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Kein Parkplatz für die Enkel

Die Seniorenresidenz am Neumarkt wirbt mit Wohlfühlwohnungen im Alter. Doch zum glücklichen Lebensabend fehlt etwas.

Von Daniel Krüger
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Links ein Halteverbot, rechts reservierte Parkplätze für Mitarbeiter. Wer seine Angehörigen im Advita-Haus sehen will, muss mit dem Bus kommen – oder in die Tasche greifen.
Links ein Halteverbot, rechts reservierte Parkplätze für Mitarbeiter. Wer seine Angehörigen im Advita-Haus sehen will, muss mit dem Bus kommen – oder in die Tasche greifen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Hubert Müller ärgert sich. Seit knapp zwei Jahren wohnt der 89-Jährige gemeinsam mit seiner Frau in einer Wohnung des Neumarktquartiers am Meißner Nicolaisteg. Eigentlich gefällt es dem Ehepaar in dem Anfang 2017 neu errichteten Gebäudekomplex gut. „Die Einrichtungen im Stadtzentrum erleichtern den älteren Bürgern das Leben“, sagt Müller.

Doch seit einiger Zeit rumort es unter den Bewohnern des Quartiers, Müller spürt auch unter seinen Nachbarn immer wieder einen gewissen Unmut. Dabei geht es stets um dasselbe Thema: Die offenbar schlechte Parkplatzsituation vor Ort. 

„Die Wohnungen sind verkehrstechnisch fast unerreichbar“, klagt der 89-Jährige. Es gebe zwar eine Tiefgarage, in der die Bewohner der Anlage einen Stellplatz mieten könnten, aber keinerlei Parkmöglichkeiten für die Besucher der ansässigen Senioren.

„Links in der Einfahrt ist überall Halteverbot und auf der rechten Seite ist alles für die Mitarbeiter reserviert“, beschwert sich der Rentner. Ihm komme es vor, als kontrolliere das Ordnungsamt hier besonders emsig. 

„Hier können die Enkel nicht mal ihre Großeltern abholen, weil schon nach drei Minuten ein Strafzettel an der Scheibe hängt“, sagt Müller. Das widerspreche den Bedürfnissen der Senioren und auch der körperlich Behinderten, die hier eine Wohnung mieten, ist er überzeugt.

Es ist Freitag früh, 11 Uhr. Ein kurzer Besuch am Neumarktquartier zeigt: Die Situationsbeschreibung von Hubert Müller ist korrekt. In der Einfahrt zu den Wohnungen befinden sich keine Parkmöglichkeiten für Nichtanwohner. An den einzigen freien Stellplätzen draußen hat der Betreiber Advita Hinweisschilder angebracht: Parken nur für Mitarbeiter. Allerdings befindet sich im Hinterhof der Anlage ein großer Parkplatz, der jedoch nur mit einer Schranke zu öffnen ist.

Einer der Angestellten bestätigt, dass Besucherparkplätze hier „Mangelware“ seien. Hinter die Schranke hätten seines Wissens nach nur Mitarbeiter der Volksbank-Raiffeisenbank, die auch Eigentümer des Gebäudekomplexes ist und nebenan eine Filiale betreibt, einen Zugang. 

Wurde hier zulasten der Bewohner gespart? Nein, sagt die Meißner Advita-Niederlassungsleiterin Dorit Birke. Bei dem Betreuten Wohnen handle es sich eben nicht um ein Heim, das Angehörige regelmäßig besuchen, sondern um eine Wohnanlage, argumentiert sie. „In der Altstadt ist es eben ein bisschen eng. Wir beschäftigen 80 Mitarbeiter, da parken viele auch an der Elbe“, sagt Birke. 

Sie verweist zudem auf das Parkhaus der Neumarkt Arkaden, das Besucher für einen geringen Betrag nutzen könnten. Entgegen der Aussagen Müllers habe es an sie persönlich noch keine Beschwerden wegen der fehlenden Besucherparkplätze gegeben. „Irgendeine Lösung gibt es aber immer.“

Der Geschäftsführer der zuständigen Hausverwaltung, Roland Schmitt, sieht vor Ort hingegen wenig Möglichkeiten für zusätzliche Besucherparkplätze. „Wir bemühen uns, dass keiner der Senioren ein Auto braucht“, sagt Schmitt. 

Nur vier Prozent der Bewohner solcher Einrichtungen wie am Neumarkt hätten ein Auto, rechnet er vor. Deshalb gäbe es auch hier in der Tiefgarage noch Leerstand. „Dort könnte man vielleicht etwas für die Besucher machen“, sagt Schmitt und verspricht, in Kontakt mit den Anwohnern zu treten.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/meissenwww.sächsische.de/riesa oder www.sächsische.de/grossenhain vorbei.