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Kleiner Bach, großer Schaden

Selbst bei Hochwasser machte der Tännichtgrundbach in Niederwartha keine Probleme. Am Dienstag reichten 30 Minuten Regen für eine Überschwemmung mit teuren Folgen.

© André Wirsig

Von Jana Mundus

Eigentlich hatte Familie Koch den gestrigen Feiertag anders geplant. Mit Freunden wollten sie wandern gehen, gemeinsam grillen, eine schöne Zeit haben. Doch der Tännichtgrundbach, der nahe an ihrem Grundstück auf der Weistropper Straße in Niederwartha vorbeifließt, zerstörte diese Pläne am Dienstagnachmittag. Und nicht nur die. Innerhalb von 30 Minuten schwoll das unscheinbare Bächlein zum gewaltigen Strom an, der an Haus und auf dem Hof massiven Schaden anrichtete. Seit Tagen wird nun aufgeräumt.

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Das Wasser schoss über die Weistropper Straße und Keller liefen voll.
Das Wasser schoss über die Weistropper Straße und Keller liefen voll. © Franziska Koch
Als das Wasser wieder abgeflossen war, wurde das Ausmaß der Zerstörung sichtbar.
Als das Wasser wieder abgeflossen war, wurde das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. © André Wirsig
Die Feuerwehr rückt zum Katastropheneinsatz aus.
Die Feuerwehr rückt zum Katastropheneinsatz aus. © Roland Halkasch

Heute soll der große Schuttberg in einen angelieferten Container wandern, gestern Nachmittag liegt er noch mitten auf dem Hof der ehemaligen Rysselmühle. Im Jahr 2001 hatten Kochs die alte Kornmühle gekauft und sie Stück für Stück saniert und ausgebaut. „Der Hof war erst vor Kurzem fertig geworden“, erzählt Uwe Koch. Die Arbeit von Wochen ist nun dahin. Keiner hatte damit gerechnet, dass der ergiebige Regen am Dienstag zu solch einer Zerstörung führt. Doch in dem Bach sammelt sich auch das Wasser, das aus Richtung Autobahn und von Feldern hangabwärts ins Tal fließt. Uwe Koch und seine Frau Franziska waren arbeiten, als es passierte. „Die Kinder und ihr Onkel waren zu Hause“, erzählt der Niederwarthaer weiter. Er habe noch angerufen, damit sein Bruder die Fischzuchtteiche sichert, die im hinteren Bereich des Grundstücks liegen. „Letztlich wäre es besser gewesen, das Haus zu schützen. Aber das konnte ja keiner ahnen“, fügt Franziska Koch hinzu.

In rasender Geschwindigkeit steigt das Wasser des Tännichtgrundbachs. Über einem Durchlass des Baches steht seit ewigen Zeiten ein alter, hölzerner Schuppen, der als Garage diente. Bei bisherigen Flutereignissen war das Wasser nie weiter als einen Meter unter die Oberkante gestiegen. Diesmal kommt es anders. Es schoss plötzlich zwischen der alten Garage und dem ehemaligen Mehlspeicher hindurch. Die Welle war gut zwei Meter hoch. Ein Auto, das auf dem Hof parkt, wird mitgerissen und in einer Ecke auf zwei andere Fahrzeuge geschwemmt. Die Wucht das Wassers reißt auch die Tür zum Kellergeschoss auf, das daraufhin vollläuft.

Als das Ehepaar Koch am Dienstag nach Hause kommt, sind Hof und Keller voller Schlamm. „Aber es haben sich sofort Freunde und Bekannte gefunden, die uns beim Aufräumen geholfen haben“, sagt Franziska Koch immer noch ergriffen. Bis zu 20 Leute hätten seit Dienstag täglich mit angepackt. So können sich Grundstückseigentümer und Helfer gestern auch eine Pause erlauben. „Wir wollen doch noch eine kurze Wanderung machen“, sagt ihr Mann. In den nächsten Tagen will ein Vertreter der Versicherung kommen, um die Schäden aufzunehmen. „Ich schätze, es sind mehr als 50.000 Euro Schadenssumme“, fügt er hinzu.

Auch andere Anlieger am Tännichtgrundbach haben gestern schon den größten Teil der Aufräumarbeiten geschafft. Die Weistropper Straße bleibt aber aus Richtung Meißner Straße vorerst gesperrt. Dort klafft ein Loch im Boden, muss das Pflaster in der nächsten Woche repariert werden. Die Bundesstraße 6 ist jedoch wieder frei für den Verkehr. Dort hatte die Freiwillige Feuerwehr Cossebaude die Fahrbahn am Mittwoch von Schlamm befreit. Nach den Aufräumarbeiten im Bereich der Buswendeschleife der Linie 94 „Am Fährhaus“ fährt der Bus nun wieder regulär.