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Weißwasser

Kita-Eltern fordern Antworten

Der dritte Bauabschnitt der Kita Ulja Weißwasser ist wichtig. Ein anderes Problem noch viel mehr, erfuhren die Räte jetzt.

Die Kita Ulja in Weißwasser wurde nach dem zweiten Bauabschnitt der Teilsanierung 2010 in Betrieb genommen. Seit 2011 gibt es trotz vieler Gegenmaßnahmen immer wieder Probleme mit Schimmel.
Die Kita Ulja in Weißwasser wurde nach dem zweiten Bauabschnitt der Teilsanierung 2010 in Betrieb genommen. Seit 2011 gibt es trotz vieler Gegenmaßnahmen immer wieder Probleme mit Schimmel. © Joachim Rehle

Sorgfaltspflicht hat die Stadt nicht nur für die Kinder, die in der Kita Ulja in Weißwasser betreut werden, sondern ebenso für die Mitarbeiter. Sandra Trause geriet regelrecht in Rage. Sie und zwei weitere Vertreter des Elternrats der Kita verwiesen auf ein gravierendes Problem in der Einrichtung: Schimmel. Ein Gutachten des Gesundheitsamtes enthält die Auflage „schnellstmöglich die Schadensursache abzustellen“. Das aber ist den Eltern viel zu vage formuliert. Sandra Trause zeigte Fotos von mit Schimmel befallenen Fensterfaschen. „Aber es passiert nichts. Wir wollen endlich wissen, wann etwas getan wird“, machte sie ihrem Ärger Luft.

Für ihre Kritik nutzten die Elternvertreter am Donnerstag das Angebot der Stadträte Bernd Frommelt (Wählervereinigung Für Kinder, Jugend und Familie – KJiK) und Karina Ott (WV Für unser Weißwasser), jeweils vor der Sitzung des Stadtrats mit Bürgern ins Gespräch über deren Sorgen und Nöte zu kommen. Im schlimmsten Fall werde die Kita geschlossen. Das ist den Elternvertretern durchaus bewusst. Das aber, so betonten sie, wolle keiner von ihnen.

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In der Stadtratssitzung am 25. Februar ist ein Beschluss über weitere Baumaßnahmen in der Kita Ulja zu fassen. Der dritte Bauabschnitt beinhaltet die Sanierung eines Nebengebäudes, ein Blockheizkraftwerk und die Erneuerung von Wirtschaftsräumen. Planung und Durchführung sollen 2020/2021 erfolgen. 872.000 Euro sind dafür vorgesehen, davon zwei Drittel aus einem Fördertopf zum Stadtumbau.

Aus Sicht der Elternvertreter „alles wichtige Punkte“, die aber nur wenig Sinn machen, bevor das Schimmelproblem nicht grundsätzlich geklärt sei, so Elternrat Manuel Wisotzky. „Das ist kein Zustand. Wir legen jetzt den Finger in die Wunde – und zwar so lange, bis wir eine Lösung haben“, ergänzte Sandra Trause. Die Eltern fordern von der Stadt Antworten. Das sieht auch Bernd Frommelt so. „Es ist ein Trauerspiel, dass eine vor zehn Jahren sanierte Einrichtung jetzt schon wieder für bald eine Million Euro in Ordnung gebracht werden muss“, findet er. Es sei aber wichtig, mit dem dritten Bauabschnitt zu beginnen. Ob in den veranschlagten Kosten allerdings auch Maßnahmen zur Verhinderung von Schimmelbildung drin sind, konnte der Stadtrat aus dem Stegreif nicht sagen.

Wie er und Stadträtin Karina Ott erfuhren, lag der Elternrat der Kita Ulja schon mehrfach mit der Stadt im Streit. Über die Essenspreise zum Beispiel. Unzufrieden sind die Eltern auch mit der Reinigungsleistung in der Kita. Zum einen werde zu nass gewischt, was die Schimmelbildung noch begünstigt, zum anderen sei mit jeweils anderthalb Stunden für zwei Arbeitskräfte, also insgesamt drei Stunden für das ganze Objekt, zu wenig Zeit veranschlagt, sagte Manuel Wisotzky. Außerdem sei die Generalreinigung, wofür die Kita im Sommer drei Wochen schließt, „gründlich in die Hose gegangen“, so Sandra Trause. Sie habe wegen der Schließung mit ihrem Mann den Urlaub gesplittet. „Dann kommt man in die Kita und nichts ist passiert. Die Eltern sind doppelt sauer“, erklärte sie. Mit der vorherigen Reinigungsfirma habe das alles viel besser geklappt. Aber, so vermutet die Elternvertreterin, sei diese in der Ausschreibung „wohl einige Cent teurer“ gewesen. Bernd Frommelt entgegnete, dass den Räten da „die Hände gebunden“ seien, weil sie verpflichtet sind, den günstigsten Anbieter zu nehmen. Man habe sich in Weißwasser mal anders entschieden, wonach sich die unterlegene Firma eingeklagt habe. Jemand warf ein, dass da der Städte- und Gemeindetag von unten Druck machen müsse, weil doch sicher viele Kommunen solche Probleme haben.

Bernd Frommelt ermutigte die Elternvertreter der Kita Ulja, ihre Sorgen am Dienstag direkt in der Stadtratssitzung vorzutragen. „Ich bin sehr froh, dass wir solche Hinweise gekriegt haben“, sagte er auf Nachfrage von Tageblatt.

Seit Oktober laden die beiden Stadträte jeweils am Donnerstag vor der Ratssitzung zum Gespräch ein. Dabei ging es auch um das Haushaltsstrukturgesetz. „Wir warten auf Vorschläge der Bürger, wo wir noch sparen könnten“, so Bernd Frommelt. Er jedenfalls sieht kaum noch Möglichkeiten. „Ich möchte weder auf Glasmuseum, Bibliothek, Tierpark oder Schwimmhalle verzichten. Für meine Begriffe hat die Stadt eine moralische Verpflichtung, gewisse Leistungen zu sichern“, sagte er. Zumal es sehr schwer sei, diese neu zu beleben, wenn sie erst einmal weg sind. Am ehesten seien Dinge wie das Hexenbrennen verzichtbar.

Ein älteres Ehepaar beschwerte sich, weil es als Weißwasseraner nach dem Fahrplanwechsel in Görlitz von dem Zug nach Dresden nur noch die Rücklichter sieht. Und ein anderes Ehepaar war gekommen, „um die Räte wissen zu lassen, dass es noch Bürger gibt, die sich dafür interessieren“. Karina Ott und Bernd Frommelt würden sich freuen, wenn noch mehr Einwohner ihr Angebot nutzen würden.

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