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Kommentar: Geschmacklose Entgleisung

SZ-Redakteur Sven Geisler über den Nazi-Vergleich der Fans in Aue.

Alles nicht so gemeint? Nur ein Spaß? Satire? Wer die Meinungsfreiheit beschwört, wenn sich Muslime über Mohamed-Karikaturen erregen, müsse so etwas aushalten? Ja, über solche Fragen wird diskutiert in den Foren der sozialen Netzwerke. Nach den Nazi-Vergleichen, mit denen Fans des FC Erzgebirge Aue den Kontrahenten RB Leipzig und seinen Geldgeber Dietrich Mateschitz diffamierten, gehen die Auffassungen auseinander.

In dem Protest gegen das millionenschwere Projekt des Brauseklubs sei alles erlaubt, mögen manche Fußball-Nostalgiker glauben. Aber da irren sie sich. Der Vergleich zu einem Österreicher, der Deutschland und die Welt in die Katastrophe trieb, der den Holocaust und Millionen Tote auf den Schlachtfeldern zu verantworten hatte, ist in jedem Fall unzulässig. Das gilt insbesondere, wenn er auf eine konkrete Person bezogen wird wie den Unternehmer Mateschitz.

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Die Plakate waren nicht witzig, und auch nicht so gemeint, sondern eine geschmacklose Entgleisung. Es gibt für viele gute Gründe, RB Leipzig abzulehnen. Die Fanszene der Traditionsklubs fürchtet, solche Geldanlagen zerstören die Fankultur, und da ist was dran. Aber lässt die sich mit Hass verteidigen? Wohl kaum.

Es ist nun am Verein aufzuklären, wie das Plakat und die Spruchbänder ins Stadion kommen konnten, wer mit dieser Aktion deutlich über das Ziel hinausgeschossen ist. Doch damit ist es genauso wenig getan wie mit einer Strafe für den FC Erzgebirge. Der deutsche Fußball muss einen Weg finden, mit RB Leipzig umzugehen. Während der Verband das Projekt wohlwollend begleitet, schimpfen die Verantwortlichen anderer Vereine vor allem aus Futterneid. So viel Geld hätten sie nämlich alle gern. Es sollte nur nicht aus dem Verkauf von Dosen kommen.