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Königstein hat seinen Edeka zurück

Drei Jahre mussten die Einwohner nach der Flut auf den neuen Markt warten. Die SZ war bei der Eröffnung mit dabei.

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© Kristin Richter

Von Carina Brestrich

Königstein. Donnerstagmorgen in Königstein. Siegfried Müller ist früh aufgestanden. Der Rentner aus Königstein hat einen besonderen Termin. Halb sieben, eine halbe Stunde vor Eröffnung, darf er in den neuen Edeka-Markt an der B 172. Aber nicht um die Eröffnungs-Schnäppchen vor allen anderen zu ergattern. Nein, Müller ist auf der Jagd nach etwas anderem: „Ich habe die Baustelle jede Woche fotografiert“, erzählt er. Jetzt, wo alles perfekt ist, die Regale eingeräumt und von den Kunden noch unberührt sind, soll die Dokumentation komplett werden. Gedacht ist sie für spätere Generationen. Sie sollen schließlich wissen, wie es aussah, als Königstein seinen neuen, hochwassersicheren Supermarkt bekam.

Edeka-Chefin Gabi Schmidt hat sich viele Anregungen aus anderen Edeka-Märkten geholt.
Edeka-Chefin Gabi Schmidt hat sich viele Anregungen aus anderen Edeka-Märkten geholt. © Kristin Richter
Siegmar Köckritz war am Donnerstag der Erste an der Kasse.
Siegmar Köckritz war am Donnerstag der Erste an der Kasse. © Kristin Richter
Mit ins neue Gebäude gezogen sind die Sparkasse und die Landbäckerei Schmidt.
Mit ins neue Gebäude gezogen sind die Sparkasse und die Landbäckerei Schmidt. © Kristin Richter

Gabi Schmidt ist froh, dass sich jemand ums Fotografieren kümmert. Zeit zum Bilderschießen bleibt für die Filialleiterin an diesem Tag nicht. Sie schüttelt Hände, nimmt Gratulationen entgegen. Die Kunden wissen, wer Frau Schmidt ist. Ihr Name und der Königsteiner Edeka gehören seit 16 Jahren zusammen: „Das einzige Wasser, was hier rein darf, ist das in den Flaschen“, sagt eine Kundin. Gabi Schmidt nickt und lächelt. Nicht nur sie ist glücklich über ihren neuen Edeka, sondern die ganze Stadt.

Drei Jahre lang mussten die Königsteiner ohne Lebensmittelmarkt im Ort auskommen. Sechsmal hatte der Edeka zwischen der B172 und den Bahngleisen unter Wasser gestanden. Nach der jüngsten Flut, vor drei Jahren, war Schluss. Edeka gab wenig später bekannt, das Gebäude abreißen zu wollen – und am selben Ort neu zu bauen. Dank fünf Meter hoher Stelzen bleibt der Neubau künftig bis zu einem Pegel von 12,50 Meter trocken. 2013 lag er bei 11,70 Meter.

Siegmar Köckritz ist der erste Kunde an der Kasse. Der Königsteiner freut sich über seinen neuen Titel. Seine Nachbarin hat den Rentner zur Eröffnung mit in die Stadt genommen. Köckritz war neugierig. Schließlich hatte er das Baugeschehen an der B 172 genau verfolgt. Nun stellt der 73-Jährige eine Vitaminkiste, bestehend aus Salat, Tomaten, Kräutern und anderem Grünzeug, aufs Band. „Der neue Markt ist ein Fortschritt für Königstein. Jetzt geht es wieder voran“, sagt er. In den vergangenen drei Jahren mussten die Königsteiner zum Einkaufen bis nach Bad Schandau oder Pirna. „Gerade für die, die nicht mehr so mobil sind, war das ein Problem“, sagt er. „Meine Frau arbeitet in Pirna und hat dort immer eingekauft, jetzt kann ich das wieder übernehmen“, sagt er.

Ein sogenannter Markt der Generationen soll der neue Edeka sein. Ein Konzept, auf das das Unternehmen bei seinen Märkten schon seit fast einem Jahrzehnt setzt und das beim Ehepaar Zimmermann aus Papstdorf gut ankommt. Die beiden nutzen den ersten Besuch gleich für ihren Wocheneinkauf. Trotz anfänglicher Suche nach den richtigen Regalen ist der Einkaufswagen reichlich voll – und die beiden Rentner zufrieden. „Die Gänge sind schön breit, man hat viel Platz“, sagt Heinz Zimmermann. Seine Frau Isolde stimmt zu: „Ich kann in den Regalen bis hoch langen“, sagt sie. Auch die kleine Holzhütte unweit der Kassen ist ihnen schon aufgefallen. Sie ist eine Idee von Gabi Schmidt. „Ältere können sich hier setzen und verschnaufen. Und für Kinder ist es eine gute Spielmöglichkeit“, sagt die Filialleiterin.

Dem Markt eine persönliche Note zu verleihen, das war der Einzelhändlerin wichtig. Ein großes Mitspracherecht hätten sie und ihr Team bei der Einrichtung gehabt. Und bei der Auswahl des Sortiments. Dieses sei nicht nur auf einheimische, sondern auch auf Urlauber und Wanderer abgestimmt. An der Wursttheke etwa gibt’s Knacker für unterwegs, an der Salatbar frisch von den Mitarbeitern angemachte Salate. „Das macht es einfacher, wenn man keine große Küche zur Verfügung hat“, sagt Gabi Schmidt.

Für Jana Brandt ist der neue Edeka ein beruflicher Schritt nach vorn. Im neuen Markt leitet die 27-Jährige die Fleischabteilung. Ihre Ausbildung hatte sie im alten Markt gemacht. „Ich wurde damals gerade eingearbeitet, um die Abteilung später mal zu übernehmen“, erzählt sie. Doch dann kam das Hochwasser. Und mit ihm für Jana Brandt und die anderen 29 Mitarbeiter die Frage, wie es weitergeht. „Ich wollte gern so viele Mitarbeiter wie möglich in den neuen Markt mitnehmen“, sagt Gabi Schmidt. Und tatsächlich: Die Hälfte der alten Kollegen ist wieder zurückgekehrt.

Mehr Mitarbeiter als früher hat Gabi Schmidt vorerst nicht eingestellt. Die Einzelhändlerin ist vorsichtig. „Wir haben erst mal mit dem alten Umsatz gerechnet“, sagt sie. Schließlich gilt es jetzt, die alten Kunden wieder zurückzuholen. „Diejenigen, die noch mobil sind, haben sich umgewöhnt.“ Gabi Schmidt hofft, sie zurückgewinnen zu können: „Das geht nur, wenn wir etwas anderes bieten als andere.“