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Keine Weihe für Homosexuelle

Vatikan. Die katholische Kirche schließt das Priesteramt für schwule Kandidaten aus.

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Von Paul Kreiner,SZ-Korrespondent in Rom

Homosexuelle Männer können weder zu Priestern noch zu Diakonen geweiht werden. Dieses Verbot hat, unter ausdrücklicher Billigung durch Papst Benedikt XVI., die vatikanische Bildungskongregation ausgesprochen. Die gestern offiziell erlassene Instruktion war bereits vor acht Tagen durch eine für vatikanische Verhältnisse unerhörte Indiskretion in die Öffentlichkeit geraten.

Während heterosexuelle Männer einzig dem Zölibat unterworfen bleiben und sich damit vor der Priesterweihe zu einem ehelosen, keuschen Lebenswandel verpflichten, müssen homosexuelle junge Männer ihre Veranlagung während der Ausbildung im Priesterseminar offen legen. Wer seine „tief sitzenden homosexuellen Tendenzen“ (und damit verbundene eventuelle Jugendsünden) nicht mindestens drei Jahre vor den ersten Weihen „eindeutig überwunden“ hat, darf weder zum Priesteramt noch zu seiner Vorstufe, dem Diakonat, zugelassen werden. Das Versprechen, zölibatär zu leben, reicht für Homosexuelle nicht aus. „Es besteht kein Recht darauf, die heilige Weihe zu empfangen“, hält der Vatikan fest. Die Leiter der Seminare und die Beichtväter seien „im Gewissen verpflichtet“, homosexuell veranlagten Männern vom Priesteramt „abzuraten“.

„Affektive Reife“ gefordert

Das Papier hält fest: Praktizierende Homosexuelle, Menschen „mit tief sitzenden homosexuellen Tendenzen“ und diejenigen, „die eine so genannte Schwulen-Kultur unterstützen“, befänden sich „in einer Situation, die sie in schwerwiegender Weise daran hindert, korrekte Beziehungen zu Männern und Frauen aufzubauen.“

Gefordert wird von den künftigen Priestern demgegenüber eine „affektive Reife“; ausgestattet mit ihr sollen sie „eine korrekte Beziehung zu Männern und Frauen“ unterhalten und „einen wahren Sinn entwickeln für die geistliche Vaterschaft für die kirchliche Gemeinschaft, die ihnen anvertraut wird“.

Besonderen Zorn der Kritiker, besonders in Schwulen- und Lesbenverbänden, ernten die Textpassagen des Dokuments, in denen der Heilige Stuhl künftig auch Männer, die die „homosexuelle Kultur unterstützen“ – also Homo-Treffs besuchen oder homosexuelle Freunde haben – von der Priesterweihe ausschließen will.

Vatikan-Beobachter sehen das Instruktions-Papier übrigens ganz anders als viele Kritiker. Schließlich gebe es in der katholischen Kirche auch Kräfte, die überhaupt keine Homosexuellen als Priester wollen - auch nicht dann, wenn sie die „Tendenz“ überwunden haben, hieß es.

Unter diesem Gesichtspunkt sei das Schriftstück geradezu „moderat“. Wahrscheinlich ging es der beauftragten Kongregation letztlich darum, eindeutige praxis-orientierte Spielregeln und Richtlinien für die Priesterseminare aufzustellen – „wohl vor allem wegen der stetig steigenden Zahl Homosexueller in der Welt“, sagte Pater Eberhard von Gemmingen, der Leiter der deutschen Redaktion von Radio Vatikan. „Für Heterosexuelle und Homosexuelle gelten im Übrigen die gleichen Regeln, nämlich das Zölibat einzuhalten. Aber für Homosexuelle ist dies schwieriger, weil sie in der Kirche in einer Männergesellschaft leben“, erläutert von Gemmingen seine Sicht.