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Kleiner Kater auf großer Fahrt

Am Mittwoch fuhr ein Kater in Görlitz Bus. Das abenteuerlustige Tier wurde von den Stadtwerken betreut, bis sein Frauchen ermittelt war.

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© Dayane Rohde

Von Ralph Schermann

Görlitz. Harry John von der Verkehrsgesellschaft Görlitz war baff: Drückte ihm doch ein Busfahrer einen Kater in den Arm. Nicht irgendeinen, sondern einen der edlen Sorte, einen viereinhalb Jahre alten Perser Blue-tabby-point: „Ins Kundenbüro wird ja viel gebracht, was in Bus und Bahn liegen bleibt. Eine Katze hatten wir noch nicht.“

Der Katzenjammer begann am Mittwochmorgen. Ina Rohdes Kater Salt hielt es für richtig, die Wohnung auf der Lutherstraße zu verlassen und es sich unter der Regenhaube eines abgestellten Kinderwagens gemütlich zu machen. Dort wachte er auch nicht auf, als Ina Rohdes Nachbarin sich samt Kinderwagen auf den Weg zu einem Arzttermin machte. „Erst dort fiel der Kater auf, doch unsere Nachbarin wusste nicht, woher er kam“, erzählt Ina Rohde. Da Salt wie ein Plüschtier ruhig liegen blieb, schlussfolgerte die Nachbarin, er müsse bereits am Reisebeginn im Wagen gewesen sein und deshalb zurückgebracht werden. Damit das schneller geht, entschied sie sich für den B-Bus. Zur Haltestelle war es schließlich nur ein Katzensprung. Im Bus aber erwachte Kater Salts Entdeckertrieb und er verließ das Körbchen. Versuche, ihn einzufangen, blieben erfolglos. Schließlich gab die Nachbarin auf – Bus und Kater schnurrten davon. An der Endstation aber katzbuckelte der Kater vor dem Busfahrer – und kam so zum Kundenbüro Demianiplatz. Dort machte er große Katzenaugen, denn der Stadtwerke-Service schien auch für Tiere zu gelten: Mitarbeiterin Patricia Mulack stellte auf Internet-Seiten Informationen über das herrenlose Tier, während ihr Kollege Leckerlis kaufen ging. Nicht für Frau Mulack, sondern für den Kater, der sich mit einem langgezogenen Miau auch gleich artig bedankte.

Um 11 Uhr meldete sich dann Frauchen Ina Rohde. Besagte Nachbarin hatte bei deren Tochter Dayane (14) nachgefragt, ob die Rohdes eine ihrer drei Rassekatzen vermissen. Und tatsächlich fehlte Kater Salt. Kurz darauf holten Mutter und Tochter den plüschigen Vierbeiner ab, um ihn über das Katzenkopfpflaster nach Hause zu tragen. Der Umzug ins Tierheim bleibt Salt damit erspart, und die Geschichte hat ein glückliches Ende. „Die Stadtwerker haben sich sehr gut um unseren Kater gekümmert. Dafür sind wir ihnen äußerst dankbar“, sagt Ina Rohde, und Harry John schmunzelt: „Auf ein Bußgeld wegen Schwarzfahrens werden wir mal verzichten.“ Salt wäre das sowieso egal. Er hält es sicher mehr mit der von Johann Wolfgang Goethe beschriebenen Kater-Definition: „Zum Fressen geboren, zum Kraulen bestellt, in Schlummer verloren – so gefällt mir die Welt.“