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Kreistag will schneller nach Dresden

Die Politiker fordern eine stündliche Bahnverbindung ab Zittau über das Oberland – aber vorher prüft der Zvon.

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© Matthias Weber

Von Matthias Klaus

Stündlich von Zittau nach Dresden mit der Bahn, aber Halt an jedem kleinen Bahnhof – das haben die Bündnisgrünen jetzt im Görlitzer Kreistag vorgeschlagen. Und in seltener Einigkeit bekam der Antrag von den Kreistagsmitgliedern grünes Licht, 59 sagten ja, 13 enthielten sich ihrer Stimme. „Unser Antrag zielt darauf, dem Zvon politisch den Rücken zu stärken“, sagt Fraktionschef Thomas Pilz.

Die Bündnisgrünen sehen angesichts einer drohenden Unterfinanzierung im Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien ab 2017/2018 und damit verbundenen möglichen Kürzungen zwischen Zittau und Dresden mit dem Stundentakt ein Mittel, dem entgegenzuwirken. Hintergrund sind Umschichtungen von Regionalisierungsgeldern. Bereits Anfang des Jahres hatte der Zvon mitgeteilt, dass geprüft werde, ob Regionalbahnen zwischen Zittau und Wilthen oder sogar bis Bischofswerda zurückgenommen werden müssen. „Dies hätte zur Folge, das beispielsweise Zittau nur noch alle zwei Stunden eine Zugverbindung Richtung Dresden hätte“, heißt es von den Bündnisgrünen. Orte wie Eibau und Neusalza-Spremberg wären völlig vom Bahnverkehr abgekoppelt. Die Kreistagsfraktion befürchtet, dass mit dem Sparkonzept „massiv Fahrgäste wegbrechen und Fahrgeldeinnahmen verloren gehen“.

„Kreisangehörige Gemeinden, die ihren Bahnanschluss verlieren, büßen auch Lebensqualität ein, was zu weiterer Abwanderung aus der Region führen wird“, warnt die Fraktion. Die derzeitige Variante, mit den jeweils alle zwei Stunden verkehrenden Regionalbahnen und Regionalexpress-Zügen, sei insgesamt unbefriedigend. Sie sei zu unattraktiv, es sei nicht verwunderlich, wenn kleinere Haltepunkte wie Ober-oderwitz-Oberdorf und Mittelherwigsdorf schlecht nachgefragt würden. Für einen Regionalexpress Zittau-Dresden reiche die Nachfrage aber auch nicht mehr.

Mit dem nun vorgeschlagenen Konzept, dem „sauberen Stundentakt“ versprechen sich die Bündnisgrünen vor allem eine Steigerung der Fahrgastzahlen. Kleine Haltepunkte sollen wieder mehr von den Fahrgästen akzeptiert, Fahrten zu den größeren Orten, zur Schule erleichtert werden. Zudem lasse sich der Fahrplan leichter merken. „An den kleinen Haltestellen könnte es einen Bedarfshalt geben“, sagt Fraktionsvorsitzender Thomas Pilz. Er möchte vor allem auch das Oberland an die Bahn weiter angebunden sehen.

Die SPD-Fraktion im Kreistag Görlitz unterstützt das Vorhaben der Bündnisgrünen generell, bringt aber noch einen zusätzlichen Aspekt ins Spiel: die Verbindung über Großschönau, Varnsdorf, Seifhennersdorf. SPD-Fraktionschef und Großschönauers Bürgermeister Frank Peuker schlägt vor, dass Regionalexpress und Regionalbahn im stündlichen Wechsel fahren. „Ein ausschließlicher Stundentakt der Regionalbahn ist nicht zeitgemäß“, findet er. Der Vorschlag der Sozialdemokraten: Es solle geprüft werden, ob Züge über Eibau, Leutersdorf, Seifhennersdorf und weiter mit der bestehenden Trilex-Verbindung Richtung Varnsdorf, Großschönau Zittau nach Liberec möglich seien. „Damit würde ein Einzugsgebiet mit rund 30 000 Einwohnern mittels Regionalbahn erschlossen und hätte eine direkte Verbindung zur Landeshauptstadt“, argumentiert die SPD-Fraktion. „Wir drohen ansonsten, von den Oberzentren abgeschnitten zu werden“, sagt Frank Peuker.

Auf der Strecke Varnsdorf-Großschönau-Mittelherwigsdorf-Zittau-Liberec verkehrt seit 2010 der Trilex. Zwischen Eibau und Seifhennersdorf gibt es zwar noch die Schienenverbindung. Aber sie müsste saniert werden. Die SPD-Fraktion möchte prüfen lassen, ob dieser Bahnabschnitt wieder aktiviert und in die Trilex - Verbindung Seifhennersdorf - Zittau - Liberec und einen Regionalbahntakt Dresden-Eibau-Varnsdorf-Zittau-Liberec eingebunden werden kann. Der Kreistag gab diesem Plan mit großer Mehrheit seine Zustimmung. Ob es allerdings dazu kommt, hängt vom Zvon ab. Der Zweckverband wird sich jetzt mit dem Vorschlag des Kreistages beschäftigen, sagt Sprecherin Sandra Trebesius. Der Zvon werde sich mit den Partnern in Dresden und in Liberec (Reichenberg) abstimmen. Die nächste Sitzung der Verbandsversammlung findet am 5. Dezember statt.

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