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Kindergedicht als Wahlmotto

Getragen von „WIR in Großenhain“ will Sebastian Bieler als unabhängiger Bewerber in den Stadtrat.

Von Birgit Ulbricht
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Raimo Siegert, Christian Stelzner, Sebastian und Maria Bieler (von links) sind „WIR für Großenhain“. Ihr Credo ist miteinander und gemeinsam agieren – so wie im Gedicht von Irmela Brender.
Raimo Siegert, Christian Stelzner, Sebastian und Maria Bieler (von links) sind „WIR für Großenhain“. Ihr Credo ist miteinander und gemeinsam agieren – so wie im Gedicht von Irmela Brender. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. In Großenhain meldet sich die zweite freie Wählervereinigung zu Wort. Nachdem seit 2014 schon die Alternative Liste (AL) von Kai-Uwe Schwokowski, Hans-Jörg Krutzki und Ramon Kuhbach im Stadtrat sitzt, wirft nun eine ganz andere Gruppierung ihren Hut in den Ring zur bevorstehenden Stadtratswahl. Beziehungsweise, sie muss genau damit noch warten. Denn vor jegliche Kandidatur hat der Gesetzgeber das Wohlwollen des Wählers gesetzt.

„Bei einer Partei geht man davon aus, dass eine größere Menschengruppe hinter einem Bewerber steht. Ein Einzelner muss das erst beweisen“, sagt Sebastian Bieler, „und nicht etwa allein, sondern getragen von einer Gruppe.“ Die heißt „WIR in Großenhain“ – das WIR unbedingt groß geschrieben – wie Bieler betont. Sie besteht aus Sebastian Bieler, seiner Frau Maria, Raimo Siegert und Christian Stelzner. Alle vier liegen auf ähnlicher Wellenlänge, kennen sich vornehmlich über Jahre aus der Kinder- und Jugendarbeit und haben sich das Kindergedicht „Wir“ von Irmela Brender als Credo gegeben. Klingt etwas verschroben, trifft aber genau den Kern, worum es den vieren geht. In den Zeilen heißt es unter anderem „Ich bin ich und du bis du. Wenn ich rede, hörst du zu (...) wenn du fällst, helf ich dir auf und du fängst mich, wenn ich lauf ...“ Zuhören, den anderen verstehen wollen, aufeinander eingehen, ehrlich sein, klar antworten und entscheiden – das alles scheinen Sebastian Bieler Tugenden zu sein, die grad in Vergessenheit geraten. „Ich habe schwere Zweifel, ob wir in Großenhain auf Dauer dieses Miteinander erhalten können, wenn das so weitergeht“, sagt er. In der tagtäglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erlebe er doch, wie junge Eltern auf Dinge reagieren, wie sie reden. Bei Kindern und Jugendlichen erlebe er momentan eine ganz große Spaltung. Als Großenhainer, Familienvater und Künstler möchte er positiv mitmachen, etwas gestalten, aufmerksam sein, fern von Ideologie und irgendwelchen Feindbildern.

80 Unterschriften im Rathaus

Versucht hatte er das schon einmal, damals auf der Liste der FDP. Viele Großenhainer hätten ihm danach gesagt: „Wir hätten dich gewählt, Sebastian, aber nicht bei der FDP“, erzählt er von seiner ersten Wahlerfahrung. Jetzt will er schauen, wie ehrlich das damals gemeint war, setzt er verschmitzt nach. Also bitte: 80 wahlberechtigte Großenhainer müssen nun bis zum 31. März ins Meldeamt des Rathauses gehen, sich ausweisen und unterschreiben, dass die Wählervereinigung überhaupt zur Kommunalwahl 2019 antreten darf. Eine ziemlich hohe Hürde, findet Bieler. Carsten Heine könnte ihm erzählen, wie er im Jahr 2004 noch um hundert solcher Unterstützer-Unterschriften bangen musste und auf dem Hauptmarkt stand, um mit Großenhainern ins Gespräch zu kommen. Der Gesetzgeber hat seitdem die Hürde ein wenig gesenkt.

Die Alternative Liste hatte es da 2014 zur Kommunalwahl komfortabel. Sie kam mit der Eingemeindung von Zabeltitz gleichsam als Erbe mit nach Großenhain und musste nicht um Unterstützer werben. Dafür muss die Alternative Liste (AL) diesmal um Kandidaten ringen. Weil Ramon Kuhbach nicht noch mal antritt, bleiben bisher nur zwei Mitstreiter. Auch die Parteien entdecken allesamt die Parteilosen für sich. Die CDU als stärkste Fraktion hat in ihren Reihen wiederholt mehr Parteilose als CDU-Mitglieder. Doch Partei-Räson will sich Sebastian Bieler nicht unterziehen.