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Kein Zug in Sicht

© Uwe Soeder

Die Anlieger-Gemeinden hoffen auf eine Neubelebung der Strecke Bautzen-Wilthen. Doch die Fachleute raten ab.

Von Katja Schäfer

Hoher Aufwand, kaum Nutzen. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens zur Wiederbelebung der Bahnstrecke Wilthen – Bautzen. In Auftrag gab es der Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien Zvon. Seine Konsequenz aus den Erkenntnissen: „Wir planen auf dieser Strecke definitiv keinen Zugverkehr“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Christoph Mehnert.

Wilthens Bürgermeister Michael Herfort (CDU), der sich seit Langem dafür einsetzt, dass wieder Züge zwischen Wilthen und Bautzen fahren, ist enttäuscht. „Das Gutachten bezieht sich ausschließlich auf eine Variante der Wiedernutzung. Es war keine komplexe Untersuchung der Strecke mit Varianten“, ärgert er sich. Untersucht wurde lediglich, was es bringen würde, die zwischen Zittau und Dresden verkehrende Regionalbahn über Bautzen umzuleiten. Diese Züge würden also aus Richtung Zittau bis Wilthen fahren, von dort nach Bautzen und dann über Bischofswerda nach Dresden und umgekehrt. Die Lösung hätte Vorteile: Es gäbe eine Zugverbindung zwischen Wilthen und Bautzen. Rodewitz, Großpostwitz und Singwitz bekämen wieder einen Zuganschluss. Von Bautzen aus könnte man direkt nach Zittau fahren. Dem gegenüber stehen die Nachteile, zum Beispiel eine längere Fahrzeit zwischen Zittau und Dresden sowie der Fakt, dass zwischen Bischofswerda und Wilthen dann nur noch der Regionalexpress fährt, der nicht überall hält. Neukirch-West, Putzkau und Schmölln würden so ihren Bahnanschluss verlieren. „Dadurch würden wir in dem Bereich mehr Fahrgäste verlieren als gewinnen“, sagt Christoph Mehnert. Zusätzlich gewonnen werden könnten nur Leute, die von Bautzen nach Wilthen wollen und umgekehrt. Doch da gibt sich der Zvon keinen Illusionen hin.

Bevor vor knapp zehn Jahren der Zugverkehr auf diesem Abschnitt eingestellt wurde, fuhren täglich nur 320 Leute mit. Die Chance, dass Fahrgäste bei einer Wiederbelebung der Strecke vom Bus auf die Bahn umsteigen, hält der stellvertretende Zvon-Geschäftsführer für gering. „Der Bus fährt die Schüler bis vor die Tür. Vom oder zum Bahnhof sind die Wege meist weiter“, begründet er.

Für die Bahn sprechen hingegen die kürzeren Fahrzeiten. Der Zug braucht von Wilthen nach Bautzen 19 Minuten. „Wenn man was an den Gleisen macht, könnte er noch schneller unterwegs sein“, sagt Christoph Mehnert. Busse fahren etwa 30 Minuten. Dafür aber viel öfter. Allein bei den direkten Verbindungen über Großpostwitz oder über Obergurig gibt es pro Tag insgesamt 18 Fahrten je Richtung. Hinzu kommen Varianten mit Umstieg in Kirschau. „Mit der Bahn würde es nur einen Zwei-Stunden-Takt geben“, sagt Mehnert. Ein Vorteil des Schienenverkehrs wäre hingegen, dass auch noch spät Züge fahren. Der letzte Bus von Bautzen nach Wilthen startet derzeit 20.45 Uhr.

Gegen eine Belebung der Bahnlinie sprechen für den Zvon auch die Kosten. Die 15 Kilometer lange Strecke wieder in Betrieb zu nehmen, würde 2,3 Millionen Euro kosten. „Bäume müssten verschnitten, der Gleisschotter verdichtet, die Bahnübergänge in Ordnung gebracht werden und vieles mehr “, zählt Christoph Mehnert auf. Michael Herfort ärgert sich über solche „Rechnungen“. „Der Zvon missbraucht das Ergebnis der Studie als Totschlag-Argument“, sagt er. Für ihn bedeutet „ein Erhalt bahntechnischer Infrastruktur auch den Erhalt der Zukunftschancen nachfolgender Generationen“. Deshalb will er sich mit dem Stadtrat weiter für die Strecke einsetzen und Akteure motivieren, über Alternativen nachzudenken. „Ich erhoffe mir von einer neuen Landesregierung ab 2014 stärkere Akzente im Bahnverkehr“. Hoffnungen setzt er auch auf die Vogtlandbahn als neuen Betreiber der Strecken Dresden-Zittau und Dresden-Görlitz. Der Zvon will sich hingegen zusammen mit dem Landkreis Bautzen mit den Ergebnissen der Studie auseinanderzusetzen, um den Busverkehr weiter zu verbessern. Auf ein Wort

Eine öffentliche Diskussion zum Thema „Von Wilthen nach Bautzen – Bus und Bahn im ländlichen Raum“ findet am Dienstag um 19 Uhr im Wilthener Rathaus statt. Das Herbert-Wehner-Bildungswerk lädt ein.