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Kostenloses WLAN im Stadtgebiet

Freifunk Mittelsachen wirbt um Döbelner Händler. Am Stiefelbrunnen kann man schon kostenlos im Internet surfen.

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© André Braun

Von Jens Hoyer

Döbeln. Der SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann hat es ausprobiert, die Sache mit dem Freifunken. Die Box, die bei ihm angestöpselt wurde, war nicht teuer: 14,90 Euro. Das Anschließen hat auch nicht länger als eine Viertelstunde gedauert, erzählt er. Und bislang funktioniert der Internetzugang reibungslos. Vor Homanns Bürgerbüro an der Breiten Straße hat jeder über sein Smartphone oder Tablet-Computer kostenlosen Zugang zum Internet. Auch das Kimmi Dolly 100 Meter weiter funkt schon. „Das ist eine Sache, bei der Döbeln nicht hinten an stehen sollte“, sagte Homann bei der Sitzung des Stadtwerberings, wo er zu Gast war und unter anderem fürs Freifunknetz werben wollte.

Hartha hat schon ein Netz, Leisnig und vor allem Waldheim, wo in 40 Prozent des Stadtgebiets mittlerweile freier WLAN-Zugang zu bekommen ist. Das ist auch kein Wunder, denn die Initiatoren kommen von dort. Dominic Ernst ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins Freifunk Mittelsachsen. Er macht in Döbeln Werbung für das Projekt. Je mehr Leute mitmachen, umso dichter wird das Netz.

Die Freifunker sind ein gemeinnütziger Verein. „Freifunk gibt es schon in vielen Großstädten. Der Verein ist in Berlin gegründet worden“, sagte Ernst. Den mittelsächsischen Ableger gibt es seit September vergangenen Jahres. Er betreut über 160 Knotenpunkte, das sind kleine Router, über den Geschäfts- und Privatleute kostenlosen Zugang zum Internet ermöglichen. Die Kosten sind überschaubar: Der Router kostet 15 bis 20 Euro. Dazu kommen drei bis vier Euro Stromkosten im Jahr. Das Problem mit der Störerhaftung hat sich auch erledigt. Bisher wurde der Eigentümer des Internetzugangs in die Pflicht genommen, wenn etwa jemand illegal einen Film aus dem Netz geladen hat. Die Störerhaftung ist generell gekippt. Außerdem lässt Freifunk den Datenverkehr anonym über eigene Server im Ausland laufen, sodass Störerhaftung kein Thema ist, sagte Ernst. Der Verein müsse auch keine Daten von Nutzern speichern.

Geld werde damit nicht verdient. „Wir machen das, weil es Spaß macht, so ein großes Netz zu betreiben“, sagte Ernst. Mittlerweile falle so viel Arbeit an, dass der Verein nicht aktiv Leute anspricht. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Interessenten auf uns zukommen“, so Ernst. Die Händler und Gastronomen könnten ihren Kunden, vor allem den jüngeren, einen kleinen Service anbieten, der nicht viel kostet. Und wenn mal das eigene Internet ausfällt, können sie selbst das freie Netz nutzen. „Ich finde, das wäre eine tolle Sache für Döbeln“, sagte Grit Neumann, die Vorsitzende des Stadtwerberings. Aber es gab auch kritische Stimmen. Eine Händlerin mutmaßte, dass es für die Kunden leichter wird, die Preise im Internet zu vergleichen. Und ein Mitglied empfindet gerade die Anonymität der Nutzer als schlecht. „Man müsste ein WLAN haben, bei dem wir nicht haften, aber trotzdem herauszubekommen ist, wer es missbraucht.“