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Komm’ bau ein Haus

Die Radebeuler Lutherkirchgemeinde legt Grundstein für neues Gemeindehaus. Ab Juni rollen die Bagger.

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© Norbert Millauer

Von Stephan Hönigschmid

Radebeul. Der Himmel hat seine Schleusen geöffnet. Und es ist kalt. Trotzdem sagt Pfarrer Christof Heinze am Sonntag voller Inbrunst: „Heute ist ein schöner Tag.“ Grund für seinen Enthusiasmus ist die Grundsteinlegung für das neue und lang ersehnte Gemeindehaus der Radebeuler Lutherkirchgemeinde.

© Arvid Müller

„Wir haben den Termin bewusst gewählt, weil vor 125 Jahren ebenfalls am Pfingstsonntag der Grundstein für diese Kirche gelegt wurde“, sagt Heinze. Symbolisch ist der Termin aber nicht nur deshalb. Auch das Pfingstfest spielt eine Rolle.

„Das Motto für unseren Hausbau heißt nicht umsonst: ‚Platz für Menschen, Raum für Gott’. Das sind pfingstliche Werte, die uns zeigen, dass Vertrauen, Hoffnung und Liebe nicht zum Absterben verurteilt sind“, sagt das Gemeindeoberhaupt und fügt an: „Wir möchten einen Ort schaffen, an dem sich Menschen begegnen können, unabhängig davon, ob sie arm oder reich, Rollstuhlfahrer oder Gehende, Gläubige oder Zweifler sind.“ Das Haus sei nur eine Hülle, die erst von den Besuchern mit Leben gefüllt werden müsse, so der Pfarrer.

An dem Gottesdienst, der in den ersten 45 Minuten in der Kirche stattfindet und anschließend zu dem vom Posaunenchor intonierten Lied „Komm, bau ein Haus“ ins Freie an die östliche Außenwand verlegt wird, wo einmal das Gemeindehaus „andocken“ soll, nehmen auch Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU), der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde aus Dresden, Alexander Nachama, und Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) teil.

Platz für 200 Menschen

Letzterer lobt die Geduld der Gemeinde auf ihrem Weg zum neuen Gemeindehaus. „In einer Zeit, in der alles immer gleich und sofort geschehen soll, hat sie einfach mal abgewartet. Ich habe Respekt davor, wie die Verantwortlichen über zehn Jahre hinweg das notwendige Geld zusammengetragen haben“, so Wendsche. Insgesamt kostet das Gebäude nach Angaben der Lutherkirchgemeinde etwa 1,7 Millionen Euro. Davon sind nach aktuellem Stand 93 Prozent finanziert. En détail fließen über das Sanierungsgebiet Ost von Bund und Land zu zwei Dritteln und von der Stadt zu einem Drittel 360 000 Euro in die Kassen der Kirche, 500 000 Euro steuert die Landeskirche bei. Der noch fehlende Betrag von reichlich 100 000 Euro soll über Eigenmittel und Spenden aufgetrieben werden.

Wenn alles nach Plan läuft, rollen im Juni die Bagger an. Welche Philosophie dann gelten soll, erläutert Architekt Christian Knoche aus Leipzig. „Wir werden darauf achten, dass sich das Gemeindehaus ganz behutsam in das bestehende Umfeld einfügt. Entscheidend ist, dass die Dominanz der Kirche unangetastet bleibt“, so Knoche. Laut Visualisierung soll das über einen Gang mit der Kirche verbundene Gebäude durch seine gläserne Fassade Transparenz signalisieren.

Herzstück des barrierefreien 470 Quadratmeter großen Neubaus ist ein großer Saal mit Platz für 200 Leute. Dieser soll auch Nicht-Kirchenmitgliedern offen stehen. So werden Tafel und Flüchtlingshilfe einziehen und zum Beispiel Sprachunterricht anbieten. Mit von der Partie ist zudem das benachbarte Karl-May-Museum.

„Karl May war jemand, der stets Menschen unabhängig von ihrer Herkunft zusammenbringen wollte. Dafür steht auch dieses Haus“, sagt Geschäftsführerin Claudia Kaulfuß, die zudem eine aus Meissener Porzellan bestehende Gedenkmedaille des Häuptlings „American Horse“ aus dem Jahr 1988 für die einzumauernde kupferne Zeitkapsel stiftet. Fertig werden soll der Bau im Idealfall bis zum 500. Reformationsjubiläum im Oktober 2017, aber spätestens bis zum 125. Jubiläum der Kirchweihe am 1. Advent desselben Jahres.

Für die Gemeinde endet dann eine Leidenszeit, die spätestens akut wurde, als sie 2008 das alte, marode Gebäude in der Neubrunnstraße abgegeben musste. Seitdem platzt das Pfarrhaus, in dem sich unter anderem Konfirmanden, Kurrendesänger, Bibelstunden- und Beratungsteilnehmer drängen, aus allen Nähten.