Florian Thiele nach dem Termin enttäuscht.

Seit zwei Jahren tobt der Streit in der Gartenanlage „Am Freudenberg“. Die Räumungsklage gegen Florian Thiele wurde vom Amtsgericht abgewiesen. Für die Gärtner war das der Beweis, dass in ihren Gärten alles in Ordnung ist. Der Kreisverband der Kleingärtner deutet das Urteil eher so, dass Formfehler der Grund für seine Niederlage waren. Nun will der Kreisverband als Verlierer noch nicht einmal die vollen Prozesskosten tragen, weil Thiele keinen Anwalt aus der Region, sondern aus Jena, wo er seinen Zweitwohnsitz hat, beauftragt hat.

Nach dem Gerichtsurteil gab es einen gemeinsamen Gesprächstermin beim Landesverband in Dresden. Geschlichtet werden konnte der Streit aber auch hier nicht. So kam es zum Vor-Ort-Termin. „Der Verein hat das seit einer Woche gewusst. Wir bekamen die Einladung erst einen Tag vorher“, sagte Cindy Berger. Und als sie mit Freund Florian zur vereinbarten Zeit ankam, wäre der Rundgang schon abgeschlossen gewesen.

Anlass für den Streit sind ein angeblich so großer Teich, ein angeblich gefährlicher Zaun und jetzt auch noch eine Hecke aus nordischer Fichte. Bisher sind die Bäumchen 20 Zentimeter hoch. Erlaubt sind laut Kleingartenordnung des Vereins keine Nadelgehölze, die größer als drei Meter werden. Des Weiteren gibt es Beanstandungen an der Gartenlaube und an der Anbaufläche. Außerdem wollte Thiele in seinem Garten Bienen halten, was den Streit ausgelöst hat.

Florian Thiele erklärte, dass die Forderungen des Kleingartenvereins gegen das Gleichbehandlungsgesetz verstoßen. „Andere Gartenbesitzer haben auch Nadelhölzer angepflanzt. Nur bei mir wird das kritisiert.“ Peter Paschke, der die Gärten am Sonnabend besichtigt hat, stellte ebenfalls Verstöße gegen die Kleingartenordnung fest. Vor allem die Hecke, die Größe des Gartenteiches und das Aussehen der beiden Gärten kommen zur Sprache. Die Dachbegrünung soll nicht der Norm entsprechen und ein Schlauch, der Dachabwässer ableitet, geht auf den Gemeinschaftsweg. Argumente, die Thiele nicht gelten lässt. Die Fichtenhecke will er beschneiden, so dass sie keine drei Meter hoch wird. Andere Garteninhaber hätten viel höhere Hecken. „Jeder, der zu einem Kleingarten kommt, muss Regeln beachten“, erklärte Peter Paschke. „Das ist das Grundanliegen einer Gemeinschaft.“

Weil es keine Einigung gibt und jede Partei der anderen Lügen vorwirft, wird Florian Thiele bald schriftlich beauflagt, den Gartenteich zu sichern und die Fichtenhecke zu beseitigen. Sollte er dem nicht nachkommen, droht ihm erneut die Kündigung seiner Gärten.